Wenn der Kellner ein Glas mit Lav’a Belle an einem Tisch bringt, sagen die meisten Gäste von den anderen Tischen: „Oh! Lila! Das hätte ich auch gerne!“ Allein die Farbe des neuen Likörs wirkt anziehend. Lavendel aus Südfrankreich, 46 weitere Kräuter und ein wenig Vanille geben ihm seinen Geschmack. Veronika und Constantin Ebert sind während der Coronapandemie darauf gekommen. Denn die 31-Jährige liebt die Provence, Lavendel und Spritz. „Sie wollte das haben“, sagt ihr Mann. In Eigenregie brachten sie ihren Likör Lav’a Belle auf den Markt. Dabei kannten sich die beiden Stuttgarter in der Branche gar nicht aus. Mittlerweile wird er pur und gemixt in einigen Restaurants und Bars der Stadt serviert.
Im Lockdown sind die Eberts auf ihren Lavendellikör gekommen
Es war Lockdown, Veronika und Constantin Ebert arbeiteten beide vom Homeoffice aus, kein Lokal hatte geöffnet. Sehnsucht nach Südfrankreich kam in der Zeit vermutlich auf, seit vielen Jahren das Urlaubsziel von Veronika Ebert. Dort gibt es so gut wie alles aus Lavendel, Honig zum Beispiel, Eis oder Schokolade. Zur Hochzeit des Paares gab es Lavendelsäckchen für den Kleiderschrank. „Lavendel ist eine Marktlücke“, findet Veronika Ebert. Aber einen Likör für einen Spritz gab es nicht. Der französische Lavendelgeist ist zu scharf und zu bitter. Die Eberts gingen deshalb einen Schritt weiter, den die meisten Menschen, die wie sie hauptberuflich als Betriebsärztin und Betriebswirt tätig sind, nicht wagen würden: Sie brachten ihr Getränk selbst auf den Weg.
„Lav’a Belle ist unser Baby“, sagt Constantin Ebert. Für die Herstellung des Likörs suchten sie sich einen Lohnabfüller. Hin und her wurden die Proben geschickt, bis das Ergebnis schmeckte. Der Lavendel aus Bioanbau und die Kräuter werden in Alkohol eingelegt, der Extrakt daraus mit Alkohol aufgefüllt, Zucker, Vanille und etwas Lebensmittelfarbe kommen dazu. „Wir haben uns reingefuchst“, sagt Veronika Ebert. Sie orderten kurzerhand die Mindestabnahme von 600 Flaschen, machten aus ihrem Wohnzimmer ein Lager. Die Botnanger Postfiliale verweigerte nach ein paar Tagen die Annahme von weiteren Paketen, die Lieferung war innerhalb von drei Wochen übers Internet verkauft.
Auf Messen und in den Lokalen stellen die Eberts Lav’a Belle vor
Die Eberts gründeten eine Firma, die ihr großes Hobby ist. „Es ist extrem erfüllend“, sagt der 36-Jährige. Die Bestellungen werden mittlerweile über ein Logistikunternehmen abgewickelt, Messen und Gastronomen besuchen sie persönlich, was Constantin Ebert als Fußarbeit bezeichnet. Diesen Januar brachten sie noch eine alkoholfreie Version heraus. Der Lavendellikör entspricht damit zwei von drei Trends, die bei der Hamburger Gastromesse Internorga ausgemacht wurden: „Die Lust auf leichte Sommerdrinks nimmt stetig zu“, teilten die Veranstalter mit, ebenso die Tendenz zu alkoholfreien Destillaten.
Während die großen Spirituosenhersteller auf ihre bewährten Marken wie Campari, Aperol oder Jägermeister setzen, sind es seit Jahren die regionalen Produzenten, die für Neuheiten sorgen. Mehr als ein halbes Dutzend Ginmarken sind beispielsweise in Stuttgart beheimatet. Applaus Gin hat zum Beispiel im März eine Version mit „feinsten schwäbischen Waldhimbeeren und vollreifen Amalfi-Zitronen“ herausgebracht sowie die alkoholfreie Variante Piff-Paff. „Wer keine Lust mehr auf Gin Tonic hat“, den wollen die Betreiber von Stilvoll abwerben. Die vier jungen Leute aus Stuttgart und Laupheim wollen „Tradition erhalten und neu gestalten“ und liefern von Brennereien aus dem Hohenlohe die Schnäpse für einen Willi Tonic oder Rosmarin Mule.
Im Ritzi hat der Lavendellikör sofort überzeugt
„Von Lav’a Belle waren wir sofort überzeugt“, sagt Annette Albicker. Die Assistentin von Ritzi-Chef Ben Benasr bekommt „ganz oft und ganz viel“ neue Spirituosen angeboten. Es muss zum Restaurant passen und qualitativ hochwertig sein, sind ihre Auswahlkriterien. Alles Regionale sei außerdem „ganz klar im Kommen“ – und der Stuttgarter Lavendellikör nicht nur ein natürliches Produkt, sondern auch sehr vielseitig. Lavender Garden heißt die Eigenkreation, die im Ritzi als Aperitif auf der Karte steht.
Pur, mit Prosecco, Gin oder Rum lässt er sich mixen. Bei Roberts im Bosch-Areal, bei San’s auf dem Kleinen Schlossplatz, in der Austern- & Champagnerbar und im Marktstüble in der Markthalle wird der neue Lavendellikör unter anderem ausgeschenkt. In drei Lokalen in München, in einem Bierzelt auf der Wiesn und in Köln gibt es Lav’a Belle ebenfalls zu trinken, nach Berlin werden jede Woche 60 Flaschen verschickt.„Das lila Getränk ist auch ein absoluter Hingucker“, schwärmt Annette Albicker vom Ritzi. Auf ihr Baby sind die Eberts ziemlich stolz.