ExklusivNeueröffnung an der Theodor-Heuss-Straße Künftig Döner in der alten CDU-Zentrale

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An der Theodor-Heuss-Straße eröffnet am Donnerstag das Lokal Galip an der Stelle, an der einst der Stuttgarter Kreisverband der CDU residierte. Mit der Eröffnung des Schnellrestaurants verändert sich das Gesicht der Straße weiter.

An der Theodor-Heuss-Straße eröffnet ein neuer Döner-Imbiss. Foto: dpa
An der Theodor-Heuss-Straße eröffnet ein neuer Döner-Imbiss. Foto: dpa

Stuttgart - In den vergangenen Wochen wurde viel darüber diskutiert, ob der Islam zu Deutschland gehört. In dieser Sache hat Ali Öztürk eine klare Meinung, dazu aber später mehr. In seinem Fall ist es nämlich wichtiger, eine schmackhafte Frage zuerst zu klären: Gehört der Döner zu Deutschland? „Natürlich gehört der zu Deutschland!“, sagt Ali Öztürk. „Er ist Teil einer Esskultur, die nicht nur von den über drei Millionen türkischstämmigen Menschen hierzulande geschätzt wird.“

Ali Öztürk muss es wissen, schließlich eröffnet er an diesem Donnerstag an lokalpolitisch geschichtsträchtiger Stelle gemeinsam mit einem Geschäftspartner das Schnellrestaurant Galip. An der Theodor-Heuss-Straße 34 residierte bis vor wenigen Jahren der Kreisverband Stuttgart der CDU. Anschließend versuchte sich an der Stelle erfolglos ein Burger-Anbieter. Nun wird an der Theo 34 also Döner statt deutsche Leitkultur serviert, wobei der angeblich in Kreuzberg erfundene, türkischstämmige Fleischspieß für viele längst genauso zur deutschen Leit-Esskultur gehört wie Currywurst und Co.

Das Gesicht der Theodor-Heuss-Straße verändert sich weiter

Einer Statistik der Seite mit dem bezeichnenden Namen www.meinbauch.net zufolge werden in Deutschland pro Jahr 220 Millionen Döner vertilgt. Schätzungen zufolge soll es hierzulande 16 000 Dönerlokale geben. Wie unterscheidet sich Ali ­Öztürks Neueröffnung von den zahlreichen Konkurrenten in Stuttgart? „Ich bin eigentlich Gebäudereinigungsmeister, unser Restaurant wird also vor allem supersauber sein.“ Dazu wolle man im Galip ganz andere Geschmacksrichtungen anbieten, das Dönerfleisch sei selbstverständlich selbst gemacht, und künftig wolle man außerdem Grillspezialitäten im Angebot haben.

Mit der Eröffnung des Galips verändert sich das Gesicht der Theodor-Heuss-Straße weiter. Früher war die Straße als Ausgehmeile über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. In der jüngeren Vergangenheit siedelten sich an der Stadtautobahn Burger King und die Polizei an, mit dem Club Tonstudio und der Bar Muttermilch werden in Kürze zwei Ausgehadressen mit langer Historie schließen.

Weg von der Stadtentwicklung, hin zur eingangs angerissenen großen Politik: Wie antwortet der Unternehmer Ali Öztürk auf den bayerischen Hardliner und Innenminister Horst Seehofer, der sich ganz sicher ist, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört? „Meiner Meinung nach ist Religion Privatsache und sollte in den eigenen vier Wänden praktiziert werden“, sagt Öztürk. „In der Öffentlichkeit gehört er aber tatsächlich nicht zu Deutschland.“ Die Kultur, die Menschen mit türkischem Migrationshintergrund aus ihrer Heimat mitbringen, könne Deutschland bereichern, findet Öztürk, man müsse sich aber auf jeden Fall hier integrieren, wenn man zum Beispiel die Vorteile einer besseren Infrastruktur genießen möchte. So viel inhaltliche Kontinuität zwischen CDU und Döner hätte man gar nicht erwartet.

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