Von der Terasse haben die Gäste – wenn es wärmer ist – eine schöne Aussicht auf das Grün. Foto: Simon Granville
Die Restaurantküche des Golfclubs Schönbuch bleibt derzeit kalt. Die bisherigen Pächter haben den Betrieb aufgegeben. Zu den Gründen gibt es unterschiedliche Ansichten.
Eddie Langner
12.12.2024 - 06:52 Uhr
Die Fenster des Restaurants am Golfclub sind verhüllt, nur wenige Stellen erlauben einen Blick darauf, was sich derzeit im Inneren tut: nämlich gar nichts. Keine Gäste, kein Servicepersonal, kein Küchenteam sind hier zu sehen. Stattdessen stapeln sich Serviertabletts, Teller, Schüsseln, Besteckkästen, Warmhaltebehälter und andere Küchen- und Restaurantutensilien. „Restaurant geschlossen“ steht auf einem Hinweiszettel an der Glasscheibe.
Im vergangenen Monat war demnach nur noch eine Grundversorgung mit Kaffee, Wasser und Softdrinks im Stüble des Restaurants geboten und seit Anfang Dezember sei die gesamte Gastronomie „aufgrund notwendiger Instandhaltungs- sowie Reparaturarbeiten bis Ende Februar 2025 geschlossen“.
Pächter gibt Vaterschaft des Küchenchefs als Hauptgrund an
Was nicht auf dem Zettel steht: Nach nur rund anderthalb Jahren endet damit das Engagement von Bernd Gürtler und Benjamin Stretz als Betreiber des Club-Restaurants. Gürtler hatte zuvor 18 Jahre lang das Böblinger Zwinger-Restaurant betrieben. Erst am 6. März 2023 hatten er und Stretz die Gastronomie auf dem Schaichhof übernommen.
Als Hauptgrund für die Betriebsaufgabe gibt Gürtler an, dass sein Küchenchef Vater geworden sei. Diesen Ausfall habe man nicht kompensieren können. „Ein weiterer Baustein ist, dass dies ein Saisonbetrieb ist“, erklärt Gürtler. Das heißt, in den Frühjahr- und Sommermonaten herrscht Hochbetrieb – das Restaurant hat an sieben Tagen in der Woche geöffnet, es gibt also keinen Ruhetag. Zum regulären Betrieb der für Mitglieder und Nicht-Mitglieder offenen Gastronomie kommt die aufwendige Halfway-Verpflegung auf dem Golfplatz bei einer Vielzahl von Turnieren für sämtliche Alters- und Leistungsklassen. Entsprechend hoch ist in dieser Zeit der Personalbedarf.
Im Winter sieht die Situation ganz anders aus, weil dann jahreszeitenbedingt deutlich weniger los ist. Auf diese Ausschläge bei der Personalplanung zu reagieren, ist eine Herausforderung – zumal es laut Gürtler im Jahr eins nach der Coronapandemie schwierig gewesen sei, überhaupt Fachkräfte zu bekommen. Mehrwertsteuer, steigende Personalkosten und ein Übermaß an Bürokratie nennt der 60-Jährige als weitere Gründe für seine Entscheidung.
Möglicherweise stecken aber auch noch andere Gründe hinter der Schließung. Unter Golfclub-Mitgliedern kursieren dazu unterschiedliche Meinungen und Spekulationen. So ist von „Insolvenz“ und „Differenzen“ mit der Club-Geschäftsführung die Rede. Mit der Formulierung, man habe sich mit Gürtler und Stretz darauf verständigt, „getrennte Wege“ zu gehen, lassen Club-Präsident Johannes Hauser und Geschäftsführer Marcel Gallmayer in einer bereits Ende August verschickten Mitgliederinformation jedenfalls einen gewissen Interpretationsspielraum.
Foto: Simon Granville
Andere Clubmitglieder bemängeln die Qualität des Essens, hohe Preise sowie den langsamen und wenig aufmerksamen Service. „Man ist eben verwöhnt vom Vorgänger“, verweist ein Golfer auf die Pächterfamilie Mayer. Diese hatte das Restaurant ab 2015 geführt und bereits einschlägige Erfahrung mitgebracht, weil sie zuvor 15 Jahre lang die Golfer in Bad Liebenzell versorgt hatte. „Ich glaube, er hat sich hier einfach übernommen“, meint ein anderes Mitglied. Ein Restaurant in einem Golfclub sei eben nicht mit dem Böblinger Zwinger vergleichbar.
Dies ist aber nur eine Seite der Medaille. Die Google-Rezensionen für das Restaurant sind überwiegend sehr positiv. „Essen top, eine freundliche Bedienung, die den Überblick hatte“, steht etwa bei einer der zahlreichen Fünf-Sterne-Bewertungen. Allerdings finden sich auch hier krasse Ausreißer, die sich über „Metro-Fertig-Fraß“ oder den „sehr schlechten Service“ beschweren.
Spielt vielleicht auch der Anspruch der Kundschaft eine Rolle? „Bin gespannt, wie lange es diesmal dauert, bis die Golfenden an der Küche rumnörgeln“, lautete jedenfalls im März 2023 ein Facebook-Kommentar unter einem Artikel zur Neueröffnung.
Gürtler selbst verliert kein schlechtes Wort über Geschäftsleitung oder Kundschaft. Die Zusammenarbeit mit dem Club sei „hervorragend“ gewesen, betont er. „Und bei alleine 120 Sitzplätzen auf der Terrasse kann es natürlich schon mal vorkommen, dass ein Gast nicht die gewünschte Aufmerksamkeit erhält, wenn er neu dazu kommt“, räumt der Schönaicher ein.
Gürtler räumt mit Gerüchten auf
Im Gespräch nutzt er die Gelegenheit, mit einigen Gerüchten aufzuräumen. Dass er Insolvenz angemeldet habe, bedeute nicht, das er zahlungsunfähig sei. „Das war eine strategische Insolvenz“, verweist er auf steuer- und betriebswirtschaftliche Gründe, die für dieses Verfahren gesprochen hätten. Ebenfalls ins Reich der Gerüchte verbannt er die zuletzt in Böblingen verbreitete Geschichte, er wolle Heilings Restaurant im Paladion der Sportvereinigung Böblingen übernehmen. „Da wäre ich ja vom Regen in die Traufe gekommen“, winkt er ab.
Wie es für Bernd Gürtler weitergeht, weiß er noch nicht. „Wir hatten verschiedene Objekte angeschaut, aber wir sind noch am Suchen“, berichtet er. Auch die Frage, ob er einen neuen Koch einstellen wird, sei noch offen. „Das hängt von der Größe des Betriebs ab“, erklärt er, dass er auch selbst die Küche übernehmen könnte. Auch die Option, künftig als Angestellter in einem Gastrobetrieb zu arbeiten, sei für ihn durchaus reizvoll.
Und das Club-Restaurant auf dem Schaichhof? Hier ist offenbar schon einiges in Bewegung. „Wir werden relativ zeitnah einen neuen Pächter unserer Gastronomie präsentieren“, teilt Geschäftsführer Marcel Gallmayer mit und kündigt eine Neueröffnung im Frühjahr 2025 an.
Golfclubs in der Region
Sport im Grünen Im Kreis Böblingen gibt es den Golfclub Domäne Niederreutin in der Gäugemeinde Bondorf sowie den Golfclub Schönbuch auf dem Schaichhof zwischen Holzgerlingen und Weil im Schönbuch. Der mehrfach in Gold ausgezeichnete Clubplatz rangiert laut der Webseite leadingcourses.com auf Platz zwei der besten Golfplätze in der Region Stuttgart – besonderes gelobt wird dort das „großartige Restaurant“ – unklar ist, welche Pächter gemeint sind.
Gebühren Laut Beitragsordnung des Golfclubs Schönbuch von Januar 2024 zahlen ordentliche Mitglieder (Einzelpersonen) eine Aufnahmegebühr von 2500 Euro und einen Jahresbeitrag von 1800 Euro. Ehepaare und Lebensgemeinschaften bezahlen einmalig 4800 Euro und jährlich 3500 Euro.