Neuerungen zum Schulbeginn Informatikkurse an den Gymnasien

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Am Montag beginnt wieder der Unterricht. Das neue Schuljahr bringt Grund- und Realschulen mehr Schulstunden, aber vor allem an den Grundschulen sind die Lehrer knapp. Die Kultusministerin warnt aber vor Panikmache.

An den Grundschulen in Baden-Württemberg sind die Lehrer knapp. Foto: dpa
An den Grundschulen in Baden-Württemberg sind die Lehrer knapp. Foto: dpa

Stuttgart - Die Schulen in Baden-Württemberg nähern sich im kommenden Schuljahr dem digitalen Zeitalter an. An den Gymnasien wird für alle Siebtklässler ein Aufbaukurs Informatik angeboten. Ein Jahr später sollen Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen folgen. Für den Aufbaukurs werden an allen Schularten insgesamt voraussichtlich 162 zusätzliche Lehrerstellen benötigt. Das geht aus einer Antwort von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Alexander Salomon hervor, die dieser Zeitung vorliegt.

Studienplätze für Informatiklehrer gibt es demnach genügend. Die Kapazitäten sind Eisenmann zufolge nicht ausgeschöpft. Derzeit würden Lehrer fortgebildet, die im kommenden Schuljahr den Aufbaukurs Informatik an Gymnasien unterrichteten.

Salomon erwartet, dass die Nachfrage nach Studienplätzen deutlich steigen werde, wenn der Informatikunterricht in allen Schularten verankert sei. Darauf müsse die Lehrerausbildung heute schon reagieren.

E-Mailadresse für Lehrer

Für die Lehrer steht in diesem Schuljahr ein Quantensprung bevor. Sie bekommen erstmals alle eine dienstliche E-Mailadresse. Zudem geht das Kultusministerium bis zum Ende des Jahres mit einer digitalen Bildungsplattform an den Start. Darüber sollen Lehrer und Schüler Zugriff auf Basisdienste zur Kommunikation und Kooperation bekommen. Die Plattform ist noch in der Pilotphase, für den Aufbau stehen 8,7 Millionen Euro zur Verfügung.

Eltern müssen von nun an beim Wechsel ihrer Kinder von der Grundschule auf eine weiterführende Schule die Grundschulempfehlung vorlegen. Das soll den weiterführenden Schulen „eine passgenaue und bruchlose Förderung von Anfang an ermöglichen“, erklärt Kultusministerin Eisenmann dazu.

Zusätzliche Zeit für Deutsch und Rechnen

Grundschulen bekommen eine weitere Unterrichtsstunde. Sie kann in der dritten Klasse wahlweise im Fach Deutsch oder in Mathematik eingesetzt werden. Im Schuljahr 2018/19 soll eine weitere Extrastunde für die vierten Klassen hinzukommen. Bereits im vergangenen Jahr erhielten die Grundschulen zwei zusätzliche Stunden für Deutsch und Mathematik. Die zusätzlichen Stunden nannte Eisenmann einen „wichtigen Schritt, damit ein solides Fundament gelegt werden kann“.

Die Realschulen können von diesem Schuljahr an leistungsbezogene Klassen, Züge oder Gruppen bilden um ihre Schüler zum Haupt- oder zum Realschulabschluss zu führen. Sie bekommen fünf weitere so genannte Poolstunden für jeden Zug. Damit verfügen sie über 13 Stunden, mit denen sie „pädagogisch flexibel auf die zunehmend heterogene Schülerschaft reagieren können“, sagte Eisenmann.

Mehr Ganztagsschulen

Vom kommenden Montag an wird es in Baden-Württemberg 440 Grundschulen geben, die nach dem gesetzlich verankerten Ganztagskonzept arbeiten. 57 von ihnen starten jetzt neu. Zur Inklusion will Eisenmann im Herbst dem Landtag einen Bericht vorlegen und eventuelle Nachsteuerungen vorschlagen.

Alle Neuerungen sind aber überschattet vom Mangel an Lehrkräften. die Versorgung sei „auf Kante genäht“, räumte Eisenmann ein. Gleichzeitig wies sie aber die teilsweise harsche Kritik der Verbände an der Unterrichtsversorgung zurück. „Es gibt definitiv keinen Anlass für Panikmache“.

Jedoch rechnet auch die Kultusministerin mit Unterrichtsausfällen, besonders wenn Lehrer krank werden. An den 2400 Grundschulen im Land sind derzeit noch 480 Stellen offen. Von den 400 freien Stellen für Sonderpädagogen wurden 295 besetzt. Insgesamt gab es laut Eisenmann 5100 offene Stellen, 4465 seien besetzt.

Grundschullehrer müssen mit Versetzungen rechnen

Rund 200 ausgebildete Grundschullehrer hätten auf eine Stelle verzichtet, weil ihnen ihr Wunschort nicht angeboten werden konnte, berichtete die Ministerin. Wenig gefragt sind ländliche Grundschulen. Um dort den Betrieb zu sichern, will Eisenmann etablierte Lehrer versetzen um doch noch neue Grundschullehrer zu gewinnen. Die Versetzungen oder Abordnungen sollen sich im „zumutbaren“ Rahmen bewegen, Eisenmann spricht von Entfernungen bis zu 20 Kilometern und so genannten Versetzungsketten, bei denen mehrere Lehrer aus unterschiedlichen Standorten versetzt werden um am Ende die Lücke zu schließen.

Mehr Studienplätze

Um langfristig mehr Grundschullehrer zu gewinnen, sollen nach längeren politischen Auseinandersetzungen doch mehr Studienplätze geschaffen werden. Darauf habe sie sich mit Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) verständigt, sagte Eisenmann. Details stünden noch nicht fest, es handle sich aber um eine „erheblich Anzahl weiterer Plätze“. Sie kündigte für die Zukunft häufigere Planungsgespräche mit dem Wissenschaftsministerium an um schneller reagieren zu können.

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