Die Stadt Stuttgart testet an der Olgastraße eine neu entwickelte Asphaltdeckschicht. Es handelt sich um einen Belag mit Anteilen aus recyceltem Glas und Spiegeln. Er soll die Sichtbarkeit verbessern – und das Stadtklima.

Man glaubt sich fast wie im Märchen vom Sterntaler: Ein 40 Meter langes Teilstück der Olgastraße im Stuttgarter Süden liegt vor einem und glitzert, dass es aussieht, als wären die Sterne vom Himmel gefallen. Die Wahrheit ist freilich um einiges prosaischer, aber durchaus spannend: Die Stadt Stuttgart testet an dieser Stelle eine neu entwickelte Asphaltdeckschicht mit Anteilen aus abgerundetem recyceltem Glas und Spiegeln. Sie reflektiert bei Nacht das Scheinwerferlicht. Dadurch soll sich die Sichtbarkeit verbessern.

Der Belag ist eine Neuentwicklung der ausführenden Baufirma Eurovia aus Berlin namens Lumivia. Laut dem Hersteller „grenzt er sich für das menschliche Auge von der üblichen Verkehrsfläche ab und hellt bei Nacht die direkte Umgebung auf. In Bewegung gibt es dabei einen Glitzereffekt.“

Durch die Teststrecke erhofft sich das Tiefbauamt Erfahrungen

Deshalb biete sich die Anwendung des Belags besonders bei Rad- und Gehwegen an. Insofern sei eine Straße wie die Olgastraße „sicherlich nicht der Schwerpunkt für Lumivia“. In der Olgastraße habe man jedoch die Möglichkeit, Stuttgart dem neuen Belag zu zeigen und für weitere Projekte interessant zu machen. Man denke dabei etwa an den Ausbau des Radwegnetzes in Stuttgart und Baden-Württemberg, aber auch an Unterführungen oder Bereiche wie Fußgängerüberwege, die mit dem Glitzerasphalt hervorgehoben werden könnten. Das Tiefbauamt der Stadt bestätigt, dass der Belag testweise eingebaut wurde: „Ein derartiger Belag könnte künftig an sicherheitsrelevanten Stellen eine Anwendung finden.“ Man erhoffe sich „durch die Teststrecke entsprechende Erfahrungen über die Standfestigkeit und die Dauerhaftigkeit des aufhellenden Effekts, um dann über eine künftige Anwendung entscheiden zu können“.

Glitzerasphalt ist energiesparend und gut für das Stadtklima

Laut der Baufirma hat der Belag noch zusätzliche Vorteile: Durch die starke Reflexion sowohl der künstlichen als auch natürlichen Lichtquellen auf der Oberfläche erscheine die Umgebung heller, freundlicher und sei besonders für Kinder sicherer – und ergänze somit die vorhandene Straßenbeleuchtung. Gegenüber der Erweiterung mit Lampen spare dies Energie. Auch am Tag erzeuge Lumivia eine Aufhellung der Verkehrsfläche und sorgt somit im Sommer dafür, dass sich die Oberfläche weniger aufheizt. Dadurch könne man für ein besseres Stadtklima sorgen.

An der Olgastraße wurde der Belag kostenneutral zum ausgeschriebenen Standardbelag durch die Baufirma auf einem Teilstück eingebaut. Generell, so heißt es vonseiten der Firma, entstünden gegenüber normalen Asphalten allerdings schon etwas höhere Kosten. Andererseits seien die Produktions- und Baukosten gegenüber farbigen Asphaltbelägen, die sonst etwa oft für Radwege genutzt würden, um ein Vielfaches niedriger.

Arbeiten abgeschlossen, Bäume werden noch gepflanzt

Der neue Belag wurde im Zuge der Arbeiten zwischen Olgastraße und Falbenhennenstraße mit barrierefreier Bushaltestelle, Fahrradstreifen und Baumquartieren aufgebracht. Diese sind abgeschlossen. Im Herbst werden die Bäume gepflanzt.