Neuer Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus muss sich eine Hausmacht schaffen

Von  

Ralph Brinkhaus hat bei Bosch in Stuttgart gelernt. In der Politik hat er noch keine Hausmacht.

Nach dem Willen von Ralph Brinkhaus soll die Unionsfraktion selbstbewusster auftreten. Foto: dpa
Nach dem Willen von Ralph Brinkhaus soll die Unionsfraktion selbstbewusster auftreten. Foto: dpa

Berlin - Die Arbeit beginnt sofort. Am Mittwoch hat sich der neue Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus den Mitarbeitern vorgestellt. Zu seinen politischen Schwerpunkte sagte er nichts. Er muss sich erst in Themen einarbeiten.

Für Brinkhaus ist es eine Blitzkarriere: Er gehört dem Bundestag erst seit 2009 an – jetzt steht er an der Spitze der Fraktion. Das ist ein ungewöhnlich schneller Aufstieg. Geholfen haben dem Westfalen, der beim Autozulieferer Bosch in Stuttgart einst eine kaufmännische Ausbildung absolviert hat, sein Ruf als exzellenter Finanz- und Haushaltspolitiker.

Brinkhaus ist von Beruf Steuerberater in Gütersloh und ist es gewohnt, sich tief in Themen einzuarbeiten. Hinzu kommt eine seltene Eigenschaft: Er kann darüber auch anschaulich sprechen. Ein gesundes Selbstbewusstsein half schließlich auch. Der 50-Jährige hat aber als Fraktionsvize auch gezeigt, dass er im Team arbeiten kann. Auch wenn er mit manchen Entscheidungen in der Euro- und Flüchtlingspolitik nicht einverstanden war, hat er sie loyal mitgetragen. Manchmal auch mit der Faust in der Tasche. Brinkhaus weiß, dass es in der Politik auf die Gesamtleistung ankommt. Er hat noch keine Hausmacht. Schon deshalb wird er die enge Zusammenarbeit mit Kanzlerin Angela Merkel suchen.

Dass er Teamarbeit kann, hat er gezeigt

Auch wenn er sich mit programmatischen Aussagen noch zurückhält. Klar ist, dass die Fraktion mehr eigenständige Akzente entwickeln soll. Wie das gehen soll, hat er in der Europolitik im Frühjahr vorgemacht. Zur Reform der Eurozone legte er rote Linien für die Kanzlerin fest.

Wenig beleuchtet ist bisher, wer die Truppen sind, die für Brinkhaus‘ Aufstieg maßgeblich sind. Still und leise hat sich der Fan des 1. FC Köln seine Unterstützung gesichert. Auf Zuspruch stieß er bei den jungen Abgeordneten, in den ostdeutschen Landesverbänden und der CSU. Wichtig war auch, dass er in den Vorstand des Parlamentskreises Mittelstands (PKM) aufrückte, in dem die Wirtschaftspolitiker der Union versammelt sind. Dort sitzen beispielsweise Gesundheitsminister Jens Spahn und der Wirtschaftspolitiker Carsten Linnemann, die zu den Merkel-Kritikern zählen. Einiges deutet darauf, dass dieser Kreis Brinkhaus‘ Emporkommen aktiv betrieben hat. Der Wirtschaftsflügel vermisst seit Langem ein Profil in der Finanz- und Wirtschaftspolitik. Dafür soll der neue Chef sorgen.