Stuttgart - Im Tischtennis hat Thomas Weikert gelernt, wie man sich die Bälle zuspielt, in seiner Zeit als Chef des Weltverbands auch auf größtmöglicher diplomatischer Bühne. Zudem ist der Anwalt Spezialist für Familienrecht, er weiß also auch Konflikte unter dem eigenen Dach zu befrieden. Könnte es derzeit einen besser geeigneten Präsidenten für den schwer angeschlagenen Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) geben? Wohl kaum. Weikert gilt als Mann des Ausgleichs – trotzdem ist alles andere als sicher, dass er seine schwierigste Partie gewinnen wird.
Am Ende der achtjährigen Ära von Alfons Hörmann bezeichnen Kritiker den DOSB wahlweise als „Trümmerfeld“ oder „Scherbenhaufen“. Weikert relativiert das zwar, zugleich aber ist ihm sehr wohl bewusst, wie fordernd die Aufräumarbeiten werden.
Opfer einer Intrige?
Seit einem halben Jahr, als in einem anonymen Brief von einer „Kultur der Angst“ die Rede war, die der Führungsstil von Hörmann in der DOSB-Zentrale auslöse, drehte sich der Dachverband des deutschen Sports um sich selbst. Jeder versuchte, seine Haut zu retten, auch mit seltsamen Gutachten und Druck von Anwälten. Umso deutlicher traten die Versäumnisse an anderer Stelle zutage: Der Leistungssport schwächelt, in der Coronakrise überfährt die Politik den Sport regelmäßig, im Breiten-, Gesundheits- oder Schulsport fehlt es an Impulsen. Stattdessen bekräftigte Hörmann zuletzt in der „Allgäuer Zeitung“, Opfer einer Intrige („gezielter Umsturz“) geworden zu sein.
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Weikert muss in diesem verminten Gelände nicht nur die Vergangenheit aufarbeiten, sondern auch den Neuanfang schaffen – mit einem komplett umgekrempelten Präsidium: Die drei Funktionärinnen, die erneut zur Wahl antraten, wurden abgewatscht.
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Vor Weikert liegt eine Herkulesaufgabe, für die ihm kaum Zeit bleibt. Denn er ist nur für ein Jahr gewählt, und die Herausforderung Olympische Spiele in Peking samt der Diskussion über die nicht zu rechtfertigende Menschenrechtslage in China ist auch noch zu bestehen. Keine Frage: Der neue DOSB-Chef ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Auch wenn er der richtige Mann dafür ist.