Neuer Beigeordneter in Gerlingen Bauen an Großer Kreisstadt

Von Uwe Roth 

Stefan Altenberger ist zum neuen Beigeordneten in Gerlingen gewählt worden. Der 56-Jährige will einen kommunalpolitischen Kraftakt hinlegen und die Kommune im Strohgäu zur Großen Kreisstadt vorbereiten.

Stefan Altenberger (links) erhält von Dirk Oestringer eine Flasche Wein. Foto: factum/Granville
Stefan Altenberger (links) erhält von Dirk Oestringer eine Flasche Wein. Foto: factum/Granville

Gerlingen -

Stefan Altenberger ist der neue Erste Beigeordneter der Stadt Gerlingen. 16 von 22 Gemeinderäten gaben ihm am Mittwoch in geheimer Wahl ihre Stimme. Das genügte. Um die erforderliche Mehrheit zu erreichen, hätte es nur zwölf Stimmen bedurft.

Ursprünglich waren 22 Bewerbungen in Gerlinger Rathaus eingegangen. Nach den Vorstellungsgesprächen blieben zwei Kandidaten übrig. Einer sprang kurzfristig ab, sodass der 56-Jährige der einzige Kandidat des Abends war. Der Familienvater feiert mit dem Einzug in dieses Amt seine Rückkehr auf die kommunalpolitische Bühne, wie er selbst sagt. Altenberger folgt auf Martina Koch-Haßdenteufel, die kürzlich zur Beigeordneten der Stadt Kornwestheim gewählt wurde.

Radolfzell war kein gutes Pflaster

Im September vergangenen Jahres war der gelernte Verwaltungswirt nach zwei Amtszeiten als Bürgermeister der Gemeinde Kernen im Remstal überraschend abgewählt worden. Zwei Monate später ging er bei der Wahl zum Ersten Beigeordneten in Radolfzell am Bodensee leer aus. Für ihn war das eine erneute herbe Niederlage innerhalb kurzer Zeit.

Der Arbeitssuchende fand erst im April innerhalb der Stadtverwaltung von Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) eine Führungsaufgabe. Sein neuer Chef, Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD), nahm an, dass sein neuer Mitarbeiter mit dieser verantwortungsvollen Stelle ins berufliche Fahrwasser zurückgefunden hat. Doch nun muss er die Stelle des Fachbereichsleiters für „Sicherheit und Ordnung“ in der Daimlerstadt neu besetzen.

Der direkte Draht zur Kommunalpolitik ist Altenberger wichtig

Altenberger begründet seinen schnellen Abgang so: „Reine Verwaltung, das ist nicht so mein Ding.“ Er habe wieder ein Wahlamt angestrebt. Der direkte Austausch mit den kommunalpolitischen Gremien sei ihm „eine Herzensangelegenheit“. Der direkte Draht in die Kommunalpolitik ist ihm nach dieser Wahl in den kommenden acht Jahren gesichert. So lange dauert die Amtsperiode. In dieser Zeit ist er zuständig fürs Bauen und Planen sowie für die Bürgerdienste. Zudem ist der Erste Beigeordnete ständiger Stellvertreter des Bürgermeisters. Der Schultes Dirk Oestringer hat das Hauptamt, die Stadtkämmerei sowie das Amt für Jugend, Familie und Senioren unter sich.

Die neue Führungskraft im Rathaus hat dem Gemeinderat einen ersten kommunalpolitischen Kraftakt angekündigt: Bis zum Jahr 2030 solle Gerlingen große Kreisstadt sein, kündigte er in seiner 15-minütigen Bewerbungsrede an. Um die Voraussetzung 20 000 Einwohner zu erfüllen, fehlen der Stadt etwa 200 Neubürger. Angesichts des Baubooms sei die Zahl erreichbar. Auf die Verwaltung kämen aber zahlreiche neue Aufgaben zu. Das sei eine Herausforderung. Darüber würde er gerne bald mit den Gemeinderäten sprechen, sagte er, um zu verdeutlichen, dass er dieses Ziel aktiv angehen wolle. In zehn Jahren, so sein wichtigstes Ziel, solle jeder in Gerlingen feststellen, auf das Erreichte in seiner Amtszeit „können wir stolz sein“.

Altenberger hat Kirchenmusik studiert

Der gebürtige Hockenheimer präsentierte sich in der Sitzung, die aus Corona-Gründen in der Stadthalle stattfand, als Bewerber mit großer Bandbreite an Neigungen und beruflichen Vorerfahrungen: Er hat Kirchenmusik studiert, spielt bis heute mit Leidenschaft Orgel und leitet einen Chor. Er machte eine Ausbildung zum Bankfachwirt und hängte dieser ein Studium an der Hochschule für Verwaltung in Kehl an. Viele Jahre war er Angestellter bei der Stadt Stuttgart – hauptsächlich in den Bereichen Jugend und Gesundheit. Im Jahr 2003 kam der Wechsel ins Rathaus von Kernen (rund 15 400 Einwohner).

Altenberger ist Aufsichtsratsvorsitzender der Remstalkellerei. Die Genossenschaft steckt in der Krise. Er fühle sich verpflichtet, die Kellerei in Weinstadt nicht im Stich zu lassen, und wolle das Amt gerne behalten. Überhaupt wird seine Verbindung ins Remstal nicht abreißen: Seine Frau Gisela wird mit Tochter (14) und Sohn (10) am derzeitigen Wohnort bleiben. Der neue Beigeordnete kündigte an, nicht täglich pendeln zu wollen, sondern sich in Gerlingen ein Zimmer oder kleine Wohnung zu suchen. Bürgermeister Oestringer verband sein Geschenk zur erfolgreichen Wahl mit einer Botschaft: Gerlingen müsse sich bezüglich Wein nicht verstecken und überreichte eine Flasche Steillage von Weinbau Schopf.




Veranstaltungen

Unsere Empfehlung für Sie