Neues Bezahlsystem bei Abbacco’s, Sattlerei und Kuchenliebe Das Trinkgeld gibt es jetzt per Knopfdruck

Beim Bezahlen mit der Karte taucht in einigen Lokalen die neue Trinkgeld-Abfrage auf. Ein Zwang, zehn bis 20 Prozent auszuwählen, besteht offensichtlich nicht: Der größte Knopf auf dem Display ist „Kein Trinkgeld“ Foto: LICHTGUT/Zophia Ewska

Wie viel Trinkgeld würden Sie gern geben? In manchen Lokalen erfolgt die Abfrage über das Kartenlesegerät: zehn, 15 oder 20 Prozent lauten die Auswahlmöglichkeiten beim Bezahlen. Aber auch der Button „kein Trinkgeld“ existiert. Das ist für die Mitarbeiter eine Erleichterung – und für die meisten Gäste.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Beim Bezahlen an der Theke stutzt der junge Mann. „Du kannst es abwählen oder einen fertigen Prozentsatz nehmen, wie du möchtest“, erklärt Miriam Brenner die Anzeige auf dem Kartenlesegerät. Er kreist mit dem Zeigefinger kurz über das Display und drückt dann eine der drei angezeigten Schaltflächen. „Vielen Dank“, sagt die Mitarbeiterin vom Café Kuchenliebe am Wilhelmsplatz, „lass Dir den Cappuccino schmecken!“ Acht Prozent Trinkgeld hat er an der Selbstbedienungstheke auf seine Rechnung aufgeschlagen. Seit rund einem Jahr breitet sich die Option in den Stuttgarter Lokalen aus: Das Trinkgeld wird gleich bei der Kartenzahlung zu einem bestimmten Prozentsatz einberechnet, drei Optionen stehen zur Auswahl – und der Knopf „kein Trinkgeld“. Im Steakhouse Abacco’s wurde die Software vor ein paar Monaten entsprechend upgedatet, in der Bar Sattlerei  und allen  anderen Betrieben von Janusch Munkwitz ist Bargeld ganz abgeschafft worden.

 

Früher rundeten die Gäste fürs Trinkgeld einfach auf

In der Kuchenliebe kam die Umstellung mit dem Kauf des neuen Kartenlesegeräts vor rund einem Jahr. Die Inhaberin Astrid Christ hat die neue Trinkgeld-Option beim Bezahlprozess „einfach so gelassen“. Früher hätte die Kundschaft aufgerundet, also bei 7,40 Euro für einen Kaffee und ein Stück Kuchen acht Euro gegeben – entweder cash oder mit der Karte. Nun können die Gäste auch zwischen acht, zehn oder 15 Prozent wählen. „Manche fangen allerdings mit Kopfrechnen an“, berichtet sie. Und manchmal muss die Bezahlung rückgängig gemacht werden, weil durch den Prozentsatz mehr Trinkgeld zusammengekommen ist, als gedacht. „Ist es hier schon wie in den USA?“, würden außerdem manche Gäste kritisieren, berichtet ihre Mitarbeiterin Miriam Brenner. Die meisten würden jedoch den Acht-Prozent-Button drücken. Und für die 25-Jährige ist es jedes Mal „eine schöne Wertschätzung“ ihrer Arbeit.

Im Abacco’s Steakhouse sorgte ein neues Kassensystem im vergangenen September für das Trinkgeld auf Knopfdruck. „Unsere Hoffnung ist, dass es die Bezahlung vereinfacht“, sagt Markus Heim, der Geschäftsführer der Restaurantkette. Die Mitarbeiter im Service hätten die automatisierte Abfrage begrüßt – und kein Gast hätte bislang dagegen protestiert. Luca Abruscia, der im Stuttgarter Steakhouse bedient, hörte vielmehr nur positives Feedback: „Vorher mussten die Leute  herumrechnen, jetzt läuft es effizienter und transparenter“, sagt der 29-Jährige. Die vielen ausländischen Gäste im Abacco’s seien besonders dankbar über den Hinweis, da sie sich oft in den Gepflogenheiten nicht auskennen würden. In der Schweiz sei das Trinkgeld beispielsweise inklusive, erklärt der Kellner. Die meisten Gäste würden zehn Prozent zusätzlich geben. Insgesamt mehr Trinkgeld kommt seiner Einschätzung nach durch die Digitalisierung jedoch nicht zusammen.

Bei Ciao Amore und in der Sattlerei lässt sich nicht mit Bargeld bezahlen

„Bargeldlos ist für alle angenehmer“, findet Janusch Munkwitz, der unter anderem die Bar Sattlerei und die Pizzeria Ciao Amore betreibt. Für sein Personal entfällt am Schichtende das Geldzählen. Er suchte extra ein Unternehmen, das die Trinkgeld-Option anbietet. In den USA sei diese Praxis gang und gäbe. „Ein bisschen, aber nicht erheblich mehr“ komme für die Mitarbeiter durch „das schnelle Handling“ zusammen. „Es hat sich echt gut eingependelt“, sagt Alba Malika Mokhlis, die in der Sattlerei arbeitet. Zehn Prozent würden die meisten Gäste wählen, und keiner würde das Trinkgeld mehr vergessen. Wer nur aufrunden oder zwei Euro geben will, drückt „anderer Betrag“. Ein Trinkgeld-Zwang bestehe trotzdem nicht, versichert die 25-Jährige, auf dem Display der Sattlerei ist der Button „Kein Trinkgeld“ der größte von allen. „Wir schauen auch nicht auf das Gerät“, so lange der Gast am Tippen ist

Fabio Calderon, der in der Sattlerei ein Bier trinkt, hält die Prozent-Knöpfe für eine gute Sache: „Ich gebe fast immer Trinkgeld“, sagt der 30-Jährige, „oft habe ich aber kein Bargeld dabei.“ Wenn er lange auf seine Bestellung warten müsse oder das falsche Essen serviert werde, würde er durchaus „Kein Trinkgeld“ wählen. Für Silke Effenberger ist es „eine Erleichterung“: In der Kuchenliebe hat sie den Aufschlag von acht Prozent gewählt, im Restaurant mit Bedienung erhöht sie auf zehn oder sogar 20 Prozent. Im Abacco’s ist es für Harry Schenk einerlei, auf welche Weise er dem Kellner für ordentlichen und freundlichen Service Trinkgeld zustecken kann: „Wer geben will, der gibt“, sagt der 70-Jährige. Bei ihm und seiner Begleitung standen im Steakhouse 115 Euro auf der Rechnung plus zehn Prozent Trinkgeld.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Stuttgart Restaurant Sattlerei