Neuer Busfahrplan in Böblingen macht Probleme Osten der Stadt fühlt sich abgehängt

Steffi Thielecke (links) und Aysegül Özdemir wünschen sich vor allem eines: Dass hier am Freibad um 7.14 wieder ein Bus hält. Foto: /Anke Kumbier

Die Elefantenbrücke fehlt und ein neuer Busfahrplan gilt. Das hat im Böblinger Osten zur Folge, dass Busse nicht mehr oder noch nicht fahren. Vor allem Schüler leiden darunter.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Der Frust bei Steffi Thielecke und Aysegül Özdemir ist groß. Sie wohnen im Böblinger Osten, in der Nähe des Freibads, und fühlen sich vom städtischen Busverkehr abgehängt. Der Ärger schwelt offenbar schon länger, neu entzündet hat er sich mit der Fahrplanumstellung zum 1. Januar. Denn seither seien die Busse so ungeschickt unterwegs, dass Schülerinnen und Schüler deutlich mehr Zeit für den Schulweg einplanen müssten. Die Folge: Sie müssten in der kalten Jahreszeit entweder lange Fußwege und Wartezeiten in Kauf nehmen oder würden von den Eltern mit dem Auto gebracht.

 

Zwei Dinge kommen zusammen: Die Umsetzung des neuen Linienkonzepts und der Abriss der Elefantenbrücke über die A81. So können manche der neu konzipierten Linien ihre Strecken noch nicht planmäßig abfahren. Erst im Sommer soll es am Goldberg wieder eine Ersatzbrücke für Busse über die Autobahn geben. Für das Gebiet am Böblinger Freibad bedeutet das: Die alten Linien fahren nicht mehr. Die neuen fahren noch nicht. Und das voraussichtlich ein halbes Jahr lang.

Wer versucht, die Untiefen eines Busfahrplans für eine ganze Stadt und Randgebiete zu ergründen und dann noch die Probleme zu erklären, bemerkt schnell: Es wird immer komplizierter und immer detaillierter. Und bei jeder Änderung trifft es eben keine Straßen oder Gebäude, es trifft Menschen und es trifft Menschen, die nicht motorisiert sind und auf den ÖPNV angewiesen sind.

Ersatz funktioniert für Schüler nicht

Zwar gibt es einen Ersatzfahrplan. So steuert beispielsweise die 721 übergangsweise die Haltestelle Freibad an und bringt Passagiere aus dem Böblinger Osten zum ZOB. Sie fährt laut Thielecke aber so ungeschickt, dass die Schüler ihrer Anschlüsse entweder gerade verpassen oder – beispielsweise auf die Schönbuchbahn – bis zu 25 Minuten warten müssen. Die zentrale Forderung der beiden Frauen lautet daher: „Wir brauchen zumindest morgens wieder einen Bus, der die Kinder um 7.14 Uhr am Freibad einsammelt.“ So wie es der Bus 720 bis Ende 2024 getan hat. Das wäre eine „Riesenerleichterung“, meint Thielecke, auch für die Kinder, die nach Sindelfingen müssen, weil sie dann am ZOB umsteigen könnten.

Beide Frauen haben sich mit diesem Anliegen bereits an verschiedene Stellen gewandt. Sie hätten aber kaum konkrete Reaktionen erhalten. Auf Nachfrage unserer Zeitung klingt es so, als komme nun Bewegung in die Sache. „Es wird zwischen den Beteiligten und der Firma Pflieger abgeklärt, ob sich bis zur vollständigen Inbetriebnahme des Stadtverkehrs die 7.14 Uhr-Fahrt wieder anbieten lässt“, teilt Stadtsprecher Peter Lausch mit.

Nur wenige Beschwerden bei Pflieger

Wieso man mit dem neuen Fahrplan nicht bis zum Bau der Ersatzbrücke gewartet habe, begründet er unter anderem mit den „deutlichen Verbesserungen“, die bereits die Teilumstellung für viele Fahrgäste bedeute. „Uns erreichen nur wenige Beschwerden“, sagt Hermann Pflieger, Geschäftsführer des Busunternehmens Pflieger, das für den Stadtverkehr zuständig ist. „Aber es gibt Kleinigkeiten, die man nachjustieren kann.“ Er plädiert allerdings dafür, dem Konzept etwas Zeit zu geben.

Dennoch: Bis die Ersatzbrücke am Goldberg steht, könnte ein morgendlicher „Extrabus“ vom Freibad die Situation im Böblinger Osten wohl entspannen. Tritt das neue Konzept dann vollständig in Kraft, dürfte sich zumindest für die Schüler die Situation verbessern – dann gibt es wieder eine direkte Verbindung nach Sindelfingen und die zum ZOB liegt wieder günstiger für die Schule.

Doch Thielecke und Özdemir treibt noch etwas anderes um. Sie bemängeln, dass die Verbindungen aus dem Osten in den vergangenen Jahren tendenziell schlechter geworden seien – Busse hätten plötzlich nicht mehr am Silberweg gestoppt, und es fehle eine gute Anbindung nach Schönaich.

Neue Haltestelle in der List-Straße

Diese Eindrücke mischen sich mit der aktuellen Situation und lassen die beiden Frauen kritisch auf das neue Konzept schauen. So hält beispielsweise Richtung Stadtmitte kein Bus mehr am Freibad, stattdessen am Silberweg und in der Stuttgarter Straße. Und: Es gibt keine Direktverbindung zum Postplatz mehr. Das sei für allem für ältere Menschen oder solche, die nicht gut zu Fuß sind, ein großer Einschnitt, sagt Thielecke.

Die neu konzipierte Linie 706 soll künftig von Sindelfingen kommend über die Haltestelle Stuttgarter Straße und durch die Friedrich-List-Straße zum ZOB fahren. Wer zum Postplatz will, kann dann an der neuen Haltestelle in der List-Straße aussteigen und laufen oder am ZOB umsteigen. „Das ist für mich total unverständlich“, sagt Thielecke.

Trotz Kritik: Haltestelle soll kommen

Die neue, beidseitige Haltestelle hat bereits im November bei Anwohnern Proteste ausgelöst. Sie fürchteten den Verlust von Parkplätzen und Stau. Damals betonte Stadtsprecher Gianluca Biela, dass sich die Verwaltung den Standort wohl überlegt habe. Denn bei der neuen Linie 706 sei der Abstand zwischen den Haltestellen Stuttgarter Straße und ZOB so groß, dass ein Zwischenhalt angezeigt sei. Aber warum gibt es überhaupt die Streckenänderung? Unter anderem deshalb, weil die Direktverbindung zum Postplatz nicht ausgelastet war, so die Stadt. Sie will an den Plänen, denen auch der Gemeinderat zugestimmt hatte, festhalten. Baubeginn für die Haltestelle soll im April sein.

Neues Linienkonzept mit neuem Halt in der Friedrich-List-Straße

Das neue Konzept
 soll das Busangebot in Böblingen und Sindelfingen durch Umverteilung attraktiver machen. An der Ausarbeitung war das Busunternehmen Pflieger maßgeblich beteiligt.

Neue Bushaltestelle
 Mit dem neuen Konzept ist für 70 000 Euro ein neuer Halt „Bismarckstraße“ in der Friedrich-List-Straße geplant. Anwohner protestierten dagegen, die Stadt lud zu einer Infoveranstaltung ein. Die Sorge, dass die Haltestelle auf die Fußwege gebaut wird, habe genommen werden können, teilt sie mit. Am Entwurf ändere sich aber nichts.

Detaillierte Infos
 Einen Überblick über die neuen Linien gibt es im Ratsinformationssystem unter https://boeblingen-sitzungsdienst.komm.one/bi/info.asp (PDF), Stichwort Pflieger.

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