Neuer SWR-Intendant Kai Gniffke zielt auf Weltrekord

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Der alte Intendant Peter Boudgoust übergibt in Stuttgart die Staffel an einen ehrgeizigen Nachfolger: Kai Gniffke formuliert für seine erste SWR-Amtszeit sehr sportliche Ziele.

Legt gleich richtig los: Kai Gniffke Foto: dpa/Christoph Schmidt
Legt gleich richtig los: Kai Gniffke Foto: dpa/Christoph Schmidt

Stuttgart - Freundlich, offen, zugewandt, humorvoll, sympathisch, verbindlich: So erlebt man den neuen SWR-Intendanten Kai Gniffke in der Öffentlichkeit, so hat man ihn auch am Freitag im Funkhaus in Stuttgart beim offiziellen Dienstantritt erlebt. Aber mit all dieser Freundlichkeit und all diesem Humor formuliert er dann auch für die fünf Jahre seiner ersten Amtszeit ausgesprochen sportliche Ziele.

Und das im wahren Wortsinn: In seiner Antrittsrede erinnert er an ein TV-Sportereignis aus seiner Kindheit. Damals war er elf Jahre alt: Olympische Sommerspiele in München 1972. Vier mal 100-Meter-Laufstaffel der Frauen; als Favoriten gehen die West- und die Ostdeutschen ins Finale. Als dritte Läuferin erkämpft Annegret Richter einen hauchdünnen Vorsprung, als Schlussläuferin wächst Heide Rosendahl über sich hinaus und holt vor der DDR einen Weltrekord und die Goldmedaille. Das alles sah Gniffke als Bild für den aktuellen Augenblick: Peter Boudgoust, der alte Intendant, übergebe die Staffel mit Vorsprung. Und nun das Finale. Gniffke: „Ich bin sicher, ich bringe die Staffel ins Ziel.“ Der SWR werde sprinten und „die anderen nicht vorbei lassen“.

Boudgoust: „Idee der Öffentlich-Rechtlichen verteidigen“

„Die anderen“, das wurde in allen Redebeiträgen der Veranstaltung deutlich, das sind für die SWR-Führung längst nicht mehr die kommerziellen Konkurrenten von RTL oder Sat 1. „Unsere echten Konkurrenten, das sind Netflix und Amazon“, stellte Peter Boudgoust in seiner Abschiedsrede fest. „Hier müssen wir selbstbewusst in den Wettbewerb“. Und dann seien da noch die ganz anderen – jene politischen Kräfte, die ARD, ZDF und Deutschlandfunk ganz abschaffen möchten. Konkret gemeint waren damit wohl gewisse Kräfte in der AfD, aber die Partei wurde nicht beim Namen genannt. „Wir müssen die Idee des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verteidigen“, so Boudgoust. Sein Auftrag sei „in einer zusehends fragmentierten Gesellschaft eine zivilisatorische Leistung.“

Es war souverän vom Sender, als Festrednerin an diesem Tag Diemut Roether einzuladen, denn von der äußerst profilierten Redakteurin des Fachdienstes „epd Medien“ war abgesehen von Lob auf Peter Boudgoust natürlich auch Kritik am SWR zu erwarten. Und Roether lieferte zuverlässig Das SWR-Fernsehen liefere zu viel „Wohlfühlprogramm“, zu viel „kochende Landfrauen und Südwesten von oben“. Der Sender lasse es an „unbequemen Inhalten“ fehlen und liefere zu wenig „Diskussionsstoff für die Gesellschaft“. In Richtung Gniffke sagte sie: „Denken Sie an Inhalte und nicht nur an Content.“ Der öffentlich-rechtliche Rundfunk habe „die Pflicht, das bessere Programm zu machen“.

Zwei Personalentscheidungen sind schon gefallen

Und nächste Woche könne der neue SWR-Chef gleich mal zeigen, was in ihm stecke. Schließlich diskutieren die ARD-Intendanten dann in Stuttgart darüber, ob künftig am Sonntag in der Stunde vor der 20-Uhr-„Tagesschau“ statt „Weltspiegel“ eine weitere Sportsendung laufen soll. Roether ließ keinen Zweifel daran, wie sie eine solche Entscheidung in ihrem Medium kommentieren würde.

Kai Gniffke selbst jedenfalls ist längst auf der Strecke: Just wenige Stunden vor der Veranstaltung präsentierte er zwei zentrale Personalentscheidungen: Clemens Bratzler aus dem eigenen Haus, den TV-Zuschauern gut bekannt, wird neuer SWR-Programmdirektor Information, Anke Mai vom Bayerischen Rundfunk die Programmdirektorin Kultur. Mit solchen Entscheidungen hätten sich andere viel mehr Kennenlern-Zeit gelassen. Aber Gniffke hat einfach sehr viel vor.