Neuer Pfarrer in Korntal-Münchingen Von der Werkbank hinter den Altar

Von Stefanie Köhler 

Matthias Baral ist der neue Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Kallenberg-Münchingen-Nord. Der 32-jährige Familienvater hat sich vorgenommen, alle Gemeindemitglieder persönlich kennenzulernen.

In der Kallenberger Emmaus Foto: factum/Bach
In der Kallenberger Emmaus Foto: factum/Bach

Korntal-Münchingen - Wo jetzt zwei Klappstühle und ein Tisch stehen, soll bald eine gemütliche Sitzecke sein. Matthias Baral erwartet regelmäßig Besuch. Als neuer Pfarrer im Stadtteil Kallenberg ist der 32-jährige Vater einer Tochter und eines Sohnes schließlich eine Person der Öffentlichkeit. Er ist Ansprechpartner für Taufen und Bestattungen, er ist Seelsorger. „Ich muss immer erreichbar sein. In Kallenberg rufen die Menschen mich aber an, bevor sie vorbeikommen“, sagt Baral. Er erlebt die Bürger als „sehr freundlich und zuvorkommend“. In Münchingen seien die Menschen forscher und machten sich direkt zum Pfarramt auf.

Zwar ist in Barals Büro „noch alles im Werden“, eine schöne Aussicht kann der Pfarrer seinen Gemeindemitgliedern aber schon bieten: Der Blick aus dem Bürofenster fällt direkt in den Garten, wo zum Beispiel Wein wächst. Im Grünen hält Baral sich so oft wie möglich auf. „Der Garten ist mein Ausgleich“, sagt der 32-Jährige, der sich als Verwalter der Gemeinde, seiner Familie – und eben des Gartens sieht.

Erster Gottesdienst mit rund 50 Zuhörern

Seine Familie und seinen Garten kennt Baral bestens, in Kallenberg muss er sich erst noch zurechtfinden. Die Stelle im Pfarramt Kallenberg-Münchingen-Nord, die ein Jahr lang verwaist war, ist Barals erste Pfarrstelle. Zuvor war er Vikar in Kleinsachsenheim. Während er in seiner praktischen Ausbildungszeit zum Pfarrer lediglich einmal im Monat einen Gottesdienst hielt, tut er das nun jeden Sonntag. Einmal im Monat ist er in der Johanneskirche, sonst in der Emmauskirche.

In seinen Predigten will Baral auch „den Alltag der Menschen berücksichtigen. Dafür muss ich sie kennen. Sie, den Ort und den Rhythmus des Ortes “, sagt er. Der 32-Jährige hat sich deshalb vorgenommen, alle seine 400 Gemeindemitglieder in Kallenberg zu besuchen. Wer ihn verpasst, findet einen Aufkleber an der Tür. Darauf steht, dass man sich gern bei Baral melden kann, wenn man Interesse daran hat, ihn kennenzulernen.

Das haben die Kallenberger offenbar: Zu Barals erstem Gottesdienst sind rund 50 Bürger gekommen. Das ist laut Baral überdurchschnittlich viel. Üblicherweise, das verraten Statistiken, besuchen gerade einmal fünf Prozent der Gemeindemitglieder einen Gottesdienst.

Netzwerk knüpfen

Überhaupt ist es Baral wichtig, sich mit anderen Menschen auszutauschen und ein Netzwerk zu knüpfen. Vor allem will er den Kontakt zu den Pfarrern in den Nachbargemeinden suchen, um Erfahrungen für den Pfarrberuf zu sammeln. „Ich habe das Gefühl, dass wir Pfarrer erst wieder lernen müssen, uns miteinander auszutauschen“, sagt Baral. Die Ursache liegt für ihn im Studium begründet. Dort sei man eher als Einzelkämpfer unterwegs und arbeite eigenständig vor sich hin.

Dass Baral einmal an der kirchlichen Hochschule in Neuendettelsau in Mittelfranken studiert, war während der Schulzeit nicht abzusehen. Er wollte den Schullalltag hinter sich lassen und begann eine Ausbildung zum Mechatroniker bei Bosch in Stuttgart-Feuerbach. Schnell stellte er aber fest, dass er unglücklich war. „Acht Stunden in einem Unternehmen zu sein, ist nichts für mich“, sagt Baral. Das Leben bestehe vorwiegend aus Arbeiten, da wolle er lieber „etwas Sinnvolles“ tun, etwas, „das mich befriedigt und fordert“. Baral schloss seine Lehre trotzdem ab, holte sein Abitur nach – und orientierte sich dann an seinem Vater. „Mein Vater ist Pfarrer und ein großes Vorbild. Ihm hat die Arbeit immer Freude bereitet“, sagt Baral.

Gottesdienst in Unternehmensräumen

Als Pfarrer will der 32-Jährige in seinen Predigten die „ christliche Wahrheit so verpacken, dass sie aktuell wird“. Er will aber auch – nicht zuletzt wegen seines technischen Hintergrundes – der Kirchengemeinde die örtliche Industrie näherbringen. „Ich will die Kirche für die Industrie relevant machen“, sagt Baral. Wie, das wisse er jedoch noch nicht. Insbesondere die Lackfabrik Votteler ist mit der Entwicklung Kallenbergs eng verknüpft. Der erste Gottesdienst fand an Weihnachten 1951 in der betrieblichen Mensa statt, später stiftete das Unternehmen die Glocken für die Emmauskirche, die 1956 gebaut wurde. Der Platz, an dem die Kirche steht, ist nach Votteler benannt.

Die Emmauskirche ist mit 112 Sitzplätzen klein. So klein, dass Baral ohne Mikrofon auskommt und sich im Gottesdienst frei bewegen kann – theoretisch. Ob die Kallenberger einen herumlaufenden Pfarrer akzeptieren würden, das muss Baral erst noch herausfinden.

Termin Matthias Baral wird am Sonntag, 1. Oktober, in der Johanneskirche in Münchingen offiziell begrüßt. Der Gottesdienst beginnt um 9.45 Uhr. Die Liturgie hält Pfarrer Martin Hirschmüller, Baral die Predigt.