Neues Bahnangebot Privater Fernzug hat Verspätung

Eigentlich wollte das Unternehmen Locomore von September an der Deutschen Bahn auf der Strecke on Stuttgart nach Berlin Konkurrenz machen. Doch die Vorbereitungen ziehen sich länger hin, als gedacht.

Die neue Verbindung soll am Berliner Hauptbahnhof halten – und an vier weiteren Stationen in der Hauptstadt. Foto: dpa
Die neue Verbindung soll am Berliner Hauptbahnhof halten – und an vier weiteren Stationen in der Hauptstadt. Foto: dpa

Stuttgart -

Die Eisenbahngesellschaft Locomore wird frühestens von Dezember an eine Verbindung zwischen Stuttgart und Berlin anbieten. Die Alternative zu den Zügen der Deutschen Bahn sollte ursprünglich schon im September zwischen Neckar und Spree unterwegs sein.

„Damit kann das Team von Locomore jetzt durchstarten, den ersten Zug ab September 2016 ins Rollen bringen“, hieß es noch im Januar in einer Mitteilung des Bahnanbieters. Das Unternehmen hatte damals allen Grund für die Zuversicht. Etwas früher als gedacht hatten die Bahner mehr als 478 000 Euro bei einer Sammelkampagne im Internet – neudeutsch Crowd­funding – zusammengetragen. Bis in den Mai erhöhte sich die Summer auf stattliche 539 000 Euro. Bis zu 20 000 haben einzelne Anleger in das Projekt investiert. Am Geld liege es auch nicht, dass der private Fernzug noch vor der ersten Abfahrt bereits Verspätung habe, sagt Derek Ladewig, geschäftsführender Gesellschafter bei Locomore auf Anfrage. „Die Vertragsverhandlungen haben länger gedauert als von uns angenommen“. Nun stehe aber fest, bei wem Locomore die benötigten Waggons mietet und wer Lokomotive und Fahrpersonal stellt.

Fahrplan ist noch in der Abstimmung

Als neues Startdatum visiert Locomore nun den Mittwoch, 14. Dezember, an – kurz nach dem großen Fahrplanwechsel der Deutschen Bahn. Derzeit finden im Hintergrund noch die Beratungen zum Jahresfahrplan statt. Dabei versucht die für den Betrieb des Schienennetzes zuständige Tochter der Deutschen Bahn alle Wünsche und Forderungen der Eisenbahnverkehrsunternehmen unter einen Hut zu bekommen. Große Überraschungen erwartet Ladewig dabei nicht – „höchstens noch Verschiebungen im Minutenbereich“.

Sollte es bei den Plänen bleiben, so würde sich der Zug um 6.40 Uhr in Stuttgart in Bewegung setzen und nach 14 Zwischenhalten um 13.27 Uhr Berlin-Lichtenberg erreichen. Zurück geht es um 14.29 Uhr, die Ankunft in Stuttgart ist für 21.19 Uhr vorgesehen. In der Hauptstadt hält der Zug überdies noch an den Bahnhöfen Zoo, Hauptbahnhof, Friedrichstraße sowie Ostbahnhof. In der Region kommt Vaihingen/Enz (Kreis Ludwigsburg) in den Genuss eines Fernverkehrshalts.

Um einen weiteren Anbieter ist es ruhig geworden

Da es bislang im Internet nur Kartengutscheine, nicht aber richtige Tickets zu kaufen gab, müssen potenzielle Fahrgäste wegen der verspäteten Inbetriebnahme der Verbindung ihre Reisepläne nicht ändern. Der Ticketverkauf solle Ende September beginnen, kündigt Ladewig an. Bis dahin soll nochmals kräftig für das neue Angebot geworben werden. Die Marketingaktivitäten kosten Geld, das Locomore in einer weiteren Crowdfunding-Aktion einwerben will. Auf diese Weise sollen weitere 100 000 Euro zusammenkommen. Der weitere Geldbedarf und der verschobene Starttermin würden aber nicht bedeuten, dass das Projekt gänzlich in Frage stehe, sagt Ladewig. Ein Heilbronner Unternehmen, das schon im März 2016 einen Fernzug von Stuttgart aus auf die Reise schicken wollte, hat den Ankündigungen unterdessen keine Taten folgen lassen.

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