Der 23-jährige Gabriel Nold wird sein Amt im März 2026 antreten. Foto: privat
Mit einem überraschend klaren Wahlsieg wurde Gabriel Nold in Oppenweiler zum Rathauschef gewählt. Im Gespräch hat er uns verraten, was ihm besonders wichtig ist.
Gabriel Nold ist der neue Bürgermeister von Oppenweiler. Mit gerade einmal 23 Jahren hat der parteilose Verwaltungsfachmann aus Rastatt die Wahl überraschend deutlich im ersten Wahlgang für sich entschieden. Wir haben uns mit ihm darüber unterhalten, was ihm nun für die Gemeinde vorschwebt und welche Rolle sein Alter im Wahlkampf gespielt hat.
Schnell wird klar: Nold selbst mag es gar nicht, auf sein Lebensalter reduziert zu werden. In seinem ersten Wahlkampf in Au am Rhein (Kreis Rastatt), wo er im März knapp 35 Prozent der Stimmen geholt hatte und Zweiter wurde, sei sein Alter – damals noch 22 – noch stärker zum Thema gemacht worden, erzählt er. Sowohl in den Medien als auch im direkten Kontakt mit den Bürgern. In Oppenweiler sei das anders gewesen: „Es ging hier viel eher darum, was meine Ziele, meine Vorhaben sind“, sagt Nold. Überhaupt sei der Wahlkampf, bei dem er sechs Gegenkandidaten hatte, ein fairer gewesen.
Beispiele für erfolgreiche, junge Bürgermeister gibt es genug
Und doch ist es irgendwie da, dieses Stigma. Zum Beispiel in den Kommentarspalten in den sozialen Medien. „Was weiß der denn vom Leben? Vom Kinder großziehen? Vom Arbeitsalltag?“, schreibt jemand. Viele andere Kommentare gehen in eine ähnliche Richtung – andere Menschen halten allerdings mit Beispielen anderer junger und erfolgreicher Rathauschefs dagegen. Zum Beispiel das Exempel von Maximilian Friedrich, der im Jahr 2012 Bürgermeister von Berglen wurde – als 25-Jähriger damals jüngster Schultes der Republik. Seit 2021 ist Friedrich OB in der großen Kreisstadt Backnang.
Gabriel Nold Foto: Gottfried Stoppel
Tatsächlich finden sich im Land und der Region einige weitere Beispiele. Der jüngst gewählte Bürgermeister von Asselfingen im Alb-Donau-Kreis ist sogar erst 21 Jahre alt. Armin Mößner in Murrhardt war mit 27 der jüngste Bürgermeister im Kreis, als er im Jahr 2011 erstmals gewählt wurde.
Und Nolds Bald-Amtskollege in Rudersberg, Raimon Ahrens, war 28 Jahre alt, als er im Jahr 2018 erstmals auf dem Rathaus-Chefsessel Platz nahm.
Darauf legt Gabriel Nold in Oppenweiler großen Wert
Auch Gabriel Nold sieht in seinem fast jugendlichen Alter zunächst einmal Vorteile: „Viele versprechen sich davon einen frischen Wind im Rathaus, eine andere Sichtweise und dass man da auch die Jugend mehr mitnimmt“, sagt er. Es gehe darum, neue Energie ins Rathaus zu bringen.
Derzeit absolviert Nold, der ursprünglich aus Rastatt kommt, die letzten Prüfungen seines Studiums im Public Management an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl. Sein Amt in Oppenweiler wird er im März 2026 antreten. Ein Thema, das ihm dabei besonders am Herzen liegt, ist das Ehrenamt. Das würde er in Oppenweiler gerne neu beleben.
„Mit dem Ehrenamt steht und fällt eine Dorfgemeinschaft“, ist er überzeugt. „Es gibt nichts Schlimmeres als eine Gemeinde ohne Vereinsleben, ohne ein Miteinander.“ Ihm schwebt eine Ehrenamtskarte vor – wer sich engagiert und darauf Punkte sammelt, könnte zum Beispiel Vergünstigungen im Fitnessstudio oder in Geschäften bekommen.
Wie kommt man eigentlich zum Berufswunsch Bürgermeister?
Das Oppenweiler Rathaus gehört zu den schönsten in der Region. Foto: Frank Rodenhausen
Doch wie kommt man überhaupt auf die Idee, Bürgermeister zu werden? Für Nold ist es ein Berufswunsch, der sich früh herauskristallisiert hat. Bereits während seiner Ausbildung beim Kommunalen Versorgungsverband Baden-Württemberg kam er mit Bürgermeistern in Kontakt. „Da hat mich zum Beispiel Rudi Knodel unterrichtet, der lange in Karlsbad Bürgermeister war“, sagt Nold.
Gabriel Nold wird Bürgermeister: „Man ist Bezugsperson für die Menschen“
Am Amt eines Rathauschefs fasziniere ihn vor allem die Vielseitigkeit. Neben dem fachlichen Arbeiten im Rathaus reize ihn die Repräsentation der Gemeinde, das Vereinsleben und der Austausch mit den Bürgern. „Man ist ja Bezugsperson für die Menschen. Man repräsentiert die Verwaltung – und zwar auch, wenn man spazieren ist, wenn man auf Festen unterwegs ist. Das muss einem liegen – und mir macht es sehr viel Spaß“, so Nold.
Zumal ein Job im handwerklichen Bereich ohnehin nichts für ihn gewesen wäre: „Mein Opa hat zwar bei Bosch gearbeitet und ist handwerklich spitze. Ich bin in dem Bereich aber unbegabt – für mich war klar, ich muss in die Verwaltung oder ins Büro.“
Nach dem Wahlsieg stehen für den jungen Bürgermeister nun die Zeichen auf Veränderung. Er werde auch nach Oppenweiler ziehen, betont Nold. „Ich werde auf jeden Fall nicht pendeln. Das ist schon mal ganz klar.“ Er freue sich auf seinen ersten Kaffee im Wasserschloss, dem Oppenweiler Rathaus.
Nold plant solide Finanzen vor Luxusprojekten
Und natürlich darauf, sein Team kennenzulernen und sich den Herausforderungen zu stellen, die vor ihm liegen. Denn auch wenn Oppenweiler finanziell noch recht gut dastehe, sei ein stabiler Haushalt das A und O. „Das bedeutet, dass wir erst mal die Pflichtaufgaben angehen, die gibt es nämlich momentan genug, bevor wir dann Luxusprojekte, wie beispielsweise die Schlosspark-Aufwertung, machen“, so Nold.