Engagiert an der Seitenlinie: Markus Stotz bei seiner Trainerstation bei der TG Schömberg, wo er bis Herbst 2024 coachte. Foto: Beytu Kara
Der neue Trainer des Handball-Oberligisten SV Leonberg/Eltingen hat den Schritt auf unbekanntes Terrain gewagt – nach dem Motto: Einfach kann jeder. Der Mann weiß, was er will.
Es gibt undankbare Aufgabenstellungen für einen Trainer im Sport. Eine solche lautet: Übernimm während der Saison eine Mannschaft, die du nicht selbst zusammengestellt hast, von der du nicht einen Spieler kennst und die in einer dir unbekannten Liga antritt. Viele Coaches würden eine solche Konstellation so behandeln wie einen Teller heißer, versalzener Tomatensuppe – sie würden das Teufelszeug mit abfälligem Blick beiseite schieben. Niemals!
Nicht so Markus Stotz. Es geht in seinem Fall nicht um Suppe, sondern um die Handballer des SV Leonberg/Eltingen. Der Oberligist benötigte dringend einen versierten Übungsleiter, nachdem Coach Nummer eins, Zoran Stavreski, überraschend abgesprungen war und Coach Nummer zwei, Rafet Oral, erklärt hatte, den Interimsjob maximal bis Weihnachten auszuüben.
Stotz ist Coach Nummer drei in dieser Saison
Nun übernimmt Nummer drei. Markus Stotz hat zugesagt, er wird das Team bis Juni 2026 als Cheftrainer führen. „Die Tatsache, eine bestehende Mannschaft zu übernehmen“, betont der 59-Jährige, „sie weiterzuentwickeln und dahin zu bringen, wo sie hingehört – das macht den Reiz dieser Aufgabe aus.“ Hört sich an nach einem zupackenden Mann, der nach dem Motto arbeitet: Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger. Nun ist der SV Leonberg/Eltingen aber sicher kein Team, das einen Wunderheiler benötigen würde – die Mannschaft belegt in der Oberliga Platz acht und spielt eine veritable Runde.
Die SV-Handballer würden gerne ihren zweiten Heimsieg der Saison feiern. Foto: Andreas Gorr
Aber ein bisschen Handball-Magie wäre willkommen, wenn die Truppe um Kapitän Christoph Hönig an diesem Freitag (20.30 Uhr) im Sportzentrum den Tabellenzweiten HTV Meißenheim empfängt. Bislang hat der SV nur ein Heimspiel gewonnen, und zwar fast vor einem Vierteljahr am 20. September, weshalb Stotz’ erster Auftritt vor eigenem Publikum einen besonderen Reiz verströmt. Zum Antrittsbesuch in Leonberg ein Heimerfolg, das wäre ein Zeichen. „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, stellt der neue Leonberger Coach allerdings klar.
Der Mann aus Lichtenstein-Unterhausen ist seit Jahrzehnten, erst als Rechtsaußen, dann als Trainer im Handball-Geschäft, er weiß, dass Qualität nicht im Schnellkochtopf entsteht, sondern in mühevoller Handarbeit zubereitet wird. Markus Stotz, der beim 31:31 des SV bei der SG Heidelsheim/Helmsheim seinen Einstand angemessen gemeistert hat, sieht die Stellschrauben längst, an denen er drehen muss. Auf der größten steht Abwehrverhalten. „Wir haben die meisten Gegentore in der Liga bekommen“, erläutert er, „wir müssen die Intensität in der Defensive erhöhen und die Absprachen verbessern.“
Nicht mehr in vorderster Front: Interimstrainer Rafet Oral (li.) hat sich wieder zurückgezogen, der Sportliche Leiter Werner Neuffer erklärte im November seinen vorzeitigen Rücktritt. Foto: Andreas Gorr
Mit der Sicherheit aus einer massiven Verteidigung soll die Schlagkraft im Angriff genährt werden – beides soll die Grundlage sein fürs moderne, schnelle Umschaltspiel, was die zweite Stellschraube darstellt. Markus Stotz ist überzeugt, dass seine Expertise fruchten wird, denn die Grundvoraussetzung für Erfolg sieht er bei seinem Team vorhanden. „Die Mannschaft ist intakt, jeder ist willig, hart zu arbeiten und zu lernen“, betont der Coach für das nächste halbe Jahr.
Für diese Zeit hat sich Markus Stotz auch abseits der Trainingsarbeit und Spielvorbereitung ein ambitioniertes Programm auferlegt, dreimal in der Woche fährt er 60 Kilometer hin und 60 zurück, um in Leonberg die Einheiten zu leiten; dazu kommt die Anreise zu den Spielen. „Man muss stehen hinter dem, was man tut und worin man einen Sinn sieht“, betont der Polizeibeamte mit Standort Reutlingen, „ich bin bereit dazu.“
Markus Stotz will Herausforderung bestehen
Das klingt nach einem Mann, der ganz bestimmte Vorstellungen besitzt, der sie durchzusetzen weiß und der dabei mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Realität steht – Unmögliches oder gar Wunder zu vollbringen, das steht nicht auf seiner To-do-Liste. Markus Stotz will seine selbst gewählte Herausforderung bestehen. Nicht mehr, aber ganz bestimmt auch nicht weniger.