Ryyan Alshebl (links), Bürgermeister von Ostelsheim (Kreis Calw), wünscht sich Boris Palmer in einem Amt auf Landesebene. Foto: privat, Christoph Schmidt/dpa
Boris Palmer auf Landesebene nach der Landtagswahl? Immer wieder wird der Tübinger OB ins Spiel gebracht – jetzt von einem Grünen-Mitglied. Der Wunsch: Behörden effizienter zu machen.
Der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir hat gerade eigentlich schon die Schlussworte des Abends gesprochen, da kann Ryyan Alshebl (Grüne) seine Frage, die ihm offenbar unter den Nägel gebrannt hat, nicht mehr zurückhalten: „Wird Boris Minister?“, fragt der Bürgermeister von Ostelsheim (Kreis Calw) bei einer Wahlkampfveranstaltung am Montagabend in Weil der Stadt (Kreis Böblingen) in Richtung des Mannes, der Winfried Kretschmann als Ministerpräsident von Baden-Württemberg beerben möchte.
Özdemir antwortet das, was er auch schon vor Wochen gegenüber Journalisten klarstellte: „Man verteilt das Fell des Bären nicht, solange der Bär noch steppt.“ Die Landtagswahl am 8. März müsse erst einmal gewonnen werden. Die Grünen liegen laut aktuellen Umfragen einige Prozentpunkte hinter der CDU. Und außerdem: Wer sich selbst als Minister ins Spiel bringe, wird es bei ihm nicht, macht Özdemir deutlich. Auch Boris Palmer schüttelt kräftig den Kopf.
Weiterer Bürgermeister fordert: „Mehr Boris Palmer wagen“
Es war nicht die erste Anmerkung von Alshebl im Laufe des Abends, von der Palmer und Özdemir offenbar überrascht wurden: Als der Deutsch-Syrer von der Moderatorin nach seinem Wunsch an den künftigen Ministerpräsidenten gefragt wurde, sagte der 32-Jährige: „Wir brauchen eine Instanz, die danach schaut, dass Behörden effizient handeln – und dafür kann ich mir niemand besseren als Boris Palmer vorstellen.“
Grünen-Wahlkampfveranstaltung in Weil der Stadt mit Ryyan Alshebl (li.), Cem Özdemir (Mitte) und Boris Palmer (re.). Foto: STZN/Dürr
Auch vor Beginn der Runde mit Özdemir, Palmer und Alshebl auf dem Podium hatte der örtliche Bürgermeister von Weil der Stadt, Christian Walter (parteilos), seinen Kollegen aus Tübingen ins Spiel für die künftige Landesregierung gebracht: „Mehr Boris Palmer wagen.“
Was er damit meint? „Wir brauchen pragmatische Lösungen, die vor Ort funktionieren und nicht nur auf dem Papier“, erklärt er am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion.
Ryyan Alshebl wünscht sich „Staatseffizienz-Behörde“ unter Palmers Leitung
Der Tübinger OB auf Landesebene? „Das wäre aus meiner Sicht nicht verkehrt“, sagt Walter: „Er hat eine unglaubliche Erfahrung auf kommunaler Ebene, weiß, wo die Probleme liegen – so jemand würde jeder Regierung gut tun.“ Die Städte und Gemeinden steuerten aufgrund ihrer schwierigen finanziellen Lage auf die Handlungsunfähigkeit zu. „Es braucht kommunale Praktiker“, sagt Walter.
Im Verlauf des Podiumsgesprächs nahm auch Alshebl die Forderung seines Bürgermeister-Kollegen auf: „Jetzt haben wir einen Namen für den Koalitionsvertrag: Mehr Palmer wagen“, sagte er und erntete auch hierfür verlegenes Kopfschütteln beim Tübinger OB. Nach der Veranstaltung präzisiert Alshebl im Gespräch mit unserer Redaktion seinen Wunsch: „Wir reden immer über Bürokratieabbau, aber wir brauchen auch eine Instanz, die den Leuten in den Behörden auf die Finger schaut. Jeder Bürokrat sollte einen Anruf von Palmer bekommen.“
Eine Art „Staatseffizienz-Behörde“ nennt es Alshebl, aber nicht unbedingt nach dem amerikanischen Vorbild „Doge“ unter Leitung von Milliardär Elon Musk, eine Initiative der Trump-Regierung, die schon wieder Geschichte ist. Trotzdem kann sich der 32-Jährige draußen vor dem Veranstaltungsgebäude beim Vorbeilaufen einen scherzhaften Kommentar in Richtung Palmer nicht verkneifen: „Der grüne Elon Musk“.