Neues Bildungszentrum in Böblingen Die Grundschule auf dem Flugfeld öffnet ihre Türen

Hanne Raasch hat die Schule vom Bau an begleitet. Foto: Eibner-Pressefoto/Edward Cheung

Endlich ist es so weit: auf dem Böblinger Flugfeld gibt es eine neue Grundschule. Die Nachfrage ist groß. Für die ersten ABC-Schützen geht es am Donnerstag los. Ein kleiner Einblick.

Böblingen: Veronika Andreas (va)

Es riecht nach frisch gestrichener Farbe. Im Eingangsbereich der neuen Grundschule auf dem Flugfeld in Böblingen erledigen Handwerker die letzten Handgriffe. Noch liegen Werkzeuge und Geräte am Boden, wo schon bald kleine ABC-Schützen mit großen Schulranzen auf dem Rücken durch das Foyer laufen und ihr Klassenzimmer suchen. Am Donnerstag werden hier die ersten Grundschüler ihre Einschulung feiern. Nach Jahren des Wartens auf eine neue Grundschule und zahlreichen Gesprächen mit der Stadt Böblingen öffnet nun die neue private Grundschule auf dem Flugfeld ihre Türen. Sie ist Teil des neuen Bildungszentrums des Internationalen Bunds (IB), zu dem auch ein Berufliches Gymnasium gehört. „Ich freue mich sehr, dass es nun bald los geht“, sagt Hanne Raasch, die Schulleiterin der Grundschule.

 

Seit dem Richtfest hat sie den Bau der Schule begleitet. Auch in den letzten Tagen vor Schulbeginn hat sie alle Hände voll zu tun. „Wir starten das Schuljahr mit zwei ersten Klassen á 14 Kindern“, erzählt Raasch. Später können hier einmal bis zu 300 Kinder in den vier Klassenstufen Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Das Interesse an der neuen Schule sei groß, freut sich die Schulleiterin. Auch für die nächsten Jahre seien schon Anfragen da. Viele Kinder wohnen allerdings gar nicht in unmittelbarer Nähe zur Schule. „Unser Einzugsgebiet ist groß. Da unsere Grundschule aufgrund ihrer freien Trägerschaft nicht an die Einzugsbezirke der Stadt Böblingen gebunden ist, können sich alle interessierten Familien unabhängig von ihrem Wohnort anmelden“, erklärt die Schulleiterin. Auch aus Herrenberg und Gemeinden um Böblingen und Sindelfingen herum kommen die Grundschüler.

Noch fehlen auf dem Schulhof ein paar Bäume. Foto: Eibner-Pressefoto/Edward Cheung

Die Schüler lernen Englisch ab der ersten Klasse

Während in vielen anderen Schulen bis zu 30 Schülerinnen und Schüler in einem Klassenzimmer sitzen, ist in der Grundschule Flugfeld die Anzahl an Kindern pro Klasse auf 25 begrenzt. Und es gibt noch weitere Besonderheiten. „Wir starten ab der ersten Klasse mit dem Unterrichtsfach Englisch“, sagt Raasch. Die kulturelle Vielfalt sei ein Schwerpunkt, auf den die Schule großen Wert legen möchte. Daher sollten die Kinder früh gefördert werden. Ebenso spiele Gleichberechtigung und Meinungsbildung an der Schule eine große Rolle. Kinder werden aktiv in Entscheidungen einbezogen, ihre Meinungen werden wertgeschätzt, und sie erhalten Unterstützung, um Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und Selbstbewusstsein zu entwickeln. „Nichtsdestotrotz halten wir uns aber natürlich an den Bildungsplan vom Land Baden-Württemberg“, so Raasch.

Die neue Grundschule auf dem Flugfeld bietet außerdem eine Ganztagsbetreuung von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr an, die durch ein Mittagessen in der Mensa erweitert werden kann. „Man kann sich einzelne Bausteine wie die Frühbetreuung, das Mittagessen oder die Hausaufgabenbetreuung hinzubuchen“, sagt Raasch. Die Kosten für das Schulgeld betragen 149 Euro pro Monat. Eine Stunde Betreuung kostet zehn Euro pro Wochentag im Monat, eine Stunde Hausaufgabenhilfe 15 Euro. Das Mittagessen schlägt jeweils noch mal mit rund fünf Euro zu buche.

Obwohl sich die Grundschule mit der Berufsschule ein Gebäude teilt, ist sie räumlich komplett für sich. Vom eigenen Eingang über den umzäunten Schulhof bis hin zum getrennten Treppenhaus. „Wer zu spät kommt, der muss draußen am Zaun klingeln, bis er hereingelassen wird“, sagt Raasch. Das sei zum Schutz der Schülerinnen und Schüler.

Der Wunsch nach einer Grundschule auf dem Flugfeld besteht viele Jahre

Mit dem Bau der Bildungseinrichtung wird in Böblingen ein dringender Bedarf gedeckt. Seit vielen Jahren ist klar, dass nur so dem raschen Bevölkerungszuwachs des Flugfelds Rechnung getragen werden kann. Rund 3500 Menschen, darunter viele junge Familien, leben dort. 160 davon waren im Jahr 2021 Grundschüler, laut Berechnungen der Stadt kommen jedes Jahr 45 weitere hinzu. Diese müssen bisher einen weiten und verkehrsreichen Weg in die umliegenden Schulen auf sich nehmen.

Bereits vor über sieben Jahren plante die Böblinger Verwaltung, dem städteplanerischen Versäumnis mit der Außenstelle einer bestehenden Grundschule zu begegnen. Dann kam der Internationale Bund ins Spiel, der eine private Schule auf dem Gelände bauen wollte. Im Jahr 2021 machten Eltern mit einer Petition Druck auf die Stadt. 235 Unterschriften forderten den raschen Bau einer Schule.

Im Juni 2023 erfolgte schließlich der Baustart. Der Ludwigsburger Bauträger und Projektentwickler Pflugfelder errichtete gemeinsam mit dem Generalunternehmen Gottlob Brodbeck das Gebäude, in das jetzt die ersten Schulkinder einziehen dürfen. „Ich sehe es als unglaubliche Möglichkeit, eine neue Schule mitaufzubauen und bin sehr dankbar, das alles miterleben zu dürfen“, sagt Hanne Raasch.

Weitere Themen