Neues Besucherzentrum am Landtag Bürger lauschen dem Herz der Demokratie

Von Georg Linsenmann 

12 000 Besucher strömten am Samstag mit Kind und Kegel zum Bürgerfest in den Landtag. Eine Resonanz, über die sich Parlamentspräsidentin Muhterem Aras „sehr glücklich“ zeigte. Ein Volltreffer war dabei auch auf Anhieb, das an diesem Tag eröffnete, neue Besucher- und Medienzentrum des Landtages.

Das neue Bürger- und Medienzentrum des Landtags. Foto: Lichtgut/Julian Rettig 16 Bilder
Das neue Bürger- und Medienzentrum des Landtags. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Als regelrechter Besuchermagnet erwies sich auf Anhieb das neue Bürger- und Medienzentrum des Landtags, das am Wochenende im Rahmen des Bürgerfestes des Parlamentes eröffnet wurde. Unzählige nutzten die erste Gelegenheit, um das für 17,5 Millionen Euro geschaffene Zentrum an der Nordseite des Parlamentsgebäudes in Augenschein zu nehmen. Auf starkes Interesse stieß dabei die multimediale Ausstellung in Foyer und Flur, an der nicht zuletzt die spielerischen Elemente die Neugierde auf grundlegende Informationen über die Funktionsweise des Landtags stimulierten: Abgeordnete, die sich drehen und wenden lassen, das Puzzle der Fraktionen, das Haus en gros und en Détail.

Und als lässige Konzertmuschel bewährte sich auch gleich die Agora, die auf breiten Stufen hinabführt. Hier ließ sich in der Sommersonne angenehm verweilen und dem flotten musikalischen Beiprogramm lauschen, bei dem fleißig Zugaben geheischt wurden. Moritz Barta trug in der Big Band des Gauß-Gymnasiums aus Hockenheim am Saxophon aber nicht nur zur Unterhaltung bei, sondern schnappte sich einen Abgeordneten zur Anreicherung seiner Präsentation beim mündlichen Abitur an diesem Montag: „Ich wollte eine Äußerung zum Thema Rechtspopulismus. Und dann habe ich eben noch ein Selfi mit ihm gemacht.“

Der Ministerpräsident mag Majo

Ihren Spaß machten sich Moritz und Anja sogar in dem perfekt zur Abkühlung taugenden Raum der Landespressekonferenz, wo der Zehnjährige „Ministerpräsident“ spielte: „Wer sind Sie und was wollen Sie?“ rief er per Mikrofon seiner 14-jährigen Schwester zu, die mit blitzenden Augen antwortete: „Ich bin die lokale Weltpresse und will wissen, ob Sie lieber Ketchup oder Majo mögen!“ So weiß man nun, dass Herr Kretschmann Majo bevorzugt.

Nur keine Berührungsängste! Das schien offensichtlich das Motto des Bürgerfestes zu sein, wobei das Bürgerzentrum sehr sinnfällig auch räumlich als neuer Zugang zum Parlamentsgebäude wirkte. Und dort war enormer Betrieb! Auf allen Etagen und den ganzen Tag über. Mit Kind und Kegel drängten die Besucher ins Haus, Jung und Alt – und nicht nur aus der Stadt, sondern auch busweise aus dem ganzen Land. Aus Sigmaringen zum Beispiel, von wo eine ganze Bürgerinitiative angereist kam: „Wir wollen Präsenz zeigen und Abgeordnete direkt fragen, warum noch nichts passiert ist mit unserer Petition zu den Flüchtlingen in unserer Stadt“, sagte Volker Rumpel.

Abgeordnete stehen Rede und Antwort

„Fragen erwünscht“ waren aber auch direkt im Plenarsaal, wo Abgeordnete in mehreren Runden Rede und Antwort standen: mitten im „Volk“, das die Sitze der Abgeordneten im stetigen Wechsel besetzt hielt. Und dabei auch dem Parlamentschor lauschen konnte, der mit „Mir im Süden“ nicht nur die heimliche Landeshymne intonierte, sondern mit einem alten Revolutionslied auch Programmatisches beitrug: „Die Gedanken sind frei!“

Sie sei „richtig glücklich“ über die Resonanz des Bürgerfestes, bekundete denn auch Parlamentspräsidentin Mutherem Aras, als sie zum Finale im Plenarsaal dem Duo Toba & Pheel für einen kernigen Europa-Rap gedankt hatte: „Es ist großartig, die Menschen haben an diesem Tag das Parlament tatsächlich als ihre Herzkammer der Demokratie in Besitz genommen! Am meisten gefreut hat mich eine Frau, die zu mir sagte: Du bist eine von uns, du bist wie wir.“

Hochbetrieb herrschte auch sonst im Bau. Nicht zuletzt in der freigeräumten Lobby, und nicht nur bei der Elefantenrunde der Fraktionsführer. Den Überblick über den ganzen Tag hatte da Heinz-Dieter Kern vom Besucherdienst des Parlamentes: „Es war unglaublich viel los! Manche haben hier den ganzen Nachmittag verbracht. Es war nicht nur ein Fest, die hatten richtig Interesse. Das war für mit Händen zu greifen. Die Leute haben hier ja keine Rote Wurst abgeholt!“