Neues Abkommen Das Bündnis der Geächteten
Iran und Russland schließen einen Vertrag über eine Strategische Partnerschaft. Doch die Eigeninteressen der Staaten setzt der Zusammenarbeit Grenzen.
Iran und Russland schließen einen Vertrag über eine Strategische Partnerschaft. Doch die Eigeninteressen der Staaten setzt der Zusammenarbeit Grenzen.
Ein Bündnis von weltweiter Bedeutung soll es sein: Der Iran und Russland wollen ihre Zusammenarbeit mit einem Vertrag über eine „Umfassende Strategische Partnerschaft“ auf eine neue Stufe heben. Irans Präsident Massud Peseschkian traf am Freitag in Moskau ein, um das auf 20 Jahre angelegte Abkommen mit Kremlchef Wladimir Putin zu unterzeichnen. Beide Länder verfügen zusammen über fast 40 Prozent der globalen Erdgasreserven und 20 Prozent des Öls. Sie sind geopolitische Gegenspieler des Westens. Mit dem Vertragsabschluss wenige Tage vor dem Amtseid von Donald Trump wollen sich beide Länder besser gegen westliche Sanktionen wappnen. Eigeninteressen setzen der Zusammenarbeit aber Grenzen.
Teheran und Moskau wollen militärisch, politisch, wirtschaftlich, kulturell und wissenschaftlich enger zusammenarbeiten, so Kremlsprecher Dmitri Peskow gegenüber der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna. Der Vertrag richte sich gegen kein anderes Land.
Iranische und russische Diplomaten haben jahrelang an dem Abkommen gearbeitet. Eines der wichtigsten Projekte ist der „Internationale Nord-Süd-Transportkorridor“, der mit Eisenbahn- und Schiffsrouten russische Exporte über den Iran zum Persischen Golf und von dort aus vor allem nach Indien ermöglichen soll: Der Korridor ist kürzer als der 16 000 Kilometer lange Seeweg von St. Petersburg um Europa herum und durch den Suez-Kanal nach Indien. Weil der Westen keinen Zugriff auf den Korridor hat, könnte der Transportweg auch die Lieferung von Rüstungsgütern zwischen Iran und Russland erleichtern. Schon jetzt unterstützt der Iran den russischen Krieg in der Ukraine mit dem Export von Kampfdrohnen.
Auch außerhalb des Rüstungssektors rücken beide Länder enger zusammen. Russische Firmen sollen iranische Ölanlagen modernisieren. Das Abkommen betone die territoriale Integrität, berichtet die Nachrichtenseite „Middle East Eye“. Das sei für die Islamische Republik wichtig, weil sie sich mit den Vereinten Arabischen Emiraten um einige Inseln im Persischen Golf streitet.
Iran und Russland sind Mitglieder der Staatengruppe Brics und waren Partner des gestürzten syrischen Diktators Assad. Putin und der iranische Revolutionsführer Ali Khamenei stehen seit Jahrzehnten an der Spitze ihrer Länder und sind durch ihre Feindschaft mit dem Westen verbunden.
Der Vertrag löst aber nicht alle ihre Probleme. Das Parade-Projekt des Transportkorridors kostet Milliarden, die keines der beiden Länder ohne weiteres aufbringen kann. Iranische Häfen am Persischen Golf müssten ausgebaut und Eisenbahntrassen in schwierigem Gelände verlegt werden, schreibt die russische Exilzeitung „Moscow Times“.
Wirtschaftlich sind die beiden neuen Partner in wichtigen Branchen erbitterte Konkurrenten. Weil sowohl russische als auch iranische Ölexporte mit Sanktionen belegt sind, lieferten sich die beiden Länder in den vergangenen Jahren einen Preiskampf, um ihr Öl trotzdem loszuwerden. Abnehmer in Asien profitieren davon.
Politisch gibt es ebenfalls Reibereien. Der Iran erkennt die russische Annexion der Krim nicht an und beklagt, Russland habe voriges Jahr zu wenig unternommen, um den gemeinsamen Partner Assad in Syrien an der Macht zu halten. Zudem würde sich die veraltete iranische Luftwaffe gerne mit russischen Maschinen modernisieren, doch bisher lehnt Moskau den Export von Jets ab.
Hinzu kommt, dass viele Iraner den Russen misstrauen, die unter den Zaren und der Sowjetunion mehrere Kriege gegen ihr Land führten. Das iranische Parlament muss dem Partnerschaftsabkommen mit Moskau noch zustimmen – gegen einen ähnlichen Vertrag mit China gab es dort vor einigen Jahren großen Widerstand.