Ein stiller Ort ohne ein permanent geöffnetes stilles Örtchen? Wer im Internet sucht, findet solche Problemlagen immer wieder – insbesondere in kleineren Gemeinden und/oder dort, wo Friedhöfe abseits liegen. Wie es der Neue Friedhof am Aidlinger Weg in Darmsheim nun mal tut.
Es war schon einmal Wahlkampf-Thema
Die Unzulänglichkeit des verschlossenen WCs dort ist im Flecken ein echtes Thema. Die Freien Wähler haben es in der Vergangenheit deshalb sogar schon einmal prominent auf einen Wahlwerbe-Flyer gedruckt. Doch passiert ist lange nichts. Nun soll Technik helfen, sprich Türschlösser, die durch Zeitschaltuhren automatisch gesteuert werden. Wann genau die neuen Schösser installiert werden? „Bald“, sagt Christine Hemme vom Amt für Grünflächen und Umwelt im Sindelfinger Rathaus. Man müsse nur noch abwarten, bis der jüngst beschlossene Doppelhaushalt freigegeben sei.
Nun gut, an den realen Kosten sollte die überfällige Maßnahme nicht scheitern, sagt ein Fachmann bei der Stadtverwaltung. Man müsse dafür den Türgriff auswechseln, in den eine Zeitschaltuhr eingebaut ist. Die Kosten dafür? Jeweils 500 Euro für den Türgriff bei den „Herren“ und 500 bei den „Damen“ – plus Aus- und Einbau, also in toto schätzungsweise 1200 bis 1300 Euro.
Zwei Fälle von Brandstiftung
Dass man bei der Verwaltung bisher so zögerlich war – es liegt an Vandalismusfällen aus der Vergangenheit. Einst waren die Türen zu der Bedürfnisanstalt immer offen, Tag und Nacht. Dann trieben Unbekannte ihr Unwesen. Gleich zweimal hintereinander zündeten Tunichtgute Handpapier an. „Da kokelten Hölzer vor sich hin“, erzählt einer, der das damals mitbekommen hat: „Gott sei Dank gingen die Feuer in beiden Fällen von selber aus.“
Wer damals Schindluder getrieben hat, konnte nie ermittelt werden. Passieren freilich möge künftig nichts mehr, hofft man im Rathaus; wissend, dass ein Bolzplatz im Birkleweg ganz in der Nähe ist und damit auch „Volk“, das bisweilen Party macht. „Nach dem siebten Bier oder Wodka weiß da so mancher nicht mehr, was er anstellt“, sagt ein Mann, der beruflich mit Friedhöfen zu tun hat. Die elektronische Schließanlage hält auch er für dringend und zwingend, deckt sie doch die Friedhofs-Öffnungszeiten von morgens um 7 bis in die Dämmerung, längstens bis 20 Uhr, ab. Jemanden täglich zum Auf- und Abschließen aus Sindelfingen rauszuschicken, das sei zu aufwendig, sagt Christine Hemme. Und auch wenn man in Darmsheim noch einen wochentäglichen „Gemeindediener“ hat in Form des umtriebig-zuverlässigen Adam Lorenz: Auch ihm will man einen Schließdienst nicht zumuten.
In Maichingens Waldfriedhof werden die Toiletten täglich auf- und zugeschlossen – von zwei Friedhofswärtern im Wechsel. Dort ist immer jemand vor Ort. Und auch auf dem Burghaldenfriedhof in der Kernstadt gibt es keine Not mit der Notdurft. Die WC-Anlage am Haupteingang ist immer offen, damit nichts passiert, wenn’s pressiert. Und weil die Wege auf dem großen Gottesacker weit sind, hat die Stadt vor ein paar Jahren eine zusätzliche Toilettenanlage an der Hohenzollernstraße errichten lassen. Das alles samt täglicher Reinigung.
Nur auf dem Alten Friedhof in der Stadtmitte, auf dem noch (wenige) Belegungen stattfinden, ist kein WC. Dafür sind Rathaus oder Stadtbücherei beziehungsweise das Toilettenhäusle auf dem Marktplatz in unmittelbarer Nähe.
Probleme mit seinen Friedhofs-Toiletten hat Böblingen übrigens keine. Auf dem Waldfriedhof Diezenhalde sind vier öffentliche Toiletten vorhanden, die immer geöffnet sind. Und auf dem Alten Friedhof im Herdweg und dem Friedhof in Dagersheim sind je zwei Toiletten vorhanden, die mit einem Zeitschloss versehen sind. Sie sind täglich von 6 Uhr bis 20 Uhr geöffnet.
„Eine Reinigung aller Toiletten erfolgt täglich. Beschwerden sind bei uns keine bekannt“, so der stellvertretende Stadtpressesprecher Gianluca Biela.