Neuer Jazzpreis Wolfgang Dauner Award verliehen

Der Jazzpianist Shai Maestro spielt bei der Preisverleihung im Fruchtkasten. Foto: Reiner Pfisterer

Im Fruchtkasten in Stuttgart ist erstmals der Wolfgang Dauner Award verliehen worden. Preisträger ist der Jazzpianist Shai Maestro.

Zu Ehren des international angesehenen Stuttgarter Jazzmusikers Wolfgang Dauner, der vor fünf Jahren gestorben ist und am 30. Dezember 2025 neunzig Jahre alt werden würde, ist im Rahmen der Jazz Open mit Unterstützung der Péter Horváth Stiftung ein neuer Jazzpreis – der Wolfgang Dauner Award – aus der Taufe gehoben und am Sonntag im Fruchtkasten erstmals vergeben worden.

 

Der Jazz-Open-Promotor Jürgen Schlensog sagt über Dauner, dass er ihn als einen „Pfundstyp“ geschätzt habe. Um den Neunzigsten gebührend zu feiern, werden das Orchester und die Big Band der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst am 18. November Kompositionen von Dauner im Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle präsentieren.

Randi Bubat Foto: Reiner Pfisterer

Am Geburtstag selbst wird es im Jazzclub Bix einen musikalischen Dauner-Gedenkabend geben. Das kündigte Dauners Witwe und einstige Muse Randi Bubat im Gespräch vor der Preisverleihung im Fruchtkasten an. Dieser spätgotische Bau ist eines der ältesten Häuser der Stadt und beherbergt das Haus der Musik mit einer Ausstellung sehenswerter historischer Instrumente. Ein idealer Ort für den mit 15 000 Euro dotierten Award der Péter-Horváth-Stiftung.

Irmgard Nille, die Witwe des vor drei Jahren verstorbenen Wirtschaftsingenieurs Horváth, sitzt mit Randi Bubat, Jürgen Schlensog und Bernd Haasis, Kritiker unserer Zeitung, in der Jury. Ausgezeichnet werden hervorragende europäische Musiker, die das vierzigste Lebensjahr noch nicht überschritten haben.

Maestro lebt in New York

Den Anfang macht der 1987 in Israel geborene Jazzpianist Shai Maestro, der seit fünfzehn Jahren in New York lebt. Sein Weg führt also vom Big Apple direkt in den Fruchtkasten. Der Tastenkünstler mit dem magistralen Namen ist ein Bewunderer von Duke Ellington, Hank Jones und Charlie Haden. Der Mann hat Geschmack.

Seit ihn Manfred Eicher als ECM-Künstler auserkoren hat, darf er sich stolz bei prominenten Kollegen wie Keith Jarrett oder Chick Corea einreihen. Auch der Jazzpianist Wolfgang Dauner war 1970 mit „Output“ bei der edlen Plattenfirma.

Maestro hatte das Berklee College of Music in Boston, Massachusetts, besucht und sich an der Musikakademie von Jerusalem weitergebildet. Er interessiert sich neben dem modernen Jazz für indische Musik und hat sich das Tabla-Spiel beigebracht. Erste Bekanntheit erlangte der 38-jährige Pianist in der Band des singenden Jazzbassisten Avishai Cohen. 2010 gründete Maestro eine eigene Formation. Als Solokünstler füllt er inzwischen Konzertsäle und ist im Juni im Jüdischen Museum Frankfurt aufgetreten.

Der Preisträger improvisiert auf Dauners Bösendorf-Flügel

Schön, wie er den der Improvisation inhärenten Rhythmus allmählich nach außen kehrt, bis er anschwillt und die Musik triumphal ausklingt. Mit seinem flüssigen Spiel, der elaborierten Technik und viel Musikalität gewinnt er im Nu die Herzen des Publikums. Auch die Herzen der Besucher im Stuttgarter Fruchtkasten, auch die von Kunstministerin Petra Olschowski und dem Krimiautor Wolfgang Schorlau.

Shai Maestro im Fruchtkasten an Dauners Bösendorf-Flügel Foto: Reiner Pfisterer

Maestro hatte dabei die Ehre auf Dauners Bösendorf-Flügel zu improvisieren, der 38 Jahre in dessen Haus im Herdweg stand und nun ins Stuttgarter Liszt-Institut kommen und – wie Randi Bubat betont – sehr achtsam behandelt werden wird. Shai Maestro sagt, er habe als Musiker wenig Einfluss, aber er werde niemals aufhören, für Liebe und Frieden einzustehen. Ein wunderbares Schlusswort in weniger wunderbaren Zeiten.

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