Herr King, was für eine Schuhgröße haben Sie?
In Deutschland 44.
Glauben Sie, das ist groß genug, um in die Fußstapfen Ihres Vorgängers John Patrick zu schlüpfen?
(schmunzelt) Oh – ich habe es schon gesagt, John hat hier einen unglaublichen Job gemacht, besonders in den vergangenen drei, vier Jahren, als Ludwigsburg in Deutschland jeweils mit an der Spitze war. Aber ich bin hierhergekommen, um ich zu sein. Ich bin nicht John, ich bin Josh. Klar, John ist mein Mentor, ich habe mich an ihm orientiert. Ich versuche, den bestmöglichen Job zu machen. Für die Mannschaft und die Stadt hier.
Wie nervig ist es denn, zumindest jetzt noch ständig nach Ihrem Vorgänger gefragt zu werden?
Ich habe dafür Verständnis, das ist eine faire Frage, aber nochmals: Ich muss meine eigene Identität schaffen als Coach. Ich bin ein junger Trainer und habe hier die wunderbare Chance, das Team aufzubauen. Das ist, was ich will. Natürlich bin ich das Gesicht des Clubs, aber dabei bekomme ich Hilfe vom Umfeld und meinem Team – das ist keine Ein-Mann-Show.
John Patrick ist Ihr Mentor und Freund. Was wird denn von seiner Spielphilosophie erhalten bleiben, und was wird sich vielleicht ändern?
John hatte viele Jahre an Erfahrung, die habe ich nicht. Aber ich glaube, ich habe mehr Energie, weil ich jünger bin. Das Hauptaugenmerk wird weiter auf der Defensive liegen, darauf soll unser Spiel basieren. Wir wollen als Einheit auftreten und Druck auf den Gegner ausüben. Das ist nicht so einfach, weil die meisten Spieler die Offensive bevorzugen und Punkte erzielen möchten. Aber das Ziel muss ein, dass wir bei jedem Ballbesitz so agieren, als wäre es der letzte im Spiel. Aber wir haben viele neue Spieler, die auch noch zusammenfinden müssen.
Zumal Sie in der Vorbereitung auch schon diverse Wechsel vorgenommen haben. Warum ist es so schwierig, die idealen Spieler für ein Team zu finden?
Das ist nicht nur bei uns so. Das gilt für jeden Spielstil, für alle Vereine auf der Welt, und nicht nur für Basketball, auch für andere Sportarten wie Fußball, bei dem es auch viele Wechsel gibt. Jeder Club schaut nach bestimmten Spielertypen für sich. Aber wenn es nicht passt, ist es für beide Seiten besser, man trennt sich. Das ist ganz normal, das gilt für jeden Beruf. Aber natürlich ist der Unterhaltungswert nicht so hoch, wenn man fragt, wer verlässt das Kullman’s (Anm. d. Red.: Ein Burger-Restaurant bei der MHP-Arena, wo die Mannschaft auch mal zum Essen geht).
Was waren zuletzt die größten Probleme in der Vorbereitung?
Wir hatten eine solide Vorbereitung, aber das ist bis zum Saisonstart Vergangenheit. Natürlich ist in dieser Phase noch nicht alles perfekt, deshalb ist es auch immer ein Teil dieser Phase, dass noch Spieler ausgetauscht werden. Aber wir haben ja auch einige Spieler, die von Beginn der Vorbereitung dabei sind, genau wie alle deutschen Spieler.
John Patrick war bei den Riesen so etwas wie „das Mädchen für alles“. Ist das bei Ihnen auch so?
Natürlich bin ich hier der Chefcoach, der verschiedene Rollen hat. Als Erstes natürlich das Team zu trainieren. Und das kann man nicht, wenn man die Spieler nicht auch ausgesucht hat. Man steht schließlich in der Verantwortung. Unser Chef Alexander Reil gibt mir die Möglichkeit, die Spieler zu holen, die ich trainieren möchte. Es kann immer passieren, dass Spieler ausgetauscht werden, auch während der Saison, aus verschiedenen Gründen, zum Beispiel Verletzungen.
Sie haben David McCray als Co-Trainer geholt, was waren die Gründe?
Ich bin sehr glücklich darüber, für mich kam kein anderer infrage. Er ist ein wunderbarer Mensch, ein sehr junger Trainer, der in unserem Nachwuchsprogramm hervorragende Arbeit geleistet hat. Außerdem war er sein sehr guter Spieler, er kennt also unser Spielsystem und die Stadt. Zudem habe ich noch einen zweiten Assistenten David Pavlakovic, der aus der Slowakei kam – mit sehr guten Empfehlungen. So haben wir David und David.
Aber Sie haben keinen Big Man im Team. Warum?
Wir wollen klein und schnell spielen, schneller als die anderen Teams. Wir haben Eddy Edigin und Jonathan Bähre, mit 2,02 und 2,08 Meter. Ein klassischer Center würde uns dabei wahrscheinlich mehr bremsen und nicht zu unserem Stil passen. Das war schon unter John Patrick so, sieht man einmal von Joahnnes Wohlfarth-Bottermann ab. Und erinnern Sie sich, wer unter John bester Big Man war? Jon Brockman. Er war nicht groß (2,01 Meter, Anm. d. Red.). Er spielte wie ein Großer, aber auf seine physische Art.
Die MHP Riesen haben zuletzt, mit einer Ausnahme, immer die Play-offs erreicht. Die meisten Fans erwarten das wieder. Wie gehen Sie damit um?
Unser Ziel sind die Play-offs, auch wenn es nicht leicht wird. Aber unser wichtigstes Ziel ist es, am Ende der Saison unseren besten Basketball zu spielen. Das Ganze ist also ein Prozess.
Sie haben den damit verglichen, ein Haus zu bauen.
Ja, das Haus soll im Mai fertiggestellt sein, im Moment haben wir den Grundstock erstellt, es liegt also noch ein Stück Weg vor uns.
Was wird denn schwieriger bis Mai: die Play-offs zu erreichen oder Deutsch zu lernen, zumindest für den Alltag?
(lacht) Mein Ziel ist es, in Sachen Sprache jeden Tag einen Schritt voran zu machen, aber wahrscheinlich sollte ich auch mal einen Kurs belegen, dazu war bisher leider keine Zeit. Und es ist auch nicht mein oberstes Ziel. Im Englischen haben wir das Wort „the“ – das macht vieles leichter. Aber ich kann schon „einen Cappuccino zum Mitnehmen“ oder „einen Tisch für fünf Personen“ bestellen.
Warum starteten Sie eigentlich gleich nach dem College als Trainer und machten nicht als Spieler weiter?
Das ist eine gute Frage. Damals, 2008, als ich das College abgeschlossen hatte, wusste ich nichts über den europäischen Basketball. Und sagte mir: Wenn ich nicht NBA spielen kann, wo soll ich hin? Würde ich mit dem Wissen von heute nochmals vor der Entscheidung stehen, würde ich es wahrscheinlich in Europa versuchen – auch wenn ich nicht weiß, ob es für die BBL gereicht hätte. Ich war ein guter Schütze, aber kein guter Verteidiger. Aber jetzt bin ich in der Rolle des Trainers sehr zufrieden – und hoffe, dass es noch lange so bleibt.
Faible für Städtereisen
Sport
Josh King beendete frühzeitig seine Spielerkarriere am College und richtete den Fokus auf die Trainer-Schiene. 2018 kam er als Assistent von John Patrick zu den MHP Riesen, bei denen er drei Jahre blieb. Zuletzt war er eine Saison Chefcoach bei USK Prag.
Privat
In der knappen Freizeit verfolgt der 37-jährige Single das Weltgeschehen, die US-Politik oder erkundet Europas Städte, wie Amsterdam oder Istanbul.