Leonberg/Gerlingen Hilfe beim Kinderkriegen soll attraktiver werden

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Der Pflegeverbund Stroh-Glems will neue Pool-Angebote für Hebammen schaffen – und damit auch für Mütter und Kinder in Gerlingen und Leonberg.

Willkommen auf der Welt: Für eine reibungslose Geburt sorgen auch Hebammen. Doch es gibt  immer weniger. Foto: dpa
Willkommen auf der Welt: Für eine reibungslose Geburt sorgen auch Hebammen. Doch es gibt immer weniger. Foto: dpa

Gerlingen/Leonberg - Frauen, die Nachwuchs zur Welt bringen wollen, kennen das Problem – ebenso wie die Frauen, die ihnen dabei in allen Fragen helfen: Es gibt viel zu wenige Hebammen. Aus vielen Gründen ist der Beruf der freischaffenden Hebamme nicht mehr so attraktiv wie früher. Die Folge: die noch tätigen Fachkräfte sollen überall gleichzeitig sein. Um diesem Phänomen im Raum Gerlingen-Leonberg zu begegnen, will der Pflegeverbund Strohgäu-Glems, zu dem die Sozialstationen in Gerlingen, Leonberg und Weilimdorf gehören, ein neues Angebot schaffen: einen Hebammen-Pool mit Räumen in Leonberg.

Im Gebiet des Pflegeverbunds fehlen drei bis vier Hebammen, die Schwangere und Frauen nach der Geburt sowie ihre Säuglinge betreuen. Zudem sei seit fünf Jahren die Zahl der Hebammen um ein Viertel zurückgegangen, sagt der Pflegeverbund-Geschäftsführer Reinhard Ernst. Bis zum Jahr 2011 sei der Hebammenberuf attraktiv gewesen, die Absolventenzahlen an den Fachschulen hätten jedes Jahr zugenommen. Die Ursachen dafür, dass viele Hebammen aus dem Beruf ausgestiegen sind oder anderweitig arbeiten, seien vielschichtig; gestiegene Versicherungsprämien, hohes wirtschaftliches Risiko der Freiberufler und gestiegene Anforderungen an Büroarbeit sind nur ein Teil der Gründe. Auch Teilzeitarbeit sei wenig attraktiv, sagt Ernst.

Kooperation mit dem Verband

In Zusammenarbeit mit dem Hebammenverband Baden-Württemberg (HV) hat Ernst für den Pflegeverbund ein Modell der Zusammenarbeit entwickelt, dessen Basis die Kooperation ist. Man will zum einen mehr Hebammen für die ambulante Arbeit im Gebiet Gerlingen-Leonberg gewinnen, zum anderen aber den betroffenen Schwangeren und jungen Müttern mehr Sicherheit geben. „Hebammen als Einzelkämpferinnen haben wir lange genug gehabt“, so Ernst, „da gehen alle unter.“ Man wolle attraktive Bedingungen für eine Poollösung bieten – und sich mit dem neuen Angebot zwischen der Einzelpraxis und den Geburtshäusern positionieren.

Als Standort ist ein ehemaliger Kindergarten in der Schlegelstraße in Leonberg vorgesehen, Kurs-, Beratungs- und Behandlungsräume sind eingerichtet. Laut Ernst wäre es der Idealfall, dass sich so viele Fachfrauen in dem neuen Pool zusammenschließen, dass tagsüber immer jemand in der Schlegelstraße anwesend sein kann. Stefanie Bohm-Schweikert, die bisher schon Kurse im Familienzentrum Gerlingen-Gehenbühl abhält, will dieses Angebot weiterführen.

Kampagne startet am Mittwoch

Der Pflegeverbund will die Kampagne für den Hebammenpool zusammen mit dem Landesverband an diesem Mittwoch starten. „Wir sprechen Hebammen an, die sich aus dem Beruf zurückgezogen haben“, so Ernst, „aber auch junge Hebammen in der Endphase der Ausbildung.“ Auch Fachkräfte, die nur Teilzeit arbeiten und mit Bürotätigkeiten so wenig wie möglich belastet sein wollen, gehörten zur Zielgruppe. Der Pflegeverbund biete Hilfestellung an unter anderem bei den Themen Verwaltung, Abrechnung, Sekretariat, Mobilität, Hygiene, Marketing und Fortbildung.

Im Sozialausschuss des Gemeinderats ist das Vorhaben einhellig begrüßt worden. Gerlingen solle auch künftig für junge Familien attraktiv bleiben, hieß es – und dazu gehöre eine gute Versorgung für Mütter. In Gerlingen sind im vergangenen Jahr 174 Neugeborene begrüßt worden.

Nach den Worten von Jutta Eichenauer, der Vorsitzenden des Landeshebammenverbandes, ist der Kreis Ludwigsburg „eine ganz schlimme, unterversorgte Ecke“. Sie fordert seit Jahren eine Aufstockung an Hebammen. „Uns droht eine Unterversorgung mit Hebammenhilfe“, sagt sie. Krankenhäuser mit geburtshilflichen Abteilungen im Kreis befinden sich in Ludwigsburg und Bietigheim.




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