Neueröffnung in Kornwestheim Vom Flüchtling zum Restaurantbesitzer: Okala erfüllt sich seinen Traum

Hiacinthe Ambassa Okala in seinem ersten eigenen Restaurant „Chez Cuisto“. Damit erfüllt er sich einen lang gehegten Traum. Foto: Simon Granville

Ein ehemaliger Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft eröffnet in Kornwestheim sein eigenes Restaurant. Dabei hatte er eigentlich nie vor, Koch zu werden.

Volontäre: Julian Meier (mej)

Von außen deutet derzeit noch wenig darauf hin, dass in der Stammheimer Straße in Kornwestheim gerade etwas Besonderes am Entstehen ist. Über der Eingangstür ist bereits ein Schild mit der Aufschrift „Restaurant Chez Cuisto“ angebracht, dazu hängt ein unscheinbarer Zettel im Kasten neben der Tür. Auf der Fassade ist aber immer noch der Schriftzug des Vorgänger-Restaurants angebracht, das mittlerweile seit über einem Jahr geschlossen ist.

 

In den Räumen des ehemaligen „Restaurant zur Sonne“ erfüllt sich Hiacinthe Ambassa Okala seinen ganz persönlichen Traum. Ein Traum, den er auf Umwegen erreicht hat. Dass er eines Tages sein eigenes Restaurant haben würde, dass er Koch werden würde, dass er überhaupt in Deutschland landen würde – das war alles nicht geplant. Doch der 35-Jährige hat seine Bestimmung gefunden – auch, weil er sich aktiv integrieren wollte.

Zweijährige Reise bis zur Ankunft in Deutschland

Okala kam in Kameruns Hauptstadt Yaoundé zur Welt und wuchs dort auf. Er ging auf eine weiterführende Schule – die er allerdings nicht fertigmachen konnte. Wegen einer Infektion am Bein lag er lange im Krankenhaus. Seine Eltern konnten ihn nicht einfach wieder auf die Schule schicken. „In Kamerun war es schwierig, ein Leben aufzubauen“, sagt Okala.

Also entschied er sich, sein Heimatland zu verlassen. Nach einer gut zweijährigen Odyssee landete er 2014 auf Umwegen in Deutschland, genauer gesagt in Asperg. Die Bundesrepublik rückte erst im Laufe der Reise in seinen Fokus. Denn dort sah er eine Perspektive auf Arbeit. Und Okala ist jemand, der gerne arbeitet. Seit seiner Ankunft habe er fast Tag und Nacht gearbeitet – ohne jemals einen Cent an Sozialhilfe vom Staat bekommen zu haben.

Eigentlich wollte Okala Architekt werden

Um bleiben zu können, brauchte er eine Ausbildung, denn Asyl als politisch Verfolgter oder Bürgerkriegsflüchtling bekam er als Kameruner nicht. Aber selbst das wäre schwierig geworden, denn als Geflüchteter eine Stelle zu bekommen – noch dazu ohne Sprachkenntnisse – ist nicht einfach. Doch Okala hatte eine deutsche Familie, die ihn unterstützte. Sie half ihm auch, in Zuffenhausen einen Ausbildungsplatz als Koch zu bekommen.

Außen informiert nur ein unscheinbarer Zettel darüber, dass hier demnächst ein neues Restaurant eröffnet. Foto: Simon Granville

Koch zu werden war nie sein Lebensziel; in Kamerun wollte Okala eigentlich Architektur studieren. Die Ausbildung war eher aus der Not heraus geboren. Trotzdem hatte er schon früh erste Berührungspunkte zur Küche, denn seine Tante besaß in Kamerun ein Restaurant, wo er nach der Schule regelmäßig mithalf.

Einige Menschen wollten anfangs nichts von ihm essen

Also stürzte sich Okala voller Eifer in die neue Aufgabe. Die Kommunikation gestaltete sich schwierig, doch sein Chef war geduldig. Und das zahlte sich aus: Schon bald musste er bei Okalas Gerichten nicht mehr nachschmecken, weil er wusste, dass auf Okala Verlass ist. Und Okala selbst merkte: „Ich mache das gerne, mit Leidenschaft.“

Okala bekam das Gefühl, dass er die Menschen mit seinen Kochkünsten überzeugen konnte. Auch diejenigen, die wegen seiner Herkunft eigentlich nichts von ihm probieren wollten. Doch sobald sie ihn persönlich kennengelernt und seine Gerichte probiert hatten, verschwand dieses Misstrauen schnell. Das führte dazu, dass er nach der Ausbildung direkt eine Festanstellung erhielt.

Traum von einem eigenen Restaurant mit Fusions-Küche

„Es war nicht einfach für mich, hier ein neues Leben zu starten, wo man die Sprache nicht kennt. Trotzdem hatte ich keine Angst“, sagt Okala in fast einwandfreiem Deutsch. Er hat nie einen Sprachkurs gemacht. All seine Sprachkenntnisse hat er allein durch die Ausbildung bekommen.

2023 gründete er dann ein Eventcatering, mit dem er von Festivals bis Privatfeiern alles belieferte. Doch schon während der Ausbildung wuchs der Wunsch in ihm, sich selbstständig zu machen. Ihm schwebte dabei ein Restaurant vor, dass eine Fusion von deutscher und afrikanischer Küche anbietet. Genau das ist nun das Konzept des Restaurants Chez Cuisto.

Von kamerunischem Hähnchen-Eintopf bis Zwiebelrostbraten

Die Gerichte stehen schon, es existiert auch bereits eine Speisekarte, doch die muss noch final überarbeitet werden. Was schon jetzt klar ist: Es wird für alle Geschmäcker etwas geben. Zum Beispiel Poulet DG, ein kamerunischer Eintopf mit Hähnchenfleisch und Gemüse, das früher als Luxusgericht galt. Und Zwiebelrostbraten – nicht mit Bratkartoffeln, sondern mit Käsespätzle. Was ihm bei der Auswahl der Speisen wichtig ist: „Egal wer reinkommt, jeder soll sagen können: Ich fühle mich wohl.“

Die Deko ist relativ neutral gehalten, alles in einem hellen Braunton. „Wir wollten es schlicht und modern. Afrika ist zwar bunt, aber es kann auch modern sein und sich an europäische Standards anpassen“, sagt Marceline, Okalas Frau, die ihren Mann nach Kräften unterstützt. „Wir wollen, dass man sich als Afrikaner wiederfindet, aber auch als Europäer. Wir bringen unsere Kultur mit, aber wir integrieren uns auch.“

Ein genaues Datum für die Eröffnung steht noch nicht fest, Okala peilt Ende Oktober, Anfang November an. Das Eventcatering will er nebenher weiter laufen lassen, um eine zusätzliche Stütze zu haben. Wobei er keine Angst hat, dass es schiefgehen könnte: „Durch das Catering habe ich mir schon einen Namen erarbeitet. Deswegen denke ich, dass es gut laufen wird.“ Auch, weil das Konzept einer gemischten europäisch-afrikanischen Küche so im Raum Stuttgart noch nicht existiert. Und auch wegen des hohen Anspruchs, den er an sich selbst stellt: „Meine Gäste müssen reinkommen und begeistert sein.“

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