Neuer Pächter in Rutesheim Im Uhlenspiegel wird nun Tanzen gelernt

Timur Cavusoglu und seine Tochter Jacqueline De Sousa Martins eröffnen im Uhlenspiegel eine Filiale ihrer Tanzschule. Foto:  

In den einstigen Räumlichkeiten des Uhlenspiegels eröffnet Timur Cavusoglu mit seiner Tochter Jacqueline De Sousa Martins Ende Januar eine Filiale seiner Tanzschule Danceworld.

„Ein Restaurant wollte ich nicht aufmachen“, erzählt Timur Cavusoglu schmunzelnd. Doch auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten für seine Tanzschule Danceworld wurde er von einem Mitarbeiter der Stadt Rutesheim auf den Leerstand im Uhlenspiegel aufmerksam gemacht. Fast 50 Jahre lang war der legendäre Musikclub zunächst in Leonberg und später in Rutesheim von Manfred Uhle betrieben worden. Seit Ende 2023 war die Tür im Gebäude mit der Adresse Im Bonholz 3 jedoch geschlossen geblieben. Die Stadt hatte das Gebäude im Jahr 2013 gekauft und den Pachtvertrag zehn Jahre später nicht mehr verlängert. Vor allem weil die finanzielle Last für Uhle zu groß geworden war.

 

Als Timur Cavusoglu das leer stehende Gebäude erstmals besichtigte, wurde ihm schnell klar: „Den Küchenbereich brauchen wir zwar nicht, aber ansonsten passt das sehr gut.“ Die zwei kleineren Räume im Untergeschoss und der größere im Obergeschoss sollen ab der Neueröffnung am 25. und 26. Januar als Tanzfläche dienen. Derzeit sind die Renovierungsarbeiten noch in vollem Gange. Neben Malerarbeiten und dem Verlegen von neuem Parkettboden wird der Barbereich verkleinert und das einst als Bühne dienende Podest ausgebaut.

Eine Bereicherung für Rutesheim

In Rutesheim ist man froh, einen neuen Pächter gefunden zu haben. „Mit Erika Haak haben wir eine engagierte Wirtschaftsförderin, die Leerstände erfolgreich bekämpft“, betont Bürgermeisterin Susanne Widmaier. „Wir hätten uns durchaus wieder Gastronomie in dem Gebäude gewünscht. Aber das war nicht möglich. Daher sind wir sehr froh darüber, dass Herr Cavusoglu hier eine Filiale seiner Tanzschule eröffnet. Wir kennen ihn und sein Konzept gut. Das ist eine Bereicherung für Rutesheim.“

Ein großes Plakat verkündet bereits, dass der einstige Uhlenspiegel schon bald zur Filiale der Tanzschule Danceworld wird. Foto: Simon Granville

In und um Leonberg sind Tanzen und Tanzsport ganz eng mit dem Namen Cavusoglu verknüpft. Bis zu seinem 30. Lebensjahr ist Timur Cavusoglu als Wettkampftänzer in der höchsten deutschen Tanzklasse angetreten. Später hat er als Tanztrainer, Wertungsrichter und Funktionär beim TSC Höfingen gewirkt und große nationale und internationale Turniere nach Leonberg geholt. Im Jahr 2009 fand die Europameisterschaft und 2010 die Landesmeisterschaft in Leonberg statt. Mit dabei war damals unter anderem auch Motsi Mabuse. Auch Cavusoglus Töchter Jacqueline und Jasmin haben bundesweit Erfolge im Tanzsport feiern können. Jacqueline war einst sogar im Jugendbereich WM-Finalistin.

Tanzen erfreut sich großer Beliebtheit

Im Jahr 2005 eröffnete die Familie Cavusoglu ihre erste Tanzschule in Höfingen. Es gibt weitere Filialen in Weil der Stadt und Magstadt. „Wir waren auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten, weil am Standort Höfingen ein Maximum erreicht ist.“ Bis zu 1000 Schülerinnen und Schüler besuchen die Filialen der Tanzschule Danceworld. Nun eröffnet Cavusoglu mit seiner Tochter Jacqueline de Sousa Martins in Rutesheim einen vierten Standort. Klassischer Tanz erfreut sich weiter großer Beliebtheit. „Wir sind breit aufgestellt und mittlerweile eine in der Region sehr bekannte Tanzschule“, betont Cavusoglu.

Doch der 61-Jährige erinnert auch daran, dass die Branche eine schwere Zeit hinter sich hat: „Wir hatten während der Pandemie ein Jahr lang geschlossen. Die Corona-Delle ist noch spürbar. Es gibt immer noch Leute, die Räume mit vielen Menschen und engen Kontakt meiden.“ Trotz der langen Schließungszeit sind die Kunden treu geblieben. Zweidrittel der Erwachsenen haben damals ihre Beiträge weitergezahlt und so ein finanzielles Überleben ermöglicht.

Abschlussbälle in Sindelfingen

Dreimal im Jahr finden in der Stadthalle Sindelfingen die Abschlussbälle der Danceworld statt, bei denen etwa 700 Gäste in feierlichem Rahmen ihr Erlerntes unter Beweis stellen können. Dass die Premierenbälle nicht in Leonberg veranstaltet werden, obwohl viele seiner Schülerinnen und Schüler auf die beiden Leonberger Gymnasien oder in Rutesheim zur Schule gehen, bedauert Cavusoglu. „Es wäre naheliegend, wenn wir die Abschlussbälle in der Stadthalle Leonberg veranstalten könnten“, erklärt der frühere Leistungstänzer. „Das würden wir auch gerne so machen. Aber leider konnten wir keine Einigung mit dem Betreiber der dortigen Gaststätte erzielen.“

Knackpunkt hierbei ist die Bewirtung. Während man seitens der Tanzschule für ein Angebot „à la carte“ plädierte, bestand der Wirt in Leonberg darauf, ein Buffet aufzutischen und zusätzlich zum Eintrittspreis einen Fixbetrag von jedem Besucher zu verlangen. Für Cavusoglu war das nicht darstellbar: „Das würde die Kosten viel zu stark in die Höhe treiben und so viel Bewegung abseits der Tanzfläche wäre auch für die Veranstaltung nicht passend.“ Anschließende Vermittlungsversuche der Stadt Leonberg seien erfolglos geblieben.

Es sei schade, dass es mit der jetzigen Lösung nur Verlierer gebe: „Die Stadt verliert ein kulturelles Ereignis, wir müssen eine nicht geringe Summe an Mietkosten für die Stadthalle in Sindelfingen tragen und alle müssen lange Anfahrtswege zurücklegen.“ Gerne erinnert sich Cavusoglu an Zeiten unter Oberbürgermeister Bernhard Schuler zurück, als das Verhältnis zur Stadt Leonberg noch viel besser gewesen sei. Doch das liege nun in der Vergangenheit und man sei auch in Sindelfingen sehr zufrieden. Jetzt gilt ohnehin der Fokus der großen Eröffnungsfeier der neuen Filiale in Rutesheim am 25. und 26. Januar.

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