Patricia Engelhard hat vor vier Wochen das Café Papperlapapp in Remseck-Aldingen eröffnet. Bei einem Besuch erzählt sie von ihren Plänen und ihrer außergewöhnlichen Liebesgeschichte.
Links vom Eingang hängt eine großflächige Tapete, die Patricia Engelhard an den Blick auf den Pazifik aus ihrem Haus in Chile erinnert. In kleinen Gläsern auf den Tischen liegen Muscheln, über einem Spiegel hängt ein Hut – eine Hommage an ihren Vater, der Hutfabrikant war.
Patricia Engelhard hat versucht, ihre Heimat nach Remseck-Aldingen zu holen: mit der Einrichtung, mit ihrer Lebenseinstellung, mit den Gerichten auf der Karte. Vor einem Monat hat sie das Café Papperlapp in Aldingen eröffnet. In einem Stadtteil mit 8400 Einwohnern ein riskanter Versuch – oder?
Schon ihre Großmutter hat ein Restaurant betrieben
1997 haben sie und ihr Mann die Räumlichkeiten in der Cannstatter Straße gekauft. Drei Jahre hat sie darin eine Vitaminbar betrieben, in der sie frisch gepresste Säfte, Sandwiches und Fitnesskleidung verkauft hat, bevor ihr Mann die Fläche als Büro genutzt hat. Später hat Patricia Engelhard 12 Jahre das Valparaiso del Mar in Ludwigsburg geführt. Damals seien viele Kunden aus den umliegenden Gemeinden zu ihr gekommen und hätten gefragt, warum es in den Dörfern an gastronomischem Angebot fehlt. „Klar gibt es Leute, die sagen, ich muss verrückt sein, hier zu eröffnen – aber die Aldinger verdienen etwas vor Ort“, sagt Engelhard. Statt abends in die Stadt zu fahren, könne man nun bei ihr etwas trinken.
Patricia Engelhard stand schon als Kind in der Küche und hat auf einem kleinen Hocker stehend die Marmelade umgerührt. Ihre Großmutter hat ein Restaurant geführt, in dem ihre Mutter als Bedienung gearbeitet und dort ihren Vater kennengelernt hat. In ihrer Familie hat man nie nach Rezept gekocht und so handhabt sie es noch heute. Die chilenischen Tapas – unter anderem frittierte Paprika, Thunfischpaste, Oliven, Chorizo, Garnelen – bereitet sie vor der Öffnung vor. Dazu gibt es jeden Tag ein wechselndes, zum Wetter passendes Hauptgericht.
Die ersten drei Tage hatte sie schon ab 11 Uhr geöffnet, „aber die Leute kamen um 18 Uhr, wollten Bruschetta und Wein“, erzählt die 64-Jährige. Mittags arbeitet sie in dem Musikverlag und der Konzertagentur ihres Mannes, bevor sie mittwochs bis samstags von 18 bis 22 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr das Papperlapapp öffnet.
Doch warum der Name Café Papperlapapp – ist der nicht etwas irreführend? „Ich wollte nicht, dass die Leute denken, ich mache chilenische Küche“, erklärt Engelhard. „Ich koch’ nur nach chilenischer Art.“ Im September möchte sie, wenn es gut läuft, eine Aushilfe einstellen – bisher ist es ihr in ihrem Ein-Frau-Betrieb nicht möglich, aufwendiger zu kochen. „Dann kann ich auch chilenische Empanadas anbieten“, sagt sie.
Wenn Patricia Engelhard von ihrer Heimat und der leichten Lebensart spricht, wird sie wehmütig. Vor 40 Jahren hat sie sich in einen Deutschen verliebt und ist ihm in seine Heimat gefolgt. Die Geschichte über ihre ersten Berührungspunkte mit Deutschland dürfte die Tüftler im Land freuen: Mit 12 Jahren habe sie einen Kugelschreiber von ihrer Lehrerin geschenkt bekommen. „Made in Germany stand drauf und während die Stifte von meinen Mitschülern kaputt gingen, hielt meiner ewig“, erzählt sie. Da habe sie sich gedacht: Die Deutschen stellen Dinge her, die lange halten. „Vermutlich sind sie in der Liebe auch so“, erzählt sie lachend. Mit ihrem Mann hat sich das bewahrheitet.
„Ich möchte Gästen etwas von meiner Lebensart mitgeben“
Heute kann sie sich auch wegen ihres Sohnes nicht vorstellen nach Chile zurückzugehen. Also versucht sie, sich ihre Heimat nach Remseck zu holen – „und den Gästen etwas von meiner Lebensart mitzugeben“. Auf ihrer Karte heißt es deshalb: „Genießen Sie jeden Tag, lächeln Sie und vergessen Sie nicht, dass das Leben wie im Flug vergeht“. Und wenn das Café nicht läuft? „Dann habe ich es wenigstens versucht.“