Hans Jürgen Meyer, Wolfgang Drexler und Fred Coschurba (von links) haben mit der Alten Kelter noch einiges vor. Foto: Roberto Bulgrin
Die Alte Kelter in Wäldenbronn ist ein Treffpunkt für den Esslinger Norden. Viel hätte nicht gefehlt, und das historische Gemäuer wäre abgerissen worden. Der Förderverein Nord hat sich 1996 für den Erhalt engagiert – davon profitieren bis heute viele Menschen.
Viel hätte nicht gefehlt, und die Wäldenbronner Kelter wäre Mitte der 90er-Jahre verschwunden. Heute sind viele Menschen im Esslinger Norden froh, dass es anders gekommen ist: Die Alte Kelter hat sich zu einem lebendigen Mittelpunkt des Stadtteils entwickelt. Vereine tagen dort, Seniorinnen und Senioren treffen sich zu Kaffee, Kuchen oder einem Viertele, es gibt verschiedene Veranstaltungen, der Chor Concordia Wäldenbronn probt regelmäßig dort.
Das ist ein Verdienst des Fördervereins Nord, der 1996 gegründet wurde, um die Alte Kelter zum „identitätsstiftenden Treffpunkt für Bürgerinnen und Bürger des Stadtteils“ werden zu lassen. Dieses Ziel ist längst erreicht, doch der Verein und sein Vorsitzender Wolfgang Drexler haben noch viel mehr vor. Nach umfassender Sanierung wurde die Alte Kelter 2004 feierlich eröffnet. Nun wird wieder gebaut: Das historische Gemäuer soll noch mehr Platz für unterschiedlichste Aktivitäten bieten.
Mehr Lebensqualität für den Esslinger Norden
2004 wurde die Alte Kelter feierlich ihrer neuen Bestimmung übergeben. Foto: Horst Rudel
Als Wolfgang Drexler und seine Mitstreiter den Förderverein Nord gründeten, hatten sie ein großes Ziel: „Zweck des Vereins ist die ideelle und finanzielle Förderung und Verbesserung der Wohn-und Lebensqualität von Bewohnern in den Stadtteilen des Esslinger Nordens.“ Diesem Anspruch ist der Verein seither auf vielfältige Weise gerecht geworden – zuallererst mit der Alten Kelter, die eigentlich neuen Wohnungen weichen sollte. „Wir haben damals darauf hingewiesen, dass auf der nahen Flandernhöhe in großem Stil gebaut wird und dass zu einem funktionierenden Stadtteil mehr gehört“, erzählt Drexler, dem es damals gelungen ist, die kommunalen Entscheidungsträger zu überzeugen.
Heute können sich viele den Esslinger Norden ohne die Alte Kelter gar nicht mehr vorstellen. Die Feuerwehroldtimerfreunde haben sich dort ein Vereinszentrum mit Werkstatt und Fahrzeughallen gebaut. Nach dem Umzug der Freiwilligen Feuerwehr fanden die Modelleisenbahner dort ein neues Domizil. Örtliche Vereine und Organisationen haben in einer vom Förderverein hergerichteten Garagenzeile Lagermöglichkeiten. Vor allem steht die Alte Kelter für unterschiedlichste Veranstaltungen, Sitzungen und Treffen offen. „Vieles wäre nicht möglich, wenn es diese niederschwellige und attraktive Möglichkeit nicht gäbe, sich zu treffen“, sagt Fred Coschurba, der Vize-Vorsitzende des Fördervereins.
Bestens vernetzt im Esslinger Norden
Die Feuerwehroldtimerfreunde Esslingen haben mit viel Engagement ein Vereinsdomizil an der Alen Kelter gebaut. Foto: Roberto Bulgrin
Weil das alte Gemäuer noch mehr Potenzial bietet, hat der Förderverein Nord nun begonnen, den bislang nicht genutzten Teil umzubauen. Dort soll ein Büro für die Bürgerausschuss-Arbeit entstehen, ein kleiner Besprechungsraum wird eingerichtet, auch für Veranstaltungen soll künftig mehr Platz zur Verfügung stehen. Rund 150 000 Euro hat Fred Coschurba kalkuliert – kein Pappenstiel für einen Verein mit etwas mehr als 200 Mitgliedern. Rund 650 000 Euro hat der Förderverein bislang für die Sanierung der Alten Kelter mobilisiert. Dass der Förderverein im Esslinger Norden bestens vernetzt ist und einen Vorsitzenden hat, der schon häufiger bewiesen hat, dass er Menschen für ein gemeinsames Anliegen mobilisieren kann, macht manches leichter. An Ideen fehlt es nicht. „Wir denken zum Beispiel intensiv darüber nach, wie man mehr aus dem ehemaligen Schlauchturm der Feuerwehr machen könnte“, verrät Drexler.
Der Förderverein Nord war 1996 gegründet worden, um die Alte Kelter zu einem Treffpunkt für den ganzen Esslinger Norden werden zu lassen. Wenn Wolfgang Drexler und Fred Coschurba mit ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern im kommenden Jahr anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Vereins Bilanz ziehen, wird noch weitaus mehr Geleistetes zu vermelden sein. So hat sich der Verein für eine Gemeinwesenarbeit im neuen Wohngebiet auf dem Funkerkasernen-Areal stark gemacht. Er hat das Flandernfest als Zeichen der Gemeinsamkeit auf den Weg gebracht, er hat einen musikalischen Frühschoppen etabliert, er hat sich bei den Planungen für das Pflegeheim in Hohenkreuz zu Wort gemeldet, und er hat sich für Altenwohnungen neben dem neuen Pflegeheim starkgemacht.
Bürgerbus für Esslinger Norden war startklar
Der Modelleisenbahn-Club Esslingen hat auf dem Wäldenbronner Kelter-Areal eine neue Heimat gefunden. Foto: Roberto Bulgrin
Und der Verein hat für einen Bürgerbus gekämpft. „Wir waren startklar und hatten sogar schon einen Bus“, berichtet sich Wolfgang Drexler. „Dann hat die Stadt ihre Buslinien so umgestellt, dass sich ein separater Bürgerbus nicht mehr gelohnt hätte.“ Geblieben ist bis heute das Problem vieler Menschen aus den Bärenwiesen, die nicht mehr so mobil sind und die auf kurze Wege zu einem Bürgerbus gehofft hatten.
Für Wolfgang Drexler ist die Arbeit des Fördervereins Nord das beste Zeichen für Zusammenhalt und Gemeinsinn im Esslinger Norden: „Die Menschen spüren hier, dass man zusammen viel Gutes erreichen kann und dass sich dieses Engagement für alle auszahlt.“ So schlägt für viele Menschen das Herz des Stadtteils in der Alten Kelter.
Informationen und Reservierungen unter: www.foerderverein-nord.de
Die Alte Kelter und ihre Geschichte
Weinbau 1433 wurde Weinbau im Esslinger Norden erstmals urkundlich erwähnt. Die an den Hängen im Hainbachtal produzierten Tropfen standen allerdings nicht im Ruf, allzu hohe Qualität zu bieten.
Kelter 1881 schlossen sich 82 Wengerter aus dem Esslinger Norden zusammen und bauten in der Wäldenbronner Dorfmitte eine eigene Kelter. 1892 wurden die Hänge im Hainbachtal jedoch so stark von der amerikanischen Reblaus befallen, dass der Weinbau massiv beeinträchtigt wurde – die Kelter verlor bald wieder an Bedeutung.
Veränderungen 1920 kaufte der Turn- und Gesangverein Wäldenbronn die Kelter und gestaltete sie für seine Zwecke um. 1933 ging das Anwesen an die Concordia Wäldenbronn über, nur drei Jahre später erwarb die Stadt das Gebäude, das bis heute in kommunalem Besitz ist. Lange Jahre hatte die Freiwillige Feuerwehr ihre Fahrzeuge auf dem Keltergelände, die Kelterstube wurde als Lager für Straßenschilder genutzt. Schließlich wurden in den 90er-Jahren Pläne diskutiert, die Kelter abzureißen, um Platz für Wohnungen zu schaffen. Der örtliche Bürgerausschuss setzte sich jedoch dafür ein, das Gebäude zu erhalten, um dort „ein identitätsstiftendes Haus als Treffpunkt für Bürger des Stadtteils“ zu schaffen.
Förderer Um dieses Anliegen zu befördern, wurde 1996 der Förderverein Nord gegründet, dessen Gründungsvorsitzender der damalige SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Drexler wurde. Es war vor allem sein Verdienst, dass die Stadt davon Abstand nahm, die Alte Kelter abzureißen.