Der gebürtige Stuttgarter Matthias Götz ist nach 25 Jahren Tätigkeit auf der Kanalinsel Jersey zurück in seiner Heimat und hat hier seinen Traumjob gefunden – in der Wilhelma.
„Der neue Job in der Wilhelma ist für mich ein Glückstreffer“, sagt Matthias Götz. Der studierte Biologe ist seit Februar der neue Leiter des Aquariums und Terrariums. Dort bringt der 53 Jahre alte in Stuttgart geborene Tierfan jede Menge Erfahrung in Sachen Artenschutz und Reptilien mit. Und die hat er nicht nur auf der Kanalinsel Jersey gesammelt, sondern bei Einsätzen weltweit – von Madagaskar bis nach Mauritius und in der Karibik.
Nach seinem Studium der Biologie respektive Zoologie an der Universität Tübingen ist Götz direkt auf der Kanalinsel Jersey beim Durell Wildlife Conservation Trust als Assistenzkurator gelandet und geblieben. Er war auf der Insel Artenschutz-Kurator und zuletzt zoologischer Direktor. Jetzt ist er in der Wilhelma: „Ich bin verantwortlich ist für alles, was keine Federn und Haare hat“: Fische, Amphibien, Reptilien, Seelöwen und das Schmetterlingshaus sowie beratend für das Amazonashaus.
Der neue Aquariums-Chef Matthias Götz in der Krokodilhalle der Wilhelma. Foto: Iris Frey
Von der Kanalinsel zurück in den Raum Stuttgart habe es ihn auch seiner Familie, insbesondere seiner Eltern und Freunde wegen gezogen, sagt Götz. Er ist in Neuffen aufgewachsen. So war es für ihn ein besonders glücklicher Zufall, dass Isabel Koch nach 30 Jahren Kuratorentätigkeit im Aquarium der Wilhelma in den Ruhestand ging und sie ihm ihre Aufgaben übergeben konnte. „Ich bin mit ihr nach wie vor im Kontakt.“
Bei den Fröschen wird derzeit die Beleuchtung optimiert. Foto: Iris Frey
Die Wilhelma kennt er aus der Kindheit, wo er auch öfter mit seinen Großeltern zu Besuch war. Sein Vater, Geografie- und Physiklehrer, hat ihn viel in die Natur und in andere Zoos mitgenommen. „Ich war von klein auf von Tieren begeistert.“ Schon früh hat sich Götz für Reptilien und Amphibien interessiert. Nicht nur für Kaulquappen und Frösche. Auch hielt er kleinere Reptilien in der Schulzeit. Echsen und Frösche fand er interessant zur Beobachtung, nicht als Haustier. Ähnlich sieht er auch die Grundidee im Zoo. Er interessierte sich für die Haltung der Reptilien und ihr Beutefangverhalten, wie etwa die Schneckennatter, die nur Schnecken frisst.
Reptilien und Amphibien sind seine Passion
Reptilien und Amphibien waren und sind sein Hobby, seine Passion. Ihn begeisterte dabei „ein relativ unverfälschtes Stück Natur ins Haus zu holen“, wie er sagt. Ähnlich sieht er auch die Grundidee im Zoo. 80 Prozent der Reptilien und Amphibien seien heute bedroht. Und bei den Fischen gibt es ebenfalls nun Zahlen.
Auch Süßwasserfische sind bedroht, hier ein Bereich in der Wilhelma. Foto: Iris Frey
Laut dem größten Umweltnetzwerk International Union for Conservation of Nature (IUCN) ist fast die Hälfte der europäischen Süßwasserfische vom Aussterben bedroht. Es gebe kaum Hinweise auf eine Artenerholung. Die IUCN fordert dringende Maßnahmen zum Schutz der aquatischen Biodiversität Europas. So seien fast sechs von zehn einheimischen europäischen Süßwasserfischarten laut einer Bewertung, die alle 558 einheimischen Arten umfasst, inzwischen von erhöhten Naturschutzbedenken betroffen. Die Ergebnisse zeigen, dass 42 Prozent vom Aussterben bedroht sind, während weitere 18 Prozent als nahezu bedroht eingestuft werden.
Die künftige Anlage für die San-Francisco- Strumpfbandnattern. Foto: Iris Frey
Götz engagiert sich als Privatperson im Wissenschaftlichen Beirat der Citizen Conservation-Foundation, die Zoos und Privathalter zusammenführt zum gemeinsamem Artenerhalt, von der noch nicht so bedrohten Art der Chinesischen Rotbauchunke bis zur hoch bedrohten Art der San-Francisco-Strumpfbandnatter. Für letztere wird in der Wilhelma gerade ein Gehege neben dem Aquarium gebaut. Das Becken ist schon am Entstehen. Es soll noch eine mannshohe Verglasung erhalten und ein Netzschutz gegen Fressfeinde installiert werden.
Hier entsteht die neue Karibik-Landschaft im Aquarium der Wilhelma. Foto: Iris Frey
Götz ist auch Mitglied der IUCN-Spezialistengruppe für Leguane. Sein Wissen und seine Erfahrung kann er nun in der Wilhelma einbringen. Dort wird im Aquarium gerade eine tropische Landschaft in eine Karibik-Landschaft umgebaut. Hier sollen karibische Inselleguane einziehen, die auf den Kleinen Antillen gefährdet sind. Die Inselgruppe hat Götz selbst regelmäßig besucht und ist dort mit den Artenschützern vernetzt. „Ich bin EAZA-Zuchtbuchkoordinator für den Kleinen Antillen-Leguan“, sagt Götz. Im Aquarium soll der neue Bereich im Herbst fertig sein.
Auch freut sich der neue Kurator, dass die Wilhelma 2025 ein Zentrum für den Schutz von Reptilien und Orchideen gegründet hat, ein Center for Special Survival (CSS). Götz möchte auf das Bestehende aufbauen. Sein Ziel: „Die Freundlichkeit, Offenheit und Professionalität, die ich hier erfahre, zu erhalten. Das wäre meine größte Freude.“