Das Adjektiv magisch muss extra für Edinburgh erfunden worden sein Foto: Visit Scotland / Kenny Lam
Die schottische Hauptstadt verzaubert durch den Kontrast zwischen verwinkelter Altstadt und herrschaftlicher Neustadt. Sie hat die Autorin J. K. Rowling zu „Harry Potter“ inspiriert. Dem berühmten Zauberer begegnet man hier auf Schritt und Tritt.
Im Sommerflugplan 2024 gibt es eine neue Verbindung ab Stuttgart: Eurowings fliegt dreimal pro Woche aus dem Kessel in die schottische Hauptstadt. Wir geben Tipps, was man vor Ort tun kann und unbedingt ansehen muss.
Der Direktflug startet um 13.05 Uhr und dauert rund zwei Stunden. Wegen der Zeitverschiebung „gewinnt“ man eine Stunde und landet um 14.20 Uhr. Nach der Passkontrolle – Großbritannien gehört nicht mehr zur Europäischen Union – geht es mit dem Bus Airlink in 30 Minuten in die Stadt. Das ist die günstigste Variante und kostet 8 Pfund (9,40 Euro) für Hin- und Rückfahrt.
www.lothianbuses.com
Neuzugang am Flughafen von Edinburgh: Dreimal die Woche landen hier jetzt Eurowings-Maschinen aus Stuttgart. Foto: Hamann
15.30 Uhr: Check-in im Hotel
In der Neustadt („New Town“) wohnt man in schönen gregorianischen Häusern und hat viele Restaurants und Cafés in Laufnähe. Das Aparthotel Native in der Queen Street ist ideal für Familien. Es gibt Studios mit Wohn- und Schlafzimmer sowie kleiner Küche, für zwei Erwachsene und zwei Kinder ab rund 350 Euro pro Nacht. Ein Doppelzimmer kostet ab rund 120 Euro, https://nativeplaces.com .
Die stylishe britische Kette Malmaison betreibt zwei Häuser in Edinburgh, eines davon am zentralen St. Andrew Square, ein DZ kostet 360 Euro pro Nacht, mit Frühstück 395 Euro, www.malmaison.com .
Eine große Auswahl an Unterkünften vom Luxushotel bis zum Ferienapartment findet man unter: www.visitscotland.com.
Die Neustadt links im Bild ist moderner als die Altstadt. Foto: Visit Scotland / Kenny Lam
16.30 Uhr: Führung durch die Altstadt
Stadtführer Kieran räumt erst mal mit einem Missverständnis auf: Es heißt „Edinbra“, nicht etwa „Edinboro“ oder gar „Edinbörg“. Nachdem die Aussprache geklärt ist, führt Kieran seine Gruppe durch die Princes Street Gardens, einem Park mitten in der Stadt, in die historische Old Town. Edinburgh lässt sich sehr gut zu Fuß entdecken. Allerdings braucht man Kondition und bequeme Schuhe, denn es geht ständig bergauf, treppab und über holpriges Kopfsteinpflaster. Die 500 Jahre alten Häuser in der Altstadt sind bis zu 12 Stockwerke hoch – quasi Wolkenkratzer des Mittelalters. Auld Reekie, alte Verräucherte, nannte man Edinburgh im 16. und 17. Jahrhundert. Damals wurde mit Kohle geheizt, Smog hing über der Stadt und färbte die Fassaden schwarz. Viele Häuser sind immer noch verrußt. Man könnte sie reinigen, doch die Schotten mögen die Patina und lassen alles so, wie es ist. Ein geführter Rundgang in einer Kleingruppe kostet 18 Pfund (21 Euro) pro Nase, Dauer ca. zwei Stunden.
Die Altstadt liegt zu Füßen von Edinburgh Castle. Foto: Visit Scotland/Kenny Lam
18.30 Uhr: Die halbgehängte Maggie
Auf dem Grassmarket wurde früher nicht nur Vieh verkauft, hier stand auch ein Galgen. An diese gruselige Vergangenheit erinnert das Pub Maggie Dickson, benannt nach einer Fischhändlerin, die 1724 nach einer Fehlgeburt wegen Kindsmords hingerichtet wurde und kurioserweise den Strang überlebte. Da ihre Strafe somit als verbüßt angesehen wurde, war sie fortan frei und ging als „halbgehängte Maggie“ in die Geschichte ein. Darauf ein Bier als Aperitif. Prost, Maggie!
https://maggiedicksons.co.uk
Am Grassmarket ist heute ein Pub am nächsten. Foto: Visit Scotland/Kenny Lam
19.30 Uhr: Gefüllter Schafsmagen
Schafsinnereien wie Herz, Leber und Lunge durch den Wolf drehen, sodass die Masse wie Hackfleisch aussieht, dann in einen Schafsmagen füllen und kochen – so geht das Rezept für Haggis, das schottische Nationalgericht. Dazu werden traditionell „Neeps and Tatties“ gereicht, Steckrüben und Kartoffeln. Beides kommt als Püree, dazu gibt es eine sämige Soße. Schmeckt übrigens besser als befürchtet. Weniger Mutige können im Restaurant Howies auch eine vegetarische Variante aus Linsen und Bohnen bestellen. Das Howies ist bekannt für schottische Küche und verwendet nur regionale Zutaten wie Lachs von den Shetlandinseln oder wildes Highland-Wild aus Perthshire. Das Lokal liegt in der Victoria Street, einer sehr fotogenen, geschwungenen Altstadtstraße mit bunten Fassaden. Sie soll das Vorbild für die Winkelgasse in den „Harry Potter“-Büchern sein. Man kann hier in einem Laden tatsächlich Zauberstäbe und Besen kaufen. Aber ob die auch fliegen? www.howies.uk.com
Leckerer als man denkt: Haggis. Foto: Hamann
9 Uhr: Frühstück mit Aussicht
Charles Rennie Mackintosh (1868–1928) war ein bedeutender schottischer Architekt und Designer. Von ihm gestaltete Möbel im Art-nouveau-Stil stehen im Willow Tea Room, einem hübschen Café in der Princess Street. Der unscheinbare Eingang kann im Vorbeigehen leicht übersehen werden, doch oben im ersten Stock öffnet sich ein heller Raum mit wundervoller Aussicht auf Edinburgh Castle. Und das Essen ist auch gut.
Speisen im feinen Art-nouveau-Ambiente. Foto: Hamann
11 Uhr: Edinburgh Castle
Die Burg von Edinburgh thront weithin sichtbar auf einem erloschenen Vulkan. Der große Felsen beherrscht die Silhouette der Stadt und erinnert an die Akropolis. Daher nennt man Edinburgh auch „Athen des Nordens“. Edinburgh Castle ist eine kleine Stadt in der Stadt, für den Besuch sollte man mindestens zwei Stunden einplanen und die Tickets vorab reservieren – die Burg ist eine der beliebtesten Touristenattraktionen der Stadt. Man sieht hier die Kronjuwelen Schottlands, das Zimmer, in dem Königin Maria Stuart 1566 ihren Sohn James gebar, und hat vor allem einen tollen Blick auf die Neustadt und das dahinter aufblitzende Wasser des Firth of Forth. Eintritt: 19,50 Pfund (23 Euro).
www.edinburghcastle.scot
Edinburgh Castle thront hoch auf einem Berg mitten in der Stadt. Foto: Visit Scotland/Kenny Lam
13 Uhr: Das Herz der Altstadt
Die Royal Mile verläuft von der Burg schnurgerade den Berg hinunter bis zum Palace of Holyroodhouse, dem Sitz von König Charles, wenn Seine Hoheit in der Stadt weilt, Eintritt: 22 Pfund (25 Euro), www.rct.uk/visit/palace-of-holyroodhouse .
Die königliche Meile säumen vor allem Touristenläden, die Cashmere-Schals, Tweed-Jacken, Whisky und Nippes anbieten.
Die Royal Mile ist das Rückgrat der Altstadt. Foto: Visit Scotland/ Kenny Lam
Zwischendurch gibt es aber auch Sehenswertes: das Wohnhaus des schottischen Reformators John Knox zum Beispiel. Oder das Writer’s Museum, wo man das Leben und Werk der drei großen Literaten Robert Burns, Sir Walter Scott und Robert Louis Stevenson entdecken kann. https://divinity.ed.ac.uk/
Ein Museum für die drei Schriftsteller Robert Burns, Sir Walter Scott und Robert Louis Stevenson Foto: Visit Scotland/Kenny Lam
Etwas unterhalb des Museums steht das New College. In dem Gebäude Baujahr 1846 ist die theologische Fakultät der Universität untergebracht. Der öffentlich zugängliche Innenhof mit den vielen Türmchen und Zinnen dürfte bei der Erfindung des Zauberinternats Hogwarts eine Rolle gespielt haben.
www.edinburghmuseums.org.uk/venue/writers-museum
Man sagt, das New College sei das Vorbild für Harry Potters Internat Hogwarts. Foto: Hamann
14 Uhr: Der treue Hund
Am südlichen Ende des historischen Stadtkerns liegt Greyfriars Kirkyard. Harry-Potter-Fans pilgern gerne zu dem Friedhof, denn auf den alten Grabmälern stehen Namen, die einem irgendwie bekannt vorkommen. Kunststück: J. K. Rowling benannte das halbe Potter-Personal nach Verstorbenen, die in Greyfriars Kirkyard ihre letzte Ruhe fanden. So wurde etwa ein gewisser Thomas Ridell als Tom Riddle unsterblich.
Und dann gibt es da noch die herzzerreißende Geschichte vom treuen Hund Bobby. Der Skye-Terrier wachte bis zu seinem eigenen Tod 1872 neben dem Grab seines Herrchens, des Polizisten John Gray – 14 Jahre lang. Heute hat Bobby einen Ehrenplatz auf dem Friedhof. Die Leute legen Stöckchen nieder, und außerhalb des Geländes steht eine Bronzestatue.
Nach dem treuen Hund Bobby ist ein Pub benannt. Foto: Hamann
15 Uhr: Afternoon Tea
Zur Stärkung geht es ins altehrwürdige Hotel Balmoral, einen der schönsten Orte in Edinburgh für Afternoon Tea. Auf dem Weg kommt man am Elephant House vorbei, das Café, in das sich die Autorin J. K. Rowling gerne zum Schreiben zurückzog. Der „Geburtsort von Harry Potter“ ist leider seit Längeren geschlossen. Nach einem Brand werden sich Besitzer und Versicherung nicht einig, https://elephanthouse.biz/ .
Ein Bild aus besseren Zeiten: Das Café ist im Moment geschlossen. Foto: Visit Scotland / Kenny Lam
Als J. K. Rowling wegen ihrer zunehmenden Popularität keine Ruhe mehr zum Schreiben in einem einfachen Café fand, mietete sich sich im 1902 eröffneten Grand Hotel ein und vollendete in Zimmer 552 den letzten Band „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“. Die Suite wird vermietet – für 2000 Pfund die Nacht (235 Euro). Die große Uhr im Turm des Hotels geht übrigens drei Minuten vor. Das sollte den Gästen und den Bürgern der Stadt eine Zeitreserve geben, damit sie ihren Zug noch erreichen. Das Hotel liegt direkt am Bahnhof Waverley. Nur einmal im Jahr, an Silvester, geht die Uhr genau. Damit der Jahreswechsel auch im Balmoral pünktlich stattfindet.
Die Uhr des altehrwürdigen Hotels Balmoral geht bewusst ein paar Minuten vor. Foto: Visit Scotland / Kenny Lam
17 Uhr: Bummel durch die Neustadt
Die Princess Street war einst eine der schönsten Einkaufsstraßen im Königreich. Leider sind diese glanzvollen Zeiten vorbei. Heute findet man hier vor allem die britische Variante des Ein-Euro-Shops: Ein-Pfund-Läden. Daher besser auf Höhe des Denkmals für den Schriftsteller Sir Walter Scott auf die David Street abbiegen und die weiter hinten gelegenen Straßen erkunden. Auf der George Street und am Multree Walk blitzt noch der Stolz des Empires hervor.
www.visitscotland.com
Magnete sind günstige Mitbringsel. Foto: Hamann
19 Uhr: Dinner orientalisch
Labneh mit gegrilltem grünen Spargel und Macadamianüssen, marinierte Artischocken mit Falafel, Rote-Bete-Hummus, Hühnchen mit roten Linsen, Pflaumen-Joghurt und Minze – solch fantasievolle Mezze stehen im Restaurant Baba auf der Karte. Das Lokal serviert authentische Levante-Küche, wie man sie außerhalb von Jordanien selten bekommt. https://baba.restaurant/
9 Uhr: Frühstück für Hipster
Egal, ob Flat White, Tee, belegte Brote, selbst gebackene Kuchen, Eierspeisen oder Müsli – in der Fortuna Coffee Bar, einem süßen, kleinen Laden in der Queen Street, gibt es alles für einen guten Start in den Tag.
In der New Town gibt es viele nette Cafés wie das Fortuna. Foto: Hamann
10 Uhr: Ausflug ans Meer
Hop-on-Hop-off-Busse gibt es in vielen Städten dieser Welt. In Edinburgh verkehren drei Linien, mit denen man bequem außerhalb gelegene Attraktionen erreichen kann. Ein Ticket für 24-Stunden kostet 24 Pfund (28 Euro), für 48 Stunden zahlt man 28 Pfund (33 Euro). Mit der blauen Linie geht es raus ans Meer, in den Hafen des Vorortes Leith.
https://edinburghtour.com/
Dort liegt die königliche Jacht „Britannia“. Das von der Queen heiß geliebte Schiff wurde 1997 außer Dienst gestellt, nachdem es mehr als eine Million Meilen zurückgelegt hatte. Dass die „Britannia“ ausgerechnet in Edinburgh ihren endgültigen Bestimmungsort gefunden hat, zeigt die Zuneigung und Wertschätzung des Königshauses zu Schottland. Ein gut gemachtes Audioguide-System leitet die Besucher über das Museumsschiff. Das Sonnendeck ist zu einem Café umgebaut, wo jeder Normalbürger königlich Speisen und Getränke genießen kann. An diesem Ort muss es natürlich Champagner sein, für 14 Pfund (15,50 Euro) pro Glas. Tickets: 19,50 Pfund (23 Euro).
Die königliche Jacht „Britannia“ liegt im Hafen von Leith nahe Edinburgh. Foto: Visit Scotland / Kenny Lam
12.30 Uhr: Spaziergang zur Destillerie
Wenn man schon mal in Leith ist und Gin mag, kann man bei den hier ansässigen Destillerien vorbeischauen: Die Port of Leith Distillery und Lind and Lime liegen in Fußnähe des Ocean Terminal. Tipp: Am Flughafen sind die Flaschen billiger, man hat aber weniger Auswahl.
www.lindandlime.com, www.leithdistillery.com
In Schottland gibt es nicht nur Whisky. Foto: Hamann
13.30 Uhr: Auf dem Tempelberg
Mit dem Bus geht es zurück in die Stadt. Endstation der blauen Linie ist am Fuße des Calton Hill. Auf dem Hügel befinden sich einige Monumente, die an griechische Tempel erinnern. Außerdem bietet sich ein wunderschöner Blick auf Edinburgh Castle und auf Arthur’s Seat, den höchsten der sieben Stadtberge. Der Legende soll hier Camelot, die legendäre Burg von König Artus, gestanden haben.
Das Dugald Stewart Monument auf dem Calton Hill erinnert an den schottischen Philosophen (1753–1828), einen wichtigen Vertreter der Aufklärung in Großbritannien. Foto: Imago/mapabst
15 Uhr: Kaffee zum Abschied
Zum Abschluss geht es auf einen Kaffee und einen Scone ins Café The Milkman in der Cockburn Street (zwei Filialen), bevor es zum Koffereinsammeln ins Hotel und dann zurück zum Flughafen geht.