Sagen wir es gleich zu Beginn, das böse Wort: Randsportart. Ja, Baseball ist nicht nur aus den USA importiert, es ist hierzulande eine Randsportart. Aber eigentlich ist in Deutschland aller Sport außer Männerfußball eine Randsportart. Doch hat gerade Stuttgart mit diesen Nischen wie Leichtathletik, Turnen, Radfahren und Tischtennis gute Erfahrungen gemacht, gründete doch der Ruhm der Sportstadt gerade auf Titelkämpfen in diesen Sportarten.
Lange Historie
Der TV Cannstatt hat sich bereits lange vor dem aktuellen Boom von American Football um einen für Deutschland äußerst exotischen Sport gekümmert. Vor fast 40 Jahren in Feuerbach gegründet kamen die Reds 1994 zum TV Cannstatt auf den Schnarrenberg. Zunächst spielten sie mangels eigenem Platz in den Robinson Barracks der US-Armee in der Nachbarschaft. Im Jahr 2003 entstand das Baseball-Stadion. Seitdem wuchs die Abteilung stetig, 240 aktive Baseballer zählt sie, die Hälfte davon Kinder und Erwachsene. Die Baseballer und die Softballerinnen spielen Bundesliga, die Nachwuchsteams sammeln deutsche Meisterschaften en masse und haben zahlreiche Nationalspieler hervorgebracht. In der Nische der Nische haben sie sich im Laufe der Jahre prächtig entwickelt. Doch jetzt steht der nächste große Schritt an. Für acht Millionen Euro wird das Stadion umgebaut und erweitert. Knapp fünf Millionen Euro trägt die Stadt zur Finanzierung bei, weil auf der Tribüne nicht nur 630 Zuschauer Platz finden, sondern in deren Bauch noch eine Sporthalle entsteht. Die nicht nur andere Abteilungen des TVC nutzen werden, sondern auch Schulen offen steht. Ins Dachgeschoss wird der TVC mit seiner Verwaltung ziehen. Was wiederum dazu führt, dass das Fitnessstudio um die bisherigen Büroräume erweitert werden kann.
Platz für eine Sporthalle
Im Ehrenamt geplant
Architekt Thomas Hundt hat vier Kinder, die bei den Reds Baseball spielen. Eigentlich arbeitet er an Ausstellungskonzepten und Museumsgestaltung wie an jener des Stuttgarter Stadtpalais. Doch für den TVC hat er sich an den Hochbau gewagt und das Stadion geplant. Mittlerweile haben die Kollegen von Siegloch und Partner übernommen.
Ärger mit Eidechsen
Im April sollen die Reds erstmals im neuen Stadion spielen. So die Eidechsen nichts dagegen haben. Denn der Abriss des alten Dugout, wie auf gut Amerikanisch die Spielerplätze heißen, hat zu einem Schutthaufen auf dem Spielfeld geführt. Nun hat das Amt für Umweltschutz ein umweltschutzrechtliches Gutachten gefordert, wie TVC-Präsident Roland Schmid erzählt. Denn es könnten sich im Schutthaufen ja Eidechsen angesiedelt haben. Nun muss der Schutt aber weg, schließlich soll das Spielfeld auf ein internationales Maß erweitert werden. Damit man wie 2010 mal wieder Europameisterschaften auf dem Schnarrenberg austragen kann.
Kosten sind gestiegen
Nicht das einzige Problem. Die Kosten sind von 6,8 Millionen auf acht Millionen Euro gestiegen, was vor allem an den gestiegenen Preisen für Baumaterial und -stoffe liege, sagt Schmid. Er hofft, dass die Stadt auf ihr Scherflein von knapp fünf Millionen noch etwas draufpackt. Der Verein selbst trägt eine Million Euro, muss aber auch noch 15 bis 20 Prozent dazulegen, vermutet Schmid. Der Rest sind Zuschüsse, etwa vom Württembergischen Landessportbund.
Doch im Zeitplan liegt man, wie gesagt. Die Tribüne kann man am Osterwochenende nutzen. Im Stadion lässt sich Baseball spielen, man liebäugelt aber auch mit anderen Veranstaltungen, etwa Konzerten. Im Oktober soll dann der komplette Ausbau fertig sein. Da kann der Fußball neidisch auf die Randsportart schauen. Denn dann fangen die Stadt und der VfB drunten im Neckartal erst einmal mit dem Umbau der Mercedes-Benz-Arena an. Und noch einen Vorteil haben die Reds: Sie wissen, dass sie in der neuen Saison sicher in der Bundesliga spielen.