Neuer Trainer in Hoffenheim Zu viele Spiele und den Machtkampf verloren

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Wechsel, der vierte: Nach dem Rauswurf von Trainer Marco Kurz und Manager Andreas Müller sollen Markus Gisdol und Alexander Rosen den Chaosclub nun aus der Misere führen.

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Hoffenheim - Peter Hofmann gilt in Hoffenheim nicht als Entscheider. Die Stunde des Präsidenten der ortsansässigen TSG 1899 schlägt, wenn es Heikles zu verkünden gibt, das die Männer im Hintergrund mit Entscheidungsgewalt, aber ohne Amt, selbst nicht verkünden können. Der Mäzen Dietmar Hopp etwa, der fast alles bestimmt, offiziell jedoch als Gesellschafter fungiert oder einflussreiche Figuren aus dessen Beraterumfeld.

Deshalb saß Hofmann gestern wieder in Sprachrohrfunktion auf dem Podium im Trainingszentrum in Zuzenhausen. Was es zu verkünden gab, war für manchen ein „Hammer“, für andere sieben Spieltage vor dem Saisonende ein weiteres Kapitel aus dem chaotischen Innenleben eines Fußball-Bundesligisten, der immer mehr Linie und Substanz verloren hat und vor dem Abstieg in die zweite Liga steht.

Gestern Vormittag entließ Hoffenheim nicht nur seinen Trainer Marco Kurz nach kurzen drei Monaten, sondern dazu den Manager Andreas Müller, der seit September 2012 im Amt war. Nachfolger wird der ehemalige TSG-Nachwuchstrainer Markus Gisdol (43), dessen Vertrag für die zweite Liga gilt. Gisdol ist nach Markus Babbel, Frank Kramer und Kurz der vierte Chefcoach innerhalb einer Saison.

Kein Kommentar von Müller auf die Trennung

Eine Strategie sieht anders aus. Gisdol soll Hoffenheim zu seiner ursprünglichen Ausrichtung zurückführen, die einst die Arbeit mit jungen Talenten vorsah. Wie Gisdol erhielt Alexander Rosen, bisher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums und früher bei den Stuttgarter Kickers aktiv und künftig Bindeglied zum Profibereich mit Managementaufgaben, einen Vertrag bis 2016. „Wir wollen Talente integrieren, unseren Fans wieder attraktiven Fußball bieten, neue Zuschauer gewinnen und auf dem bewährten Weg wieder nach vorne kommen“, ließ Hopp dazu übermitteln.

Müller, der Kurz im vergangenen Dezember als Trainer durchsetzte und sich gegen den als Kandidaten gehandelten Gisdol (zuvor Co-Trainer bei Schalke 04) aussprach, hatte mit dem Schritt seine Zukunft eng mit Kurz verknüpft. Von ihrem Rauswurf waren beide völlig überrascht. „Ich kann die Trennung bestätigen, mehr möchte ich nicht sagen“, sagte Müller auf Anfrage. Kurz teilte per SMS mit, es gäbe von seiner Seite „nichts zu kommentieren“.

Hofmann hatte am späten Montagabend Müller und Kurz für den nächsten Morgen einbestellt. Spätestens da wussten beide, was folgen würde. Sie hatten den Machtkampf verloren. Gleichzeitig fällt es schwer, das Argument zu widerlegen, sportliche Gründe spielten bei der Entlassung gar keine Rolle. Unter Kurz rutschte Hoffenheim auf einen Abstiegsplatz, in zehn Spielen holte er nur acht Punkte mit dem Team von 1899. Und während Kurz/Müller kundtaten, sie stünden für einen Neuaufbau in der zweiten Liga zur Verfügung, wurde ihnen das Theater um den Torwart Tim Wiese mit zum Verhängnis.

Müller und Kurz lieferten zu wenig Zukunftsperspektive

Wenig hatte auf die plötzliche Trennung von Trainer und Manager hingewiesen, abgesehen von leichten, aber konstanten Ausschlägen, die der Vereinsseismograf lieferte. Ein letzter Ausschlag war am Ostersonntag die Meldung, der seit der Winterpause aus dem Kader gestrichene und vom Teamtraining freigestellte Wiese würde in das Mannschaftstraining zurückkehren. Einst von Babbel verpflichtet und zum Kapitän gemacht, sollte Wiese der TSG zum Sprung in einen europäischen Wettbewerb verhelfen. Stattdessen folgten zahlreiche Pannen. Im Winter soll es Pläne gegeben haben, den 31-jährigen Ex-Nationaltorwart loszuwerden, was die Kurz/Müller-Gegenfraktion verhinderte.

Allerdings gaben weder das entlassene Duo noch der Club im Torwart-Kasperletheater ein gutes Bild ab. Zuerst landete der Ex-Bremer wegen des „unmenschlichen Drucks“ auf der Tribüne, dann waren es sportliche Gründe und schließlich Eskapaden, die sich der Keeper abseits des Trainingsplatzes leistete.

Jetzt mussten Müller und Kurz gehen, weil sie zu wenig Zukunftsperspektive lieferten, was im Durcheinander um Abstiegsangst und gescheiterten Erwartungen im Kraichgau schwierig war und, weil sie gegen inzwischen erdbebensichere Strukturen innerhalb eines Clubs aufbegehrten, der einen Präsidenten vorschickt, Dinge zu verkünden, die andere entscheiden.




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