Neuer Leiter des SOS-Kinderdorfs Württemberg Damit Vertrauen keine Hülse wird

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Rolf Huttelmaier hat zusammen mit seiner Frau insgesamt zehn Kinder bei sich aufgenommen. Aber nicht nur privat, auch beruflich liegt es ihm am Herzen, Kindern ein zweites Zuhause zu geben: Er leitet seit März das SOS-Kinderdorf in Schorndorf-Oberberken.

Rolf Huttelmaier arbeitet bereits seit 25 Jahre im SOS-Kinderdorf Württemberg Foto: Gottfried Stoppel
Rolf Huttelmaier arbeitet bereits seit 25 Jahre im SOS-Kinderdorf Württemberg Foto: Gottfried Stoppel

Schorndorf - Das Bild ist an Weihnachten entstanden. Es zeigt Rolf Huttelmaier und seine Frau Cornelia inmitten ihrer Großfamilie. Insgesamt zehn Kinder hat das Ehepaar bei sich aufgenommen – die meisten sind mittlerweile erwachsen, einige haben bereits selbst Nachwuchs bekommen. Der neueste Zuwachs sind die beiden jungen Männer aus Eritrea, um die sich das Paar kümmert. Es ist eine Momentaufnahme, die aber gut ausdrückt, was Rolf Huttelmaier seit vielen Jahren nicht nur beruflich, sondern auch privat am Herzen liegt: Jungen Menschen ein neues zweites Zuhause zu geben – und das aus einer eigentlich simplen Grundmotivation heraus: „Ich liebe Kinder. Das wird mir auch nie zu viel“, sagt Huttelmaier, der seit März Leiter des SOS-Kinderdorfes Württemberg in Schorndorf-Oberberken ist.

Der Zivildienst in einem Kinderheim hat geprägt

Als Zivildienstleistender hat Rolf Huttelmaier erlebt, was passieren kann, wenn Kinder keine Zugehörigkeit erleben. Er hat seinen Dienst in einem klassischen Kinderheim geleistet – und wurde beklaut. Von einem Jungen, mit dem er sich eigentlich gut verstanden hat, „der mir aber gesagt hat: Du bist doch eh bald wieder weg“, erzählt Huttelmaier. Hochgerechnet hatte es der Elfjährige bereits mit 80 verschiedenen Mitarbeitern zu tun. „Für ihn war Vertrauen nur noch eine Hülse“, erzählt der heute 58-Jährige.

Auch diese Episode hat dazu geführt, dass sich Rolf Huttelmaier in seinem Sozialarbeitsstudium mit anderen Formen der Unterbringung von Kindern beschäftigt – und selbst als junger Ehemann Kinder bei sich aufgenommen hat. Nach den ersten Berufsjahren bei der psychologischen Beratungsstelle in Esslingen ist der gebürtige Alfdorfer dann 1993 als pädagogischer Mitarbeiter zum SOS-Kinderdorf in Oberberken gekommen.

Seit 1993 Mitarbeiter im SOS-Kinderdorf Württemberg

„Ich war männliche Bezugsperson, habe Freizeitaktivitäten organisiert – aber auch kaputte Dinge repariert“, erzählt Huttelmaier. Das Konzept des SOS-Kinderdorfs hat ihn überzeugt – „weil den Kindern durch die Kinderdorfmutter eine tragfähige Beziehung angeboten wird und sie ein zweites Zuhause bekommen“, sagt Huttelmaier, der 2002 Stellvertreter der Einrichtungsleitung geworden ist.

Beteiligt war er am Aufbau aller neuen Aufgabenbereiche des SOS-Kinderdorfs: „Die Einrichtung hat sich immer mehr geöffnet“, erzählt Huttelmaier. Angefangen hat es mit zwei Wohngruppen für Jugendliche, dann wurde der Kindergarten vergrößert, ein neuer Waldkindergarten in Schorndorf eröffnet. Es wurden ambulante Hilfen und Angebote für Kinder und Jugendliche an Schulen eingerichtet. Gerade die ambulanten Hilfen sollen dazu beitragen, dass der letzte Schritt – die dauerhafte Unterbringung im Kinderdorf – nicht notwendig wird. „Uns ist es auch immer wichtig, mit den Eltern zusammenzuarbeiten und sie zu unterstützen“, erläutert Rolf Huttelmaier.

Immer neue Projekte für Kinder und Jugendliche im Blick

Als der begeisterte Camper dann 2015 auf einer Rückreise von Griechenland das Flüchtlingselend entlang der Balkanroute erlebte, war für ihn schnell klar, dass das SOS-Kinderdorf auch in diesem Bereich gefordert ist. „Wir haben zusammen mit dem Landkreis fünf Wohngruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufgebaut, haben mehr als 20 junge Menschen an Gastfamilien vermittelt und diese fachlich begleitet“, sagt Huttelmaier.

Mit den Aufgaben ist auch die Zahl der Mitarbeiter gewachsen: 160 Köpfe verteilen sich auf 120 Vollzeitstellen und kümmern sich um rund 500 Kinder. Und die nächsten neuen Projekte hat der frischgebackener Einrichtungsleiter bereits im Blick: „Die Bedarfslagen von Familien verändern sich und wir als Jugendhilfeeinrichtung sind herausgefordert, dafür Angebote zu finden“, sagt Huttelmaier, der beispielsweise ein Wohnangebot für junge Mütter mit Kind aufbauen oder sich darum kümmern möchte, wie die kurzfristige Inobhutnahme von noch kleinen Kindern und Geschwistergruppen ermöglicht werden kann.

Die schwierige Suche nach Kinderdorfmüttern

Eine Herausforderung bleibt aber auch der Kernbereich des Kinderdorfes. „Dieses Jahr gehen vier Kinderdorfmütter in Rente, das ist schon ein Umbruch“, berichtet Huttelmaier, der noch nicht für jede freie Stelle eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger gefunden hat. Die Suche gestalte sich schwierig, zumal neben der fachlichen Qualifikation auch die Bereitschaft da sein muss, langfristig mit den anvertrauten Kindern zusammenzuleben. „Wir sind sehr offen, gerne können sich auch Ehepaare melden“ sagt Huttelmaier.

Er selbst hat sich für sein Amt fest vorgenommen, trotz seiner neuen Aufgaben den Kontakt zu den Kindern zu halten. „Das ist mir wichtig. Deswegen habe ich bei der Mitarbeiterversammlung darum gebeten, dass man mich einfach zum Essen einlädt“, sagt Huttelmaier.




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