Neues aus der Wilhelma Große Vorfreude auf Tigerbabys

Ab 2024 will die Wilhelma Tiger züchten. Foto: dpa/Jan-Philipp Strobel

Seit 1952 leben die gestreiften Großkatzen in der Wilhelma – bis zum Sommer 2024 wird nun ein neues Gehege für Amur-Tiger gebaut. Damit will man in Bad Cannstatt auch die Zucht in Gang bringen. Das Land hat 3,7 Millionen Euro für den Bau freigegeben.

Redaktionsleiter: Uli Nagel (uli)

Tiger haben eine lange Tradition in der Wilhelma. Zu verdanken haben die Besucher dies dem einstigen Direktor Albert Schöchle. Im Jahr 1952 lockten „Indische Dschungeltiere“ mit den ersten Elefanten und Tigern die Besucher in den zoologisch-botanischen Garten, der nach dem Zweiten Weltkrieg noch in seinen Anfängen steckte. Kein billiges Unterfangen – doch die Stuttgarter waren entzückt. Das Finanzministerium zeigte sich dagegen weniger begeistert und entschied: „Die wilden Tiere haben zu verschwinden.“ Doch dem „Schlitzohr“ Albert Schöchle gelang es, den damaligen Finanzminister Karl Frank umzustimmen. Aus einer „vorläufigen Genehmigung“ wurde schließlich ein Daueraufenthalt von Tigern am Neckar. Und die Raubkatzen avancierten schnell zu Publikumslieblingen, denn über mangelnden Nachwuchs konnten sich die Wilhelma-Verantwortlichen nicht beklagen.

 

Jetzt hat das Land grünes Licht gegeben für einen weiteren Baustein für die Wilhelma der Zukunft, in der auch Tiger eine tragende Rolle einnehmen. Laut dem Masterplan von Direktor Thomas Kölpin will sich der zoologisch-botanische Garten verstärkt an Asiens Tier- und Pflanzenwelt orientieren. Während sich das Leuchtturmprojekt, die neue Elefantenanlage, zeitlich verzögert, hat das Land die Baufreigabe für das neue Tigergehege erteilt. 3,7 Millionen Euro kostet das Projekt, eine Million Euro übernimmt der Wilhelma-Förderverein.

Massiv vom Aussterben bedroht

„Wir bauen an einem ganz besonderen Wilhelma-Erlebnis“, da ist sich Baden-Württembergs Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) sicher. Denn die Besucherinnen und Besucher werden die Raubkatzen aus einem unterirdischen Versteck heraus beobachten können. „Das wird sicher spannend – vor allem für Kinder“, sagt Bayaz. Doch der Neubau dient natürlich nicht dem Anschauungsunterricht und der Unterhaltung. Die größte Raubkatze der Erde, die nur in Asien vorkommt, ist massiv vom Aussterben bedroht. Laut der Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) leben dort nur noch rund 4000 Tiger.

Blühender Schwarzmarkthandel

„Die Anzahl hat wieder zugenommen, doch nach wie vor blüht der Handel mit Tigern“, sagt Arnulf Köhnke, Fachbereichsleiter Artenschutz beim WWF Deutschland. Ihre Felle dienen als Luxusgut, ihre Knochen, Klauen und Zähne gelten als vermeintliche Medizin oder sie werden zu Amuletten verarbeitet. „Viele Tiere landen lebend in privaten Sammlungen oder auf chinesischen Zuchtfarmen“, sagt der Experte. Der illegale Handel mit Tigern und deren Körperteilen seien ein Dauerproblem. Laut WWF sind in den vergangenen 20 Jahren weltweit mehr als 3300 Tiger – tot und lebendig – auf dem Schwarzmarkt beschlagnahmt worden.

Anlage etwa 4000 Quadratmeter groß

Auch die Wilhelma will zur Rettung dieser stark bedrohten Tiere beitragen. Nach dem Tod von Sumatra-Tigerin Dumai im vergangenen Jahr plant der zoologisch-botanische Garten künftig mit den sehr viel größeren Amur-Tigern. „Bedroht sind beide Tigerunterarten“, sagt Direktor Thomas Kölpin. Doch aus Nachhaltigkeitsgründen ergebe es einfach Sinn, in der Wilhelma Sibirische Tiger zu halten. Sie benötigen kein Warmhaus. Die geplante Anlage wird etwa 4000 Quadratmeter groß und besteht aus einem Offenstall, sechs großen Tigerboxen und drei großen Außengehegen mit Wasserbecken und Wasserläufen. „Die Tiere sind überwiegend im Freien“, sagt Kölpin. Kälte oder Schnee machen einem Amur-Tiger nichts aus.

Zuchtpaar soll 2024 einziehen

Der Neubau entspricht den Vorgaben der Haltungsrichtlinien der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) und ist für bis zu sechs ausgewachsene Tiger geeignet. Zunächst plant die Wilhelma jedoch mit einem Zuchtpaar, das 2024 einziehen soll. Die Anlage kann dreigeteilt werden, je ein Bereich für Männchen, Weibchen und die Jungtiere, die man an andere Zoos abgeben möchte. „Das ist laut Erhaltungszuchtprogramm die Voraussetzung, und das haben wir bei den Schneeleoparden ebenso bauen müssen“, sagt Thomas Kölpin.

Das künftige Zuhause der beiden Amur-Tiger liegt etwa im Bereich der Tapire und des neuen Schaubauernhofs, der sich ebenfalls an der Tier- und Pflanzenwelt Asiens orientieren wird. Dieses Projekt kostet rund 1,8 Millionen Euro und soll laut Kölpin im Sommer 2023 eröffnet werden.

Großkatzen in der Wilhelma

Gattung
Tiger, Löwe, Leopard, Schneeleopard und Jaguar werden in der Zoologie als Großkatzen bezeichnet. Nach dem Tod von Tigerin Dumai und von Aman, einem persischen Leoparden, leben aktuell nur noch drei Großkatzen in der Wilhelma.

Berühmte Löwen
Seit 1994 lebten die drei Berberlöwen Atlas, Schiela und Elektra im botanisch-zoologischen Garten. 2003 musste Löwe Atlas eingeschläfert werden, im Mai 2008 folgte ihm Schiela. Ihre 23-jährige Schwester Elektra wurde nur wenige Wochen später von ihren altersbedingten Leiden erlöst.

Die schöne Petra
Ihr Anblick war majestätisch. Die schöne Petra schaffte es auf den Titel des US-Magazins „National Geographic“. Als sie im November 2013 im Alter von 23 Jahren wegen eines Tumors eingeschläfert werden musste, gehörte sie zu den fünf ältesten Zoo-Jaguaren weltweit.

Nachwuchs
Für die letzten Tigerbabys zeichnete Dumai verantwortlich. Bei der Geburt ihrer ersten Jungtiere im Jahr 2005 entschied sich die Tigerin nicht für die abgeschirmte Wurfbox, sondern brachte ihre beiden kleinen Kater vor den Augen der Wilhelma-Gäste auf der Außenanlage zur Welt. 2007 hatte sie sogar dreifachen Nachwuchs. Bei den Schneeleoparden, diese Großkatze hält die Wilhelma seit 30 Jahren, gab es 2021 Nachwuchs. Zum 13. Mal, was die Wilhelma mit Stolz erfüllt, denn auch diese Großkatze ist vom Aussterben bedroht.

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