Neues Angebot in Ditzingen Der Besuch kommt per Telefon

Ehrenamtliche wollen ein Gesprächsangebot für alle machen. Foto: dpa/Roland Weihrauch
Ehrenamtliche wollen ein Gesprächsangebot für alle machen. Foto: dpa/Roland Weihrauch

Eine Gruppe Ehrenamtlicher will Menschen ein Gesprächsangebot machen. Ob Einsamkeit, Trauer oder schlicht Bedarf an einem Plausch: Die Gründe, die Ditzinger zu kontaktieren, können vielfältig sein.

Ludwigsburg: Franziska Kleiner (fk)
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Ditzingen - Unsicherheit, Ungewissheit prägten die Menschen zu Beginn der Corona-Pandemie. Doch alle Kontakte, Treffen und persönlichen Gespräche, die Halt gegeben hätten, brachen aus demselben Grund weg. Der Bedarf an Gemeinschaft suchte sich in der Nachbarschaft von Elisabeth Schwabe-Ruck einen neuen, anderen Weg. Sie trafen sich vor de Haus und sangen gemeinsam. Letztlich ist daraus ein neues Angebot unter dem Dach der evangelischen Gemeinde entstanden: der telefonische Besuchsdienst.

Die evangelische Landeskirche hatte das gemeinsame Singen in der für alle neuen Situation angeregt. Denn auch die Kirche hatte ihre Angebote für die Gemeinschaft eingestellt. Gottesdienst, Kirchenkaffee – alles fiel aus. Dennoch etwas anbieten zu wollen – das trieb gleich mehrere um. Am Sonntag wird Dekan Friedrich Zimmermann 13 Frauen und Männer im Alter von Mitte 40 bis Anfang 70 aussenden. Sie werden fortan dreimal in der Woche erreichbar sein.

Der Anlass ist vielfältig

Ob für ein ernstes Gespräch oder einen kleinen Plausch – Anlass und Themen können vielfältig sein. Vielfältig ist auch die Gruppe: Katholiken, Protestanten, Mitglieder der Süddeutschen Gemeinschaft wollen sich engagieren. „Sie alle hatten das Gefühl, etwas tun zu wollen“, sagt Schwabe-Ruck.

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Man hätte auch im kleinen Kreis ein solches Angebot machen können, eben auf privater Basis, hätte Telefonnummern untereinander weitergeben können. Doch ein erster Versuch scheiterte, es wurde nicht angenommen. Davon überzeugt, dass der Bedarf gegeben sei – diese Erfahrung hatten sie selbst ja auch beim Singen gemacht – dachten die Initiatoren um. „Es sollte professionell und nachhaltig werden.“ Gesagt, getan: Die Interessenten ließen sich in einem vierteiligen Seminar ausbilden. In den folgenden Monaten stieg nur eine Person aus. „Die Gruppe ist völlig stabil geblieben“, sagt Schwabe-Ruck, die mit Yvonne Knaupp, Dorothee Reutter-Greitens, Gudrun Offterdinger sowie ihrem Mann, Wolfgang Ruck, den telefonischen Besuchsdienst initiierte.

Das Motto lautet „Wir haben ein Ohr für Sie“. Dreimal in der Woche, zu festen Zeiten, ist am anderen Ende der Leitung garantiert jemand zu erreichen. Dann sitzen die Männer und Frauen in einem abgelegenen Raum, den die Kirche zur Verfügung gestellt hat. Sie alle haben sich zum Schweigen über die Gesprächsinhalte verpflichtet, auch bei der regelmäßigen Supervision werde nur anonymisiert berichtet, sagt Schwabe-Ruck. „Wir wollen Gelegenheit geben zu einem guten, empathischen Gespräch.“

Kein Vergleich mit der Telefonseelsorge

Das Angebot soll vor allem ein niederschwelliges bleiben, das sich weder nur an Senioren, nur an Einsame oder Menschen in Krisensituationen richtet. Angesprochen sollen sich alle fühlen – auch wenn die Ehrenamtlichen des telefonischen Besuchsdienstes im Zweifel auf professionelle Hilfsangebote verweisen. „Wir sind nicht die Telefonseelsorge“, präzisiert Schwabe-Ruck. „Für uns heißt Gemeinde Gemeinschaft. Und Gemeinschaft muss man leben.“ Das bedeutet, dass sich der telefonische Besuchsdienst bei Anlässen wie Hochzeit oder Taufe auch von sich aus meldet – sofern die Telefonnummer öffentlich ist.


Telefonischer Besuchsdienst

Kontakt: Die Telefonnummer 0 71 56/1 78 16 29 ist von 11. Oktober an erreichbar, montags von 17 bis 20 Uhr, mittwochs 15 bis 18 Uhr. freitags von 10 bis 13 Uhr.




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