Zum Auslaufen des Vertrags hatte die Betreibergesellschaft CCBS die Gastronomie neu ausgeschrieben und sich für einen Neuanfang entschieden. Den Zuschlag bekam „Genuss&Harmonie“, ein Catering-Großunternehmen mit Verwaltungssitz in Mannheim, das mit 1750 Mitarbeitenden rund 140 Betriebsrestaurants in ganz Deutschland betreibt. Seit 1. August verantwortet „Genuss&Harmonie“ nun auch die Bewirtung in der Böblinger Kongresshalle.
Pop-up-Konzept statt festem Restaurant
Mit einem neuen Konzept: Ein Restaurant, das losgelöst von Veranstaltungen geöffnet hat, gibt es nicht mehr; allein die Tagungen, Messen und Veranstaltungen werden gastronomisch betreut. Dabei muss es aber nicht bleiben: Der Geschäftsführer Marc Matusch kann sich Pop-up-Events vorstellen, die Gäste auch jenseits von Veranstaltungen ins Haus locken. Denkbar seien Mottoabende wie Afterwork-Sundowner, orientalische Nacht, Sushi, Fine-Dining oder Hüttenzauber. „Dabei hätten die Gäste die Möglichkeit, in unsere kulinarische Vielfalt einzutauchen“, sagt Matusch, der sich von Mannheim aus per Videocall zum Gespräch in der Kongresshalle hinzugeschaltet hat. Das sei in ein, zwei Jahren denkbar, wenn sich die Abläufe vor Ort eingespielt hätten.
Er betont: „Unser Fokus liegt erst einmal auf der klassischen Messe- und Tagungsgastronomie. Dann schauen wir: Was gibt das Gebäude her, wo lässt sich was inszenieren.“ Erst wolle man den Standort kennenlernen und die Bedarfe verstehen. Zug um Zug solle das Angebot hochgefahren werden. Von einem Dauerbetrieb à la carte sehe man bewusst ab: „Wir sehen nicht, dass das wirtschaftlich Sinn macht.“ Dagegen spreche unter anderem die Lage, die gezielt angesteuert werden müsse.
Personal wird je nach Bedarf gebucht
Um das Catering bei Tagungen und Veranstaltungen zu bespielen, hat „Genuss&Harmonie“ einen festen Personalstamm vor Ort; unter anderem sind zwei Köche fest in der Kongresshalle angestellt. Darüber hinaus, erklärt Matusch, buche man je nach Veranstaltungsgröße Personal für Service und Küche hinzu. „Wir arbeiten mit Leasingpartnern zusammen, die uns Personal schicken. Und wir haben einen internen Pool, über den wir auf Stunden- oder Minijobbasis Personal buchen können“, sagt Matusch. Sorge, dass ortsunkundiges Personal die Bewirtung zum Stocken bringen könnte, hat er nicht. Das gebuchte Personal sei sehr professionell, außerdem werde geschaut, dass vor allem jene Leute angefragt werden, die bereits vor Ort waren.
Kulinarisch erwartet die Gäste eine hochwertige Küche, die sich ausdrücklich von Industrieprodukten distanziert. Rohprodukte werden bei regionalen Lieferanten saisonal eingekauft und in der Küche vor Ort verarbeitet. „Alle Fonds, Jus, Soßen und Dressings werden von uns zubereitet“, betont Matusch. Der sogenannte Frischkücheansatz sei heute ein Trend, „Genuss&Harmonie“ arbeite seit Unternehmensgründung 1951 nach diesem Prinzip. „Das ist in unserer DNA. Wir wollen Ehrlichkeit und handwerkliche Küche.“ Anspruch sei gesundes Essen: Es werde 550-Mehl verwendet und Rapsöl, Hülsenfrüchte und wenig Zucker. Angerührte Pülverchen und industriell hergestelltes Essen aus riesigen Eimern werde es aus einem einfachen Grund nicht geben: „Wir wollen das nicht.“
Wie kommt das Konzept an? „Im Großen und Ganzen sind die Rückmeldungen positiv“, sagt CCBS-Geschäftsführer Thomas Fenzl, die Qualität des Essens falle den Gästen auf. „Wir sind mit dem Start sehr zufrieden.“ Manche Prozesse müssten sich noch einschwingen, man sei aber auf einem guten Weg. Der Vertrag mit „Genuss&Harmonie“ sei mehrjährig angelegt. Wie viele Jahre, verrät Fenzl nicht, nur so viel: Er freue sich auf eine langfristige Partnerschaft.
Aus für die ehemalige Gastronomie Neuberths am See
Rückblick
Zehn Jahre lang war der Gastronom Marco Neuberth mit seinem Veranstaltungsmanagement „Rent a Butler“ für das gastronomische Angebot in der Böblinger Kongresshalle zuständig, verantwortete das Catering bei Veranstaltungen und führte das im Haus ansässige Restaurant Neuberths am See. Die Betreibergesellschaft CCBS verlängerte den Vertrag nicht, er lief am 31. Juli aus.
Verärgerung
Neuberth äußerte sich beim Bekanntwerden des Vertragsendes verärgert. Die Absage sei über ein kurzes Telefonat mit der Agentur geschehen, das Vorgehen bezeichnete er als „unterirdisch“. Über die Gründe sei er im Unklaren gelassen worden. Er wäre gern geblieben. Im Landkreis ist Neuberth weiterhin mit dem Kiosk im Schönaicher Freibad vertreten.