Neuer Restaurant-Trend Abfall auf der Menükarte

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Ein Restaurant in den Niederlanden serviert Menüs aus Zutaten, die eigentlich in den Müll wandern sollten. Nicht weil sie verdorben sind, sondern weil sie „falsch“ aussehen. Das Geschäft läuft.

Nudeln aus beschädigten Verpackungen wandern in ein Amsterdamer Restaurant. Foto: dpa
Nudeln aus beschädigten Verpackungen wandern in ein Amsterdamer Restaurant. Foto: dpa

Amsterdam – Diese Lebensmittel wurden gerade gerettet.‘‘ In Großbuchstaben steht dieser Satz auf einer Tafel im Amsterdamer Restaurant Instock. In diesem Restaurant werden Lebensmittel aufgetischt, die eigentlich im Abfalleimer hätten landen sollen. Sie aussortiert, weil sie nicht ganz den ästhetischen Anforderungen der Kunden entsprechen – etwa weil in einem Beutel mit Zitronen eine dabei ist, die arg lädiert aussieht. Oder weil diese oder jene Gurke einen Krümmungsgrad erreicht hat, den die EU-Kommission nicht mehr zulässt.

,,Solche Lebensmittel können wir unseren Kunden nicht mehr zumuten,‘‘ sagt eine Sprecherin von Ahold, einem der größten europäischen Lebensmittelkonzerne. Genau solche Lebensmittel holt sich das Team vom Restaurant Instock jeden Tag zu Sonderpreisen. Freke van Nimwegen und die anderen Mitarbeiter von Instock haben alle in Ahold-Filialen gearbeitet und haben beste Kontakte zu dem Lebensmittelriesen. Ahold unterstützt die Initiative von Instock und bezahlt sogar für einige Monate das Gehalt aller Mitarbeiter dieses ,,Pop-up-Restaurants‘‘.   Ein Drei-Gänge-Menü kostet im Instock nur 20 Euro. Es ist ein Überraschungsmenü, weil die jeweiligen Zutaten tagesfrisch aus dem aussortierten Lebensmitteln bei Ahold abgeholt werden. Natürlich mit einem Elektro-Auto. Der Renner im Instock ist derzeit der Sunday-Brunch. Den gibt es schon für nur zehn Euro.

Aus ganz Holland fahren die Gäste zu Instock um dort zu verzehren, was eigentlich weggeworfen werden sollte. ,,Wir liefern mit unsrem Restaurant-Konzept einen Beitrag gegen die Lebensmittelverschwendung,‘‘ sagt Freke van Nimwegen. ,,Jeder Niederländer wirft durchschnittlich pro Jahr 50 Kilo an Lebensmitteln weg. Etwa 14 Prozent der Lebensmittel, die eingekauft werden, werden nicht gegessen, sondern landen im Mülleimer. Wir sind gegen diese Verschwendung.‘‘  Das Essen sei gesund, versichert sie. ,,Die Produkte, die wir verarbeiten und von Ahold bekommen, sind einwandfrei. Das Haltbarkeitsdatum ist nicht überschritten.‘‘ Das Restaurant-Motto hat das Amsterdamer Instock-Team übrigens von den Bayern abgekupfert. Es lautet: ,,Wir sind wir‘‘  oder auf bayrisch ,,Mir san mia‘‘