So sieht die Zukunft beim TSV Heimerdingen aus: Trainer Andreas Broß bei der Auswechselbank. Foto: Pressefoto Baumann
Andreas Broß (55) hätte Fußball-Landesligist TSV Heimerdingen erst im Sommer übernehmen sollen, vor dem Spiel in Satteldorf lautet sein Ziel: Das Team muss frei in den Köpfen werden.
Bei einer Herzensangelegenheit sagt keiner nein. Eigentlich konnte Andreas Broß nicht anders als zusagen, als er am Sonntag gefragt wurde, ob er den TSV Heimerdinger sofort und nicht erst wie vereinbart im Sommer übernehmen könne. „Wenn der Verein sich sicher ist, dass das sinnvoll ist, dann gehe ich da natürlich mit“, beschreibt der 55-Jährige seine Zusage, die für ihn so selbstverständlich war wie Geschenke untern Weihnachtsbaum zu legen.
Der TSV Heimerdingen ist mit Heimatverein TSV Oberensingen die große Fußball-Liebe von Broß. Die vorzeitige Übernahme der Verantwortung durch den Ex-Profi konnte feinfühlige Fußball-Fans nicht gerade überraschen. Am vergangenen Freitag war der TSV von Nachbar SV Leonberg/Eltingen auf eigenem Platz beim 0:5 so vernichtend abgeschossen worden wie ein Papierschiffchen von einem Kanonenboot – und nun steht am Samstag (15.30 Uhr) das Kellerduell bei der Spvgg Satteldorf an, was eine Art kleines Finale um den Klassenerhalt darstellt.
Die Lage ist simpel: Siegt der TSV in Satteldorf, befindet er sich auf sicherem Landesliga-Boden, weil der Abstand auf den Relegationsplatz bei sieben Punkten liegt und nur noch zwei Partien ausstehen. Verlieren die Heimerdinger, rückt die Spvgg auf einen Zähler heran und die TSV-Freunde beginnen zu zittern wie ein Mann in Badehose bei null Grad. „Das ist ein extrem wichtiges Spiel, deshalb mussten wir einen neuen Impuls setzen“, betont Sportchef Daniel Riffert.
Im Hinspiel im November fegte der TSV Heimerdingen die Spvgg mit einem 5:0 vom Platz: Haris Gudzevic trifft zum 3:0. Foto: Baumann/Alexander Keppler
Markus Koch haben die Verantwortlichen an der Weissacher Straße diese 180-Grad-Wende nach dem 0:5-Debakel nicht mehr zugetraut. Zu wenig Verve registrierten sie im Team. Zuvor gab es ein maues 0:0 bei Absteiger SGM Krumme Ebene, davor ein ärgerliches 2:2 gegen Abstiegsmitkonkurrent TSV Crailsheim, der in der Nachspielzeit den Ausgleich erzielte. „Diese beiden Unentschieden tun uns extrem weh“, räumt Riffert ein, „die Jungs müssen den Kopf jetzt wieder nach oben bekommen.“
Dafür soll Andreas Broß sorgen. Der weiß, dass er auf seiner Kommandobrücke nur an wenigen Hebeln schalten kann – die technischen Fähigkeiten der Kicker samt deren Fitness sind in knapp drei Wochen nicht zu verbessern und auch im taktischen Bereich ist keine Revolution zu erwarten. Für den neuen Trainer gibt es nur einen Ansatzpunkt: den Kopf der Spieler. „Gegen Leonberg/Eltingen ist die Mannschaft nach dem 0:1 auseinandergebrochen“, betont Broß, der die Partie verfolgt hat, „es gab keinen Willen mehr, sich zu wehren, es gab individuelle Fehler, weil der Kopf schon abgeschaltet hatte.“
Der 55-Jährige vermisste den Teamgeist beim TSV Heimerdingen, die Bereitschaft eines jeden Kickers, einen Patzer des Kollegen auszubügeln. Und er vermisste die Resilienz, sich gegen Widrigkeiten zu behaupten, Rückschläge wie ein Gegentor wegzustecken wie ein Boxer einen harten Körpertreffer verarbeitet – und sich danach wieder nach Kräften gegen einen K. o. wehrt. „Alle müssen als Mannschaft zusammenrücken“, beschreibt Andreas Broß seine To-do-Liste, die er am Dienstag im ersten Training unter seiner Leitung begonnen hat abzuarbeiten.
Rolle rückwärts: Daniel Riffert wird künftig wieder als Co-Trainer von der Bank aus agieren. Foto: Pressefoto Baumann
Als erste Maßnahme hat sich der Rückkehrer vorgenommen, mit den Spielern im Lauf der Woche Einzelgespräche zu führen, um den mentalen Restart im Kampf gegen den Abstieg einzuleiten. Dabei ist bei dem erfahrenen Fußballer mehr der Sportpsychologe gefragt, denn der technisch-taktische Übungsleiter. „Wir müssen im Kopf alles auf null stellen“, sagt Broß. Dabei ist er nicht auf sich allein gestellt. Unterstützung erhält der gebürtige Nürtinger von Daniel Riffert, der ab sofort die Aufgaben des Co-Trainers übernimmt – auch der Wechsel des Sportdirektors zurück auf die Bank war eigentlich erst für die neue Runde avisiert.
Daniel Riffert sitzt als Co-Trainer auf der Heimerdinger Bank
Der 37-Jährige kennt die Protagonisten, die den Ligaverbleib am besten am Samstag auf dem Spielfeld für den TSV richten sollen, aus dem Effeff. Beim Schaffen einer Gewinner-Mentalität ein dicker Pluspunkt. „Wir haben alles noch in eigener Hand und sind nicht auf Ergebnisse der Konkurrenz angewiesen“, betont Riffert, „die Spieler müssen den Kopf wieder hoch bringen.“ Dort soll er sich im Optimalfall auch befinden, wenn die Partie in Satteldorf abgepfiffen wurde.
Die Trainer des TSV seit 2009
Andreas Broß (seit 18. Mai 2026): Broß übernahm vorzeitig nach dem 0:5 des TSV gegen den SV Leonberg/Eltingen. Eigentlich sollte er erst im Juli Dienstbeginn haben.
Markus Koch (1. Juli 2025 bis 17. Mai 2026) Koch erhielt einen Einjahresvertrag – bereits im April war vereinbart worden, dass er den Club im Sommer 2026 wieder verlässt.
Daniel Riffert (23. Dezember 2024 bis 30. Juni 2025) Der Sportliche Leiter übernahm interimsweise, da Broß sein Amt wie vereinbart niederlegte und Markus Koch aus familiären Gründen erst im Sommer antreten wollte.
Andreas Broß (10. November bis 6. Dezember 2024) Broß übernahm mit der Zusage, das Team bis zur Winterpause zu betreuen – in drei Spielen holte der TSV sieben Punkte.
Pascal dos Santos Coelho (1. Juli bis 6. November 2024) Der Kapitän der Meistermannschaft wurde Spielertrainer des Verbandsligisten. Nach einer sportlichen Negativserie wurde er freigestellt.
Daniel Riffert (1. November 2020 bis 30. Juni 2024) Wurde nach der Trennung von Härter zum Chefcoach befördert und führte den TSV schließlich in seiner vierten Saison zum Landesliga-Meister 2024. Riffert wechselte danach in die Rolle des Sportlichen Leiters.
Jens Härter (1. Juli bis 31. Oktober 2020) Vom Co-Trainer zum Chefcoach befördert, Trennung wegen Erfolglosigkeit.
Holger Ludwig (1. Juli 2017 – 30. Juni 2020) Kam vom SGV Freiberg und betreute die Mannschaft über drei Spielzeiten in der Landesliga.
Dietmar Seethaler (1. Juli 2016 bis 30. Juni 2017) Er folgte auf Broß und beendete bereits im Sommer 2017 seine Trainertätigkeit aus persönlichen Gründen.
Andreas Broß (1. Juli 2009 bis 30. Juni 2016) Erstes Engagement von Broß beim TSV Heimerdingen. Er verließ den Club, um sich als Coach seinem Heimatverein TSV Oberensingen anzuschließen.