Neuer Ärger um die Filstalbahn Wienecke warnt vor einer Durststrecke

Von 2017 an werden schnelle Interregio-Expresszüge stündlich von Stuttgart durchs Filstal bis zum Bodensee rauschen. Halte sind nur in Göppingen und Geislingen geplant, das ärgert die Menschen nicht nur im mittleren Filstal. Foto: dpa
Von 2017 an werden schnelle Interregio-Expresszüge stündlich von Stuttgart durchs Filstal bis zum Bodensee rauschen. Halte sind nur in Göppingen und Geislingen geplant, das ärgert die Menschen nicht nur im mittleren Filstal. Foto: dpa

Der neue Ärger um die Filstalbahn lässt die Süßener Sturm laufen. Und der SPD-Mann Sascha Binder rechnet mit dem Verkehrsminister ab.

Region: Corinna Meinke (com)
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Kreis Göppingen - Noch bis August müssen sich die Kreisbewohner gedulden. Solange werde es dauern, bis das Verkehrsministerium die Kritikpunkte am veränderten Filstalbahn-Fahrplan geprüft habe, hat Winfried Hermanns Amtschef Uwe Lahl an den Landrat Edgar Wolff geschrieben. Es rumort gehörig entlang der Filstalstrecke. Allen voran fordert die Stadt Süßen einen Halt des schnellen Interregio-Express (IRE), der künftig stündlich verkehren wird. Dies soll die geplante Streichung der bisherigen Regionalexpressverbindungen (RE) kompensieren. Eine Streichung, die eine Finanzspritze des Kreises verhindern könnte, konterte der Ministeriumssprecher Edgar Neumann.

Erst ab 2019 gibt es das S-Bahn Niveau

Der Kreis Göppingen hat nicht nur auf der B 10 ein dickes Verkehrsproblem, auch auf der Schiene erwarte das Filstal eine gehörige Durststrecke, sagte der Kreisverkehrsplaner Jörg-Michael Wienecke. Erst von 2019 an werde der Kreis mit dem Start des Metropolexpresses endlich zum S-Bahn-Niveau aufsteigen. Bis dahin sollen vom nächsten Fahrplanwechsel an stündlich zwar schnelle IRE-Züge von Stuttgart durch das Filstal bis zum Bodensee rauschen, diese werden allerdings nur in Göppingen und Geislingen halten.

Süßen fordert eine ordentliche Anbindung

Süßen sieht sich daher abgehängt. In einer von der CDU-Fraktion eingebrachten Resolution fordert der Gemeinderat, die schnelle Zugverbindung nach Ulm nicht zu streichen, und verlangt deshalb einen zusätzlichen IRE-Stopp in Süßen. „Wir sind ein wichtiger Bahnhalt im Filstal und fordern deshalb eine ordentliche Anbindung“, sagte der Süßener Bürgermeister Marc Kersting, der seine Stadt als Verkehrsknoten im mittleren Filstal beschreibt. Und mit dem geplanten bis zu 28-Hektar großen Gewerbeschwerpunkt, der gemeinsam mit den Nachbarkommunen entstehen solle, steige die Zahl der Pendler ohnehin weiter.

Auf Pendler wartet in Geislingen eine Geduldsprobe

So wehrt sich Kersting dagegen, dass vom kommenden Jahr an nur noch die Regionalbahn (RB) in Süßen halten soll. Vor allem in Richtung Ulm drohten durch den vorgesehenen 20-minütigen Aufenthalt der RB in Geislingen den Pendlern nach Ulm mehr als doppelt so lange Fahrzeiten wie bisher – eine Geduldsprobe für viele Süßener Pendler, deren Zahl das Stuttgarter Verkehrsministerium mit rund 200 Personen angibt.

Nachteile, die längst auch den Landrat auf den Plan gerufen haben: „Wir würden es sehr bedauern, wenn die dargelegten Mängel des Fahrplanentwurfs 2017 zu einer dauerhaft negativen Bewertung des Schienenverkehrsangebots durch die Fahrgäste führen würden.“ Die Chance, mehr Kunden für nachhaltig wirkende Mobilitätsangebote auf Bus und Schiene zu gewinnen, würde dadurch aufs Spiel gesetzt, schrieb Wolff an den Verkehrsminister.

Sascha Binder rechnet mit Hermann ab

Der Geislinger SPD-Landtagsabgeordnete Sascha Binder wirft Hermann vor, mit wenig Leidenschaft an einer Verbesserung zu arbeiten, Der Verkehrsminister habe die Zeit zwischen Landtagswahl und Regierungsbildung genutzt, um endlich das umzusetzen, „woran wir ihn während unserer Regierungsbeteiligung mehrmals hindern konnten, nämlich die Streichung einzelner Züge im Filstal“.

Hermann hat zugesagt, die Probleme demnächst vor Ort zu besprechen. Zu einer solchen Verkehrskonferenz im Kreis Göppingen hatte ihn die CDU-Verkehrsexpertin und Geislinger Landtagsabgeordnete Nicole Razavi eingeladen, die von erheblichen Verärgerungen der Bevölkerung angesichts der künftigen Fahrzeiten spricht.




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