Neuer Start-up-Fonds Baden-Württemberg mobilisiert Risikokapital

Babybe, ein Stuttgarter Start-up, das mithilfe eines speziellen Kissens beruhigende Herzgeräusche in den Brutkasten überträgt, ist ein Vorzeigebeispiel der bisherigen Investments. Foto: Lichtgut/

Nach den guten Erfahrungen mit einem ersten, vom Land unterstützten Kapitalfonds geht nun mit dem neuen Start-up BW Innovation Fonds ein noch ambitionierteres Projekt an den Start.

Stadtentwicklung & Infrastruktur: Andreas Geldner (age)

Stuttgart - Schritt für Schritt baut Baden-Württemberg seine Programme aus, mit deren Hilfe vielversprechende Start-ups aus dem Südwesten an Risikokapital kommen können. Seit Anfang des Monats ist der Start-up BW Innovation Fonds am Start.

 

Ein bis drei Millionen Euro für Start-ups

Mit einem Gesamtvolumen von 50 bis 60 Millionen Euro soll er die staatlich unterstützten Finanzierungsmöglichkeiten im Südwesten auf ein neues Niveau bringen. In einer ersten Runde beginnt man mit 35 Millionen Euro, davon kommt knapp ein Drittel aus Landesmitteln. Ein bis drei Millionen Euro können Start-ups jeweils erhalten. Private Partner sind zunächst Versicherungen und Banken aus Baden-Württemberg.

„Damit haben wir ein weiteres Instrument an der Hand, Start-ups gerade in der risikoreichen Anfangsphase wirksam zu unterstützen“, sagt Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU). Die für das Fondsmanagement zuständige Mittelständische Beteiligungsgesellschaft (MBG) habe bereits langjährige Investoren-Erfahrung. Anfang des kommenden Jahres soll der Fonds dann finanziert sein. Nach fünf Jahren sind Verkäufe avisiert, insgesamt geht die Laufzeit über zehn Jahre. Zielgruppe sind Unternehmen mit technologischem Alleinstellungsmerkmal aus Branchen, in denen das Land besondere Stärken hat, etwa aus dem Bereich der Medizintechnik oder dem Maschinenbau.

„Das Investment ist kein Fördergeld, sondern rein marktwirtschaftlich und renditegetrieben“, sagt Mattias Götz, einer der Fondsmanager bei der MBG: „Wir wollen Unternehmen unterstützen, die im großen Maßstab wettbewerbsfähig sind.“ Entscheidend seien überdurchschnittlich hohe Wachstumschancen. Der neue Fonds setzt fort, was mit einem anderen, ersten Risikokapitalfonds in etwas kleinerem Maßstab und etwas niedrigeren Summen seit 2014 erprobt wurde.

Auswahl nach Renditechancen

Man habe hier schon einige erfolgreiche Unternehmen im Land anschieben können, sagt der MBG-Geschäftsführer Guy Selbher:„Die Tatsache, dass es uns gelungen ist, neben den schon im ersten Fonds beteiligten Geldgebern für den Start-up BW Innovation Fonds neue, renommierte Partner dazuzugewinnen, unterstreicht dies.“

Eine Vorzeigefirma ist der Offenburger Anbieter von Buchhaltungssoftware, Sevdesk, der gerade erst auf dem Kapitalmarkt unter anderem in den USA 50 Millionen Euro eingesammelt hat. Aber auch andere Investments waren erfolgreich: So wurde die Stuttgarter Gründung Babybe, die ein spezielles Kissen entwickelt hat, das bei Frühgeborenen im Inkubator den Herzschlag der Mutter simuliert, Ende 2020 an einen kalifornischen Hersteller von Brutkästen verkauft.

Fonds soll private Investoren aufmerksam machen

Mit dem nun als Nachfolger neu aufgelegten Risikokapitalfonds will Baden-Württemberg nun noch einen Schritt weiter gehen. „Unser Ausgangsinvestment liefert die Grundlage, dass dann auch Investoren aus dem In- und Ausland auf die Firmen aufmerksam werden“, sagt Götz: „Wenn wir eingestiegen sind, kommen sie mit diesen Leuten leichter ins Gespräch.“ Trotz einiger Fortschritte in den vergangenen Jahren, die auch eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft EY widerspiegelt, gibt es beim Risikokapital im Südwesten weiter Nachholbedarf im Vergleich zu anderen Bundesländern. Der neue Fonds ermöglicht, über die Finanzierung des ersten Markteintritts, der sogenannten Seed-Phase, hinauszugehen und eine rasche Expansion zu finanzieren. Im Jargon der Start-up-Investoren ist das die Series A: der Punkt, an dem es darum geht, Märkte etwa im Ausland zu erschließen.

Ein Gewinn fließt in den Landesetat

Sollten die Investments erfolgreich sein, fließt der Gewinn aus der Landesbeteiligung in den Haushalt zurück. Aber auch ein Verlustrisiko bleibt. Mit dem neuen Fonds liegt Baden-Württemberg immer noch nicht in der Dimension des oft als Vorbild genannten Bayern, das sich mit deutlich größeren, staatlichen Summen engagiert. In Baden-Württemberg seien aber die Töpfe alle so konzipiert, dass ergänzend privates Kapital mobilisiert werde, sagt Götz: „Dass wir Schritt um Schritt vorgehen und dann weitermachen, wenn sich etwas bewährt hat – das ist einfach die schwäbische Mentalität.“

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