Bürgermeisterwahl in Kernen Überraschendes Ergebnis im ersten Wahlgang

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Der 31-jährige Benedikt Paulowitsch holt 55 Prozent der Stimmen. Voraussichtlich im November wird er in das höchste Amt in Kernen eingesetzt. Stefan Altenberger erlebt einen bitteren Abend. Ihm bleiben nur 43,5 Prozent.

  Foto: /Nicklas Santelli
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Kernen - Dieses Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Kernen hat kaum jemand erwartet: Der Herausforderer Benedikt Paulowitsch, 31 Jahre alt, siegte mit deutlicher Mehrheit gleich im ersten Wahlgang über den bisherigen Amtsinhaber, Stefan Altenberger.

Der siegreiche Benedikt Paulowitsch dämpfte in einer Ansprache die Erwartungen an ihn

Der 55-Jährige konnte lediglich 43,5 Prozent der Wählerstimmen für sich gewinnen, das waren 2898 Stimmen. Sein Konkurrent Benedikt Paulowitsch erzielte in der 15 000-Seelen-Gemeinde 3665 Stimmen, das sind 55 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag mit 53,2 Prozent unter den Erwartungen. Die weiteren Kandidaten Samuel Speitelsbach und Thomas Hornauer konnten mit 0,8 Prozent und 0,4 Prozent der Stimmen, das waren 50 beziehungsweise 26 Stimmen, nur marginale Ergebnisse verbuchen.

Stefan Altenberger dagegen verließ das Bürgerhaus ziemlich geschockt gleich nach der Bekanntgabe des Endergebnisses

Der siegreiche Benedikt Paulowitsch dämpfte in einer Ansprache die Erwartungen an ihn: „Ich nehme die Wahl motiviert und mit viel Freude und vor allem in großer Demut an,“ sagte er. Er wird voraussichtlich im November in sein Amt eingesetzt. „Ich spüre schon einen Rucksack auf meinen Schultern, schon vor dem Amtsantritt“, bekannte der SPD-Mann in seiner Rede im überfüllten Saal 2 des Bürgerhauses und bat um Verständnis: „Ich werde auch Fehler machen und einige Zeit brauchen, um mich einzuarbeiten.“

Stefan Altenberger dagegen verließ das Bürgerhaus ziemlich geschockt gleich nach der Bekanntgabe des Endergebnisses und sagte auf die Bitte einer Stellungnahme für unsere Zeitung nur: „Das ist bitter, gemessen an dem, was in den letzten 16 Jahren alles passiert ist.“ Paulowitsch würdigte den Abgewählten mit einigen Worten und sprach seinen Dank aus für dessen Dienst an der Gemeinde. „Kernen steht sehr gut da, und das ist zu einem erheblichen Teil Ihr Verdienst. Sie haben in den 16 Jahren den Mut gehabt, sich in den Wind zu stellen und Gesicht zu zeigen. Das ist in diesen Zeiten nicht selbstverständlich.“ Zu diesem Zeitpunkt war Altenberger aber nicht mehr anwesend.

Auch Gemeinderäte reagierten überrascht

Ernst und betreten reagierten Bürgermeister aus dem Landkreis über die Abwahl ihres Kollegen. „Er hat viel gegeben und Kernen vorwärts gebracht. Nach den vielen Jahren Arbeit, wo er sehr viel erreicht hat, ist das sicher bitter für ihn“, meinte Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull. Landrat Richard Sigel sagte: „Kernen ist immer für eine Überraschung gut. Ich muss das auch selbst erst einmal verdauen.“ Der Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann (FDP) wunderte sich, „wie in unserer Zeit Stimmungen zu Wahlergebnissen führen können. Benedikt Paulowitsch übernimmt ein sehr gut geführtes Rathaus.“

Er versprach, er werde ein Bürgermeister für ganz Kernen, für Stetten und Rommelshausen sein

Auch Gemeinderäte reagierten überrascht: Der CDU-Fraktionsvorsitzende Andreas Wersch bedauerte, dass der Bürgermeister „nach 16 Jahren erfolgreicher Arbeit nicht an dem gemessen wurde, was er geleistet hat, sondern an Dingen auf der persönlichen Ebene.“ „In der Deutlichkeit hätte ich das nicht erwartet“, sagte der UFW-Fraktionsvorsitzende Hans Dietzel. Der SPD-Fraktionschef Hans-Peter Kirgis gestand, er hätte gedacht, dass jemand sich mit einem SPD-Parteibuch sich in Kernen besonders schwer tut. Nur Teile der SPD hätten sich für Paulowitsch eingesetzt. Dieser wiederum rief dazu auf, die emotionalen Diskussionen der vergangenen Tage hinter sich zu lassen: „Schütten Sie die Gräben zu.“ Er versprach, er werde ein Bürgermeister für ganz Kernen, für Stetten und Rommelshausen sein.




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