Bei der Eröffnungsfeier zeigen sich die geladenen Gäste optimistisch, dass der neue Club langfristig überleben kann. Oberbürgermeister Knecht präsentiert sich in Feierlaune.
Florian Lutz erinnert sich noch gut daran, wie er einst jeden Tag nach der Schule am ehemaligen Franck-Areal in Ludwigsburg vorbeilief, wo ihm der Duft von frisch gerösteter Zichorie in die Nase stieg. Andere hätten es als „Gestank“ empfunden, doch er mochte den Geruch des Caro-Kaffees, der hier einst produziert wurde. Die Kaffeerösterei habe man nicht erhalten können, aber immerhin das Gebäude. Doch auch wenn der neue Name „Alte Rösterei“ ähnlich klingt, wird der Fabrikbau zukünftig doch ganz anders genutzt.
Am Freitagabend fand die inoffizielle Eröffnungsfeier des neuen Clubs statt. Vor geladenen Gästen gaben die drei Inhaber Florian Lutz, Nils Vrabac und Marcel Stahl den Startschuss für die neue Location neben dem Ludwigsburger Bahnhof. Ein paar Nachtschichten habe man in den letzten Tagen noch einlegen müssen, berichtet Vradac. Doch die Mühen haben sich gelohnt. Fragt sich nur: Kann die Alte Rösterei langfristig überleben?
Die Gäste sind vor allem froh, dass die Leere im Ludwigsburger Nachtleben wieder etwas aufgefüllt wird. „Zu meiner Jugendzeit gab es ganz viele Möglichkeiten“, sagt Kai Helmle aus Göppingen, dessen Mutter in Ludwigsburg wohnt und der auch viele Freunde hier hat. „Es war einfach eine Lücke, die es hier gab. Vielleicht wird es ja eine zweite Rofa“, sagt er mit Blick auf die legendäre Rockfabrik, die Ende 2019 schließen musste.
Die Alternativen seien gering, sagt Jonas Lillich. Der Palazzo in Freiberg am Neckar sei eher für ein jüngeres Publikum, ansonsten muss er schon überlegen, was es überhaupt noch gibt. „Es ist alles ein wenig ausgestorben“, ergänzt seine Begleitung Anna Lillich. Für die beiden ist die Alte Rösterei mehr als praktisch – zu Fuß müssen sie gerade einmal 15 Minuten laufen, um nach Hause zu kommen. „Der Standort ist top“, sagt Anna Lillich, auch wegen des nahen Bahnhofs.
Verschiedene Musikrichtungen sollen sich abwechseln
Zuvor sei man eher in Bars gegangen oder nach Stuttgart gefahren, aber das sei ein weiter Weg, meint Mareike, eine weitere Besucherin. Deshalb freut sich sie sich umso mehr über die Eröffnung der Alten Rösterei: „Ich glaube, es ist ein gutes Angebot – auch für ältere Menschen.“ Sie selbst zählt mit ihren 34 Jahren sicherlich nicht dazu, doch sie sei mittlerweile in einem Alter, in dem man nicht mehr Freitag und Samstag fortgehe. Deswegen sei die Musikauswahl wichtig.
Im Tanzcafé können die Gäste gemütlich etwas trinken. Im dahinterliegenden Tanzlokal ist Party angesagt. Foto: Andreas Essig
Genau da kommt ihr entgegen, dass in der Alten Rösterei zukünftig ein breites Publikum angesprochen werden soll; Hip-Hop, Rock und Techno sollen sich abwechseln. Das ist auch für Muriel und Bettina gut, die Alternative und Elektro hören. „Ich bin total gespannt auf die verschiedenen Themenabende“, sagt Bettina.
Auch für Oberbürgermeister Knecht geht ein Traum in Erfüllung
Das Soft Opening, wie die inoffizielle Eröffnungsfeier genannt wurde, wolle man dazu nutzen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob die Gäste in den Räumlichkeiten der alten Fabrik „das gleiche Gefühl“ bekommen wie sie selbst, sagt Inhaber Marcel Stahl. Bei Oberbürgermeister Matthias Knecht ist das Gefühl jedenfalls da. „Das ist ein geiler Moment für Ludwigsburg“, ruft er in die Menge.
Es sei ein wunderbares Zusammenspiel aus Fabrik, Musik und Event, sagt Knecht. Ludwigsburg brauche dieses Tanzlokal. Er erinnert sich auch noch an die erste Begehung des Geländes: „Uns lief allen ein kalter Schweiß den Rücken runter, weil wir gesehen haben: Da kann man richtig was machen.“ Der Traum, den die Stadtverwaltung damals hatte, gehe nun in Erfüllung.
Eine Lücke, die geschlossen wird
Doch kann die Alte Rösterei langfristig überleben? Schließlich haben insbesondere seit der Corona-Pandemie zahlreiche Clubs wegen steigender Kosten und sinkender Nachfrage geschlossen. Geht es nach den Gästen, dürfte der Alten Rösterei dieses Schicksal erspart bleiben. „Egal, wem man es erzählt – jeder sagt: Endlich gibt es mal wieder einen Ort zum Feiern“, sagt Anna Lillich.
Kai Helmle sieht das ähnlich: „Die Chancen stehen gut. Die Leute wollen wieder rausgehen. Wenn es kein Angebot gibt, kann man auch nichts machen. Das ist einfach eine Lücke, die geschlossen wird.“ Die Erzählung, dass die jungen Menschen seit Corona nicht mehr rausgehen möchten, hält auch Mareike für ein Klischee: „Ich hoffe, dass es wieder ein Ding ist, fortzugehen.“ Auf den OB kann die Alte Rösterei jedenfalls zählen: „Sie werden mich sicherlich ein paar Mal öfters sehen als nur heute Abend“, versprach er.