Neuer Geschäftsführer Sport Für was stehen die Stuttgarter Kickers unter Lutz Siebrecht?

Rainer Lorz (li.), Lutz Siebrecht: Der Kontakt riss nie ab. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Regionalligist Stuttgarter Kickers setzt an Stelle von Sportdirektor Marc Stein auf seinen Vorgänger Lutz Siebrecht. Einer seiner ersten Gesprächspartner dürfte der Trainer sein, vielleicht auch Julian Leist. Was wird sich ändern?

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Marc Stein hatte bis zum Beginn dieser Woche noch ein paar Termine. Es ging um Vertragsverlängerungen, auch um Neuzugänge, wie etwa eine mögliche Rückkehr von Stürmer David Stojak vom Oberligisten FC Nöttingen. Aber vor allem um Lösungen, den zu komfortabel ausgestatteten 25-Mann-Kader der Stuttgarter Kickers zu verkleinern.

 

Mitte der Woche sagte er dann aber bereits vereinbarte Gespräche mit Beratern ab – weil er wusste, dass es zur Trennung kommt. Am Donnerstagabend teilte er es persönlich dem Trainerteam und dem Staff mit. Danach gab der Verein offiziell bekannt, was sich zuletzt immer mehr angedeutet hatte: Der am Saisonende auslaufende Vertrag wird nicht verlängert.

Ende zum Jahreswechsel

Folgerichtig und im Sinne der Planungen des Vereins wird die Zusammenarbeit bereits zum Jahreswechsel beendet. „Das Thema Sportdirektor ist eine Kernfrage, die sich nicht bis Januar, Februar, März ziehen sollte, die Weichen werden jetzt gestellt“, hatte Lorz Anfang der Woche im Interview mit unserer Redaktion gesagt.

Jetzt begründete er die Trennung wie folgt: „Die Gespräche über die weitere Zusammenarbeit über den Sommer hinaus waren konstruktiv, ehrlich und von großer Offenheit geprägt, aber am Ende waren die Auffassungen unterschiedlich.“

Für Marc Stein persönlich kam das Ende der dreijährigen Zusammenarbeit durchaus überraschend, er wäre gerne bei den Blauen geblieben, er sah Verein und Mannschaft auf dem richtigen Weg. Nach der nun feststehenden Trennung sagte er: „Wir haben gemeinsam einiges erreicht. Wenn man aber merkt, dass die Auffassungen über die Zukunft auseinander gehen, ist es sinnvoll, auch ehrlich miteinander umzugehen und gemeinsam die Konsequenzen zu ziehen.“

Die Aufgaben des 39-Jährigen werden von Beginn des neuen Jahres an von dessen Vorgänger Lutz Siebrecht übernommen, der in der Funktion eines Geschäftsführers Sport zu den Kickers zurückkehrt. Der ehemalige Profi war von 2019 bis Oktober 2021 als Sportlicher Leiter für die Blauen tätig. Er hat in dieser Zeit wichtige Weichen gestellt. Unter anderem beförderte er Mustafa Ünal für Ramon Gehrmann zum Cheftrainer und verpflichtete Schlüsselspieler, die wesentlich zum späteren Aufstieg beitrugen.

Kontakt riss nie ab

Den Kontakt zu Siebrecht ließen die Kickers nie abreißen. Sein Fachwissen, sein Netzwerk in der Region und sein Pragmatismus waren immer wieder einmal gefragt. Selbst als es darum ging, in einer Art Burgfrieden das zerrüttete Verhältnis zwischen Stein und Ünal im Sinne des Vereins zu normalisieren, versuchte er als Mediator zu vermitteln.

Durch die Verpflichtung von Siebrecht sei „die notwendige Kontinuität garantiert“, sagt Lorz, der Wert darauf legt, dass man mit dieser Vorgehensweise jederzeit handlungsfähig war und handlungsfähig sein wird. „Wir haben jetzt genügend Zeit, uns auf die Rückrunde und die mittelfristige Zukunft vorzubereiten.“ Interessant wird sein, wie sich der Wechsel von Stein zu Siebrecht auf die Personalplanungen auswirkt. Zweikampfstarken Mentalitätsspieler wie Paul Polauke oder Marcel Schmidts hätte Stein in der Winterpause für einen Wechsel keine Steine in den Weg gelegt.

Austausch mit Trainer

Unter der Regie von Siebrecht wäre es alles andere als verwunderlich, wenn ihnen nun sogar über die laufende Saison hinaus eine Vertragsverlängerung angeboten wird, mit Blick auf das Gesichts eines ausgewogen ausgestatteten Kaders. Deshalb wird unter Garantie einer der allerersten Gesprächspartner von Siebrecht Trainer Marco Wildersinn sein. Gut möglich, dass auch der Austausch mit Ex-Profi Julian Leist (aktuell U-19-Co-Trainer und und in der Fußballschule aktiv) intensiviert wird. Der 36-Jährige könnte eine Art Assistentenrolle von Siebrecht einnehmen.

In den Gesprächen wird es auch um die Spielphilosophie gehen und die Frage: Für was stehen die Kickers künftig? Vereinfacht ausgedrückt: für dominanten Ballbesitzfußball oder Powerfußball mit Intensität und Aggressivität gegen den Ball? Beide sind lange genug im Geschäft und dürften intelligent genug sein, um zu der Erkenntnis zu gelangen: Die Mischung macht’s. Die energiegeladene und kraftvollen Spielweise der Ünal-Ära gepaart mit mehr spielerischen und kreativen Akzenten. „Am Ende der vergangenen Saison waren wir zu ausrechenbar. Aber nur mit Ballbesitzfußball ist in dieser Liga nichts zu holen. Das kann man machen, wenn man Manchester City ist. Wir sind dazu nicht um so viel besser als unsere Gegner“, sagte Lorz.

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