Neuer Band der Ostfilderner Schriftenreihe Über die Geschichte der Landwirtschaft

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Der neue Band der Ostfilderner Schriftenreihe ist eine Mischung aus Nachschlagewerk und Lesebuch. Es finden sich darin Zahlen ebenso wie spannende Erzählungen von Zeitzeugen, die über ihre von der Landwirtschaft geprägte Kindheit berichten.

So sah die Getreideernte im Jahr 1946 auf einem Feld bei Nellingen aus. Im Hintergrund ist der Klosterhof zu sehen. Foto: Stadtarchiv Ostfildern
So sah die Getreideernte im Jahr 1946 auf einem Feld bei Nellingen aus. Im Hintergrund ist der Klosterhof zu sehen. Foto: Stadtarchiv Ostfildern

Ostfildern - Wer sich für die Geschichte und die Entwicklung der Landwirtschaft auf den Fildern interessiert, kommt um den zwölften Band der Schriftenreihe des Ostfilderner Stadtarchivs nicht herum. Dass sich das Buch mit dem Titel „Geschichte der Landwirtschaft auf den östlichen Fildern“ mit einem zentralen Thema befasst, zeigt sich laut dem Stadtarchivar Jochen Bender allein schon daran, dass sich das Wort Filder vom Begriff Felder ableitet. Dem Autor Ulrich Posselt ist Bender zufolge eine „Mischung aus Nachschlagewerk und Lesebuch“ gelungen, finden sich darin doch Zahlen ebenso wie spannende Erzählungen von Zeitzeugen, die über ihre von der Landwirtschaft geprägte Kindheit berichten.

Der Autor Ulrich Posselt ist ein ausgewiesener Experte

Die Projektgruppe „Geschichte vor Ort“, die für die Schriftenreihe verantwortlich zeichnet, hätte für die Thematik der zwölften Ausgabe freilich keinen besseren Autor als Ulrich Posselt finden können. Denn als ehemaliger Leiter der Versuchsstation für Pflanzenzüchtung der Universität Hohenheim ist er der absolute Experte. Zudem ist er einst auf einem Bauernhof aufgewachsen, hat Agraringenieurswesen studiert und war als Entwicklungshelfer in Afrika. Rund vier Jahre lang hat er in den Archiven der vier Ostfilderner Dörfer Nellingen, Kemnat, Ruit und Scharnhausen gestöbert, aber auch in agrarhistorischen Büchern und in Statistiken der sogenannte Oberamtsbeschreibungen. In Letzteren fand er Zahlen, die die Entwicklung der landwirtschaftlichen Flächen ab dem Jahr 1850 ebenso belegen wie jene der Gehöfte und der Tierhaltung. Auch die Zahlen der jüngsten Vergangenheit nimmt er unter die Lupe. Beispielsweise wurden 1979 in Ostfildern noch 216 Kühe gezählt, vor drei Jahren waren es gerade einmal 49. Dagegen stieg die Anzahl der Pferde in dieser Zeit von 87 auf 228.

Ulrich Posselt greift aber auch die frühe Geschichte der Landwirtschaft auf – von der alemannischen Landnahme bis ins späte Mittelalter. Mit dem Bauernkrieg und der Bauernbefreiung hat er sich befasst, mit dem Lehenswesen und der Feudalherrschaft sowie mit Themen wie der Dreifelderwirtschaft und der Sommerstallfütterung. Auch die für die Geschichte Ostfilderns wichtige Nebenerwerbslandwirtschaft beleuchtet er genau.

Am Mittwoch wurden Dampfnudeln kredenzt

Trocken kommt die Lektüre keineswegs daher. Beispielsweise zeigt eine Auflistung, was um 1900 typischerweise auf den Tisch einer Bauernfamilie in Nellingen kam. Da gab es beispielsweise am Montag saure Spatzen und saure Kartoffeln, dienstags verleibten sich die Hofbewohner Linsen und Spatzen ein, und am Mittwoch wurden Dampfnudeln kredenzt. Am Sonntag standen standesgemäß Braten, Kraut und Salat „nebst Nudelsuppe“ auf dem Speiseplan.

Laut dem Stadtarchivar Jochen Bender ist das Buch keineswegs nur für Fachleute verständlich. Die Lektüre sei auch bestens geeignet für Menschen, „die keine Ahnung von Landwirtschaft haben. Sie lernen beim Lesen die grundlegenden Dinge“.