Neuer Risikokapitalfonds Studenten sammeln Kapital für Studenten

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Fünf Studenten aus Karlsruhe wollen mit einem eigenen Fonds zeigen, dass auch sie Risikokapital managen können – ein bisher einmaliges Projekt in Deutschland.

Die Teammitglieder sind zwischen 23 und 28 Jahren alt (v.l.): Alexander Kaiser, Sebastian Böhmer, Karl Lorey, Benedikt Stolz, Andreas Fischer Foto: First Momentum Ventures
Die Teammitglieder sind zwischen 23 und 28 Jahren alt (v.l.): Alexander Kaiser, Sebastian Böhmer, Karl Lorey, Benedikt Stolz, Andreas Fischer Foto: First Momentum Ventures

Karlsruhe - Die fünf Gründer von First Momentum Ventures wissen, worauf sie sich einlassen. Obwohl sie erst zwischen 23 und 28 Jahren alt sind, haben sie nicht nur einen technologischen Hintergrund, sondern haben auch selber Gründererfahrung gesammelt. Alle kommen sie vom Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und haben von der Startup-Infrastruktur profitiert, die in dessen Umfeld entstanden ist – etwa das Gründerzentrum Pioniergarage oder die studentische Unternehmensberatung Fuks.

Ihr neuer Risikokapitalfonds macht ein Angebot in einem Bereich, der bisher für private Investoren nicht so lukrativ ist, und bietet eine Alternative zu öffentlichen Förderprogrammen. Der Vorteil für die Start-ups ist, dass die Vergabe weniger bürokratisch ist als etwa beim Exist-Stipendium des Bundes für hochschulnahe Gründungen. Die Gründer erhalten eine professionelle Beratung und Begleitung, die ihnen anschließend weitere Finanzierungsrunden erleichtern soll.

First Momentum Ventures konzentriert sich auf die Frühphase

Finanzieren will man Start-up-Ideen in der ganz frühen Phase („Pre-Seed“) und hat dafür bereits ein Netzwerk an Beratern und Finanziers aufgebaut. Genau diese frühe und intensive Kontaktpflege hat dann unter anderem die Landesförderbank L-Bank von einer Finanzierung überzeugt.

Die L-Bank steigt mit 250 000 Euro in den ersten Fonds von First Momentum Ventures ein. Maximal wäre eine Beteiligung von einem Viertel am Fonds möglich, aber ob diese Grenze ausgeschöpft wird, ist noch offen. Die entscheidende Säule sind aber zum Start solvente Privatpersonen, die ihr eigenes Vermögen in dem Fonds anlegen. Einzelne Start-ups werden mit 25 000 bis 100 000 Euro finanziert. Für den ersten Fonds strebt man 30 Investments an. Mit einem solchen, auf Hochschulen ausgerichteten Fonds ist Baden-Württemberg nicht nur in Deutschland, sondern auch europaweit ein Pionier. Ähnliche Konstrukte nach einem ursprünglich amerikanischen Vorbild gibt es bisher nur in Finnland und in den Niederlanden, sowie in abgewandelter Form in London. „Wir haben hautnah miterlebt, wie schwer es ist, aus dem Elfenbeinturm namens Studium zu gründen – und was für eine teure Angelegenheit das ist“, sagt Mitgründer Benedikt Stolz über die Motivation.

Baden-Württemberg als Pionier

„Wir wollen vor allem dazu beitragen, dass mehr Start-ups von technisch orientierten Hochschulen kommen“, sagt er. Im Visier sind derzeit Orte abseits der großen deutschen Start-up-Metropolen, zum Beispiel Karlsruhe, Aachen, Darmstadt und Stuttgart. Karlsruhe ist aber ein guter Startpunkt: Das KIT liegt im Hochschul-Gründerradar des Stifterverbands der Wissenschaft aktuell auf Platz 2 von 34. Der entscheidende Vorteil zu anderen Fonds sei die Augenhöhe zu den Gründern, sagt Stolz. Drei im Team studieren selber noch, zwei haben gerade abgeschlossen. Gründerfahrung bringt man mit.

Auf Augenhöhe zu studentischen Gründern

Stolz hat einmal ein Café gegründet, ein anderes Teammitglied war am Start einer Vermittlungsplattform für internationale IT-Spezialisten nach Deutschland beteiligt. Auch die Teammitglieder sind am Fonds beteiligt, aber im branchenüblichen kleineren Maßstab. Entscheidend sind das Partnernetzwerk und die Kontakte zu Investoren. Ansonsten sei rechtlich alles genau so wie in jedem anderen von der Finanzaufsicht genehmigten Risikokapitalfonds, sagt Mitgründer Stolz.

Die L-Bank war von den Netzwerker-Fähigkeiten beeindruckt

„Das Team hat bereits sehr früh, sehr professionell und sehr ambitioniert ein Netzwerk geknüpft – das hat positiv beeindruckt“, sagt L-Bank-Chef Axel Nawrath. Und First Momentum Ventures passt auch in das Konzept, einerseits als Förderbank auch Start-ups in der Frühphase in den Blick zu nehmen als auch die Gründerkultur an den Hochschulen zu unterstützen. „Viele Geschichten fangen gerade in Baden-Württemberg mit seiner Branchenstruktur klein an. Firmen hier werden Schritt für Schritt groß und wachsen organisch“, sagt Nawrath. Man sieht dabei das Potenzial von Gründungen, die dank innovativer Technologien ein hohes Wachstumspotenzial haben: „Unser Engagement ist aber kein Förderprogramm, sondern ein echtes Beteiligungsgeschäft.“ Das Risiko in dieser frühen Phase sei hoch, andererseits sei es insgesamt vom Volumen her für die L-Bank ein überschaubares Investment.

Der erste Fonds soll in Kürze lanciert werden. Angestrebt ist ein Startvolumen von 1,3 bis 1,4 Millionen Euro. Insgesamt möchte man dann binnen eines Jahres fünf Millionen Euro für eine Laufzeit von zehn Jahren einsammeln. Damit wäre man dann in Europa der größte von Studenten gemanagte VC-Fonds, sagt Mitgründer Stolz.

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