Neuer Direktor Kunsthalle Mannheim Johan Holten: Vom Tänzer zum gefragten Museumschef

Johan Holten hat den Kunstbetrieb in Baden-Baden kräftig aufgemischt. Foto: Sonja Bell
Johan Holten hat den Kunstbetrieb in Baden-Baden kräftig aufgemischt. Foto: Sonja Bell

In Baden-Baden hat er sich an der Kunsthalle einen Namen gemacht mit Ausstellungen zum Geschmack oder zu Geld. Jetzt wird Johan Holten Direktor der Kunsthalle Mannheim.

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Stuttgart - Wer ihn kennt, der wusste längst: Baden-Baden ist sicher nicht seine letzte Station. Nun hat Johan Holten den nächsten Karriereschritt gemacht. Der Direktor der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden wird neuer Leiter der Kunsthalle Mannheim. Die Direktorin Ulrike Lorenz verlässt Mannheim im Sommer 2019 und wird Präsidentin der renommierten Klassik Stiftung Weimar.

Damit haben sich gleich zwei ehrgeizige Museumsleiter aus Baden-Württemberg weiter nach oben gearbeitet. Ehrgeizig im positiven Sinne, denn Ulrike Lorenz hat in den vergangenen Jahren nicht nur konsequent einen Neubau für die Kunsthalle vorangetrieben, sondern bei der Konzeption auch überregional Maßstäbe gesetzt. Aber auch Johan Holten hat immer wieder für Schlagzeilen gesorgt und in Baden-Baden seinem starken Nachbarn, dem Museum Frieder Burda, Paroli geboten mit Ausstellungen, in denen er provokant fragte, was guter, was schlechter Geschmack ist – oder ob unsere Gesellschaft überhaupt Kunst braucht. Derzeit zeigt die Kunsthalle Baden-Baden eine spannende Schau über den Zusammenhang zwischen Psyche und Politik, für die Holten einen sinnlichen Erlebnisparcours eingerichtet hat.

Schon in Heidelberg fiel Holten auf mit seinem Programm

Holten hat eine ungewöhnliche Biografie. Er wurde 1976 in Kopenhagen geboren und hat als Tänzer begonnen. Von 1994 bis 1998 tanzte er in der Hamburger Kompanie von John Neumeier. Danach arbeitete er als Bühnenbildner, studierte dann Kunstgeschichte und Kulturwissenschaften in Berlin. 2006 übernahm er die Leitung des Heidelberger Kunstvereins und machte schon damals auf sich aufmerksam mit Ausstellungen, bei denen er bildwissenschaftliche Ansätze verhandelte. 2011 kam er an die Kunsthalle Baden-Baden und folgte auf Karola Kraus, deren extrem ambitioniertes Programm wenig Anklang beim Publikum fand. Umso frischer wirkte der Wind, den Holten brachte.

Dass er keine klassische Museumskarriere durchlaufen hat mit Promotion und Volontariat, ist vielleicht sogar sein Erfolgsrezept. Seine Abschlussarbeit an der Humboldt-Universität schrieb er über die Geschichte des Kuratierens von Ausstellungen. 2013 erhielt er den Justus-Bier-Preis für Kuratoren. Anders als in Baden-Baden wird Holten in Mannheim erstmals eine Sammlung leiten. Die Kunsthalle Mannheim besitzt einen großen Bestand an Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts.




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