Aus einem Fördertopf für finanzschwache Kommunen erhält Weil der Stadt Geld für den neuen Bauhof. Auf einer Fläche in Merklingen könnten schon bald erste Bagger rollen.

Leonberg: Sophia Herzog (she)

Geht es um die Notwendigkeit des 15,6 Millionen Euro schweren Neubaus des Baubetriebshofs, sind sich in Weil der Stadt meist alle einig: Der neue Bauhof muss her, denn dass die Arbeitsbedingungen im Bestandsgebäude derzeit „unzumutbar“ seien, wird der Erste Beigeordnete Jürgen Katz nicht müde zu betonen.

 

Bekannt ist aber auch: für Weil der Stadt, notorisch knapp bei Kasse und sehr verschuldet, sind die 15,6 Millionen Euro für das neue Gelände eine ganze Stange Geld – zumal es nicht das einzige Großprojekt ist, das im Rathaus gerade bearbeitet wird.

Kosten stiegen später an

Zumindest einen Anteil der Kosten für den neuen Bauhof bekommt die Keplerstadt nun aber vom Land, das bestätigte das Regierungspräsidium in Stuttgart in einer entsprechenden Mitteilung. In Richtung Weil der Stadt fließen demnach eine Million Euro aus dem sogenannten Ausgleichsstock – ein für die Region Stuttgart mit insgesamt knapp 55 Millionen Euro gefüllter Fördertopf, der leistungsschwachen Kommunen zugute kommen soll.

Damit man den Antrag für diese Förderung noch rechtzeitig zum Stichtag Ende Januar einreichen konnte, hatte die Verwaltung die Vorstellung der Planungen kurzfristig auf die Tagesordnung der Januar-Sitzung des Gemeinderats gesetzt. Der hat den Entwurf für den neuen Bauhof immerhin gebilligt – wenn auch unter Murren angesichts der kurzfristigen Entscheidung und des damals auf knapp 15 Millionen Euro teuren Preisschilds. In der Februarsitzung ist die Kostenschätzung sogar noch einmal gestiegen, weil man sich im Gremium für die „Zukunftsvariante“ mit nachhaltigerer Gebäudetechnik und Ausstattung entschieden hat.

Zunächst ist viel Erde nötig

Immerhin: Die Förderzusage des Landes hat die Stadt in der Tasche, Bewegung wird auf dem Gelände in Merklingen, direkt gegenüber des noch bestehenden, alten Bauhofs, wahrscheinlich schon recht bald sichtbar. Denn die neue Fläche liegt an der Würm, deren Wasserspiegel bei Hochwasser oder Extremwetter ansteigen könnte. Um den Bauhof auch bei extremem Hochwasser „auf trockene Füße zu stellen“, wie Bauamtsleiter Bert Rudolph es formuliert, muss erst einmal Erde aufgeschüttet werden.

„Das klingt trivial, wir bauen da eigentlich einen Erdhügel“, so Rudolph in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Komplizierter ist es dann doch: Den wertvollen Auenboden aus Merklingen will man zunächst abtragen und anderswo auf landwirtschaftlichen Flächen nutzen, nicht kulturfähiger Boden wird dann wieder aufgeschüttet. „Der Erdkörper kann sich dann ein paar Monate setzen, bevor Mitte 2026 die eigentlichen Hochbauarbeiten beginnen“, sagt Rudolph.

Ein Bauantrag für die neue Erdschicht

Allein für die Erdbewegung habe es allerdings zusätzliche Untersuchungen in Sachen Arten-, Boden- und Wasserschutz gebraucht. Sogar ein separater Bauantrag musste beim Landratsamt gestellt werden – eine Genehmigung dafür gibt es seit Anfang Juli.

Mit der jüngsten Sitzung – der letzten vor der Sommerpause – hat sich die Stadt nun vom Gemeinderat grünes Licht für die Vergabe der Erdarbeiten geholt. Der Auftrag geht an die ortsansässige Firma Stäbler, deren Chefin als Mitglied des Rats für diese Entscheidung vom Ratstisch abrückte.