Das jahrelange Holpern soll ein Ende haben: Die Bahn hat die Weichen gestellt, damit Stuttgart 21 professioneller gemanagt werden kann. Nun müssten auch die Projektpartner nachziehen, meint der neue Lenker.

Stuttgart - Der neue Chef des umstrittenen Bahnprojekts Stuttgart 21, Manfred Leger, hat von der grün-roten Landesregierung und der Stadt Stuttgart mehr Einigkeit verlangt. Die Bahn habe die Verantwortung nun in einer neuen Projektgesellschaft gebündelt. „Wir haben den ersten Schritt gemacht und erwarten, dass jetzt dort etwas passiert“, sagte der 59-jährige Bahn-Manager am Donnerstag in Stuttgart. Er habe während seiner internationalen Karriere bei Unternehmen wie dem Baukonzern Balfour Beatty Rail kein Projekt erlebt, bei dem der Auftraggeber nicht massiv dessen Realisierung gefordert habe.

 

Projektsprecher Wolfgang Dietrich erläuterte mit Blick auf SPD und Grüne in Land und Stadt Stuttgart, es könne nicht sein, dass ein Teil der Projektpartner aufs Tempo drücke, der andere auf Zeit spiele. Es müsse spätestens nach der Bundestagswahl mit einer Stimme gesprochen werden.

Entscheidungswege werden verkürzt

Bislang lag die Verantwortung für den neuen unterirdischen Stuttgarter Hauptbahnhof samt Anbindung an die Neubaustrecke nach Ulm beim Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer. Diesem berichtet nun die neue Gesellschaft mit zunächst 200 Mitarbeitern, die sich bislang bei der DB Projektbau mit Stuttgart 21 beschäftigt haben. Außerdem werden interne Schnittstellen verringert und Entscheidungswege verkürzt, das Risikomanagement intensiviert und für Auftragnehmer und Behörden ein Ansprechpartner geschaffen.

Ein Beirat mit einem Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, einem Beton-Experten, einer Gewerkschaftsvertreterin und weiteren externen Fachleuten soll Geschäftsführung und Bahn-Aufsichtsrat zur Seite stehen. Leger, dem drei weitere Geschäftsführer unterstehen, resümierte: „Die DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH wird die Handlungsfähigkeit für Stuttgart 21 erheblich steigern.“

Er gab als Ziel für die Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs Ende 2021 an. Zudem sollen die Kosten für Stuttgart 21, die nach Bahn-Schätzungen auf bis zu 6,5 Milliarden Euro klettern könnten, auf weniger als sechs Milliarden Euro gedrückt werden. „Zeit und Kosten sind echt gigantische Herausforderungen“, sagte der Münchner. Aber sie seien machbar, wenn alle Partner an einem Strang zögen.