Neues Bündnis „Renningen bleibt bunt“ Ihr Ziel: Raus aus der „eigenen Blase“ und Demokratie stärken

Zahlreiche Renningerinnen und Renninger An der ersten Demonstration von „Renningen bleibt bunt“ teil. Foto: Simon Granville

Mit einem neuen Bündnis „Renningen bleibt bunt“ möchten die Initiatoren Marco Lang (SPD) und Guilherme Oliveira (Grüne) Demokratie stärken und das Thema wieder in die Mitte der Gesellschaft bringen.

Zahlreiche Menschen haben sich Anfang des Jahres deutschlandweit zusammengefunden, um für Demokratie und Toleranz und gegen Rechtsextremismus einzustehen. Um Demokratie dauerhaft zu stärken, braucht es aber andauernden Einsatz, glauben Marco Lang, Vorsitzender der SPD Renningen, und Guilherme Oliveira, Vorsitzender der Grünen in Renningen. Sie haben daher den Grundstein für ein neues Bündnis unter dem Namen „Renningen bleibt bunt“ gelegt. Es befindet sich noch in Gründung, unterschiedliche Gruppen, auch nicht politische, haben bereits Interesse signalisiert.

 

Seinen Anfang nahm die Idee durch einen politischen Frühschoppen der Orts-SPD im April, der unter dem Titel „wehrhafte Demokratie“ stand. Die Vorbereitungen überschnitten sich mit den zahlreichen Protestaktionen gegen Rechts im Land. Die Teilnehmerzahlen überraschten selbst den Ortsvorsitzenden. „Wir haben daher überlegt, wie wir Demokratie langfristig stärken können“, so Lang. „Auf die Straße zu gehen, ist wichtig – aber wir wollen mehr als das.“

Raus aus der „eigenen Blase“

Das „Wir“ schließt den Grünen-Vorsitzenden Guilherme Oliveira mit ein, der sich an den Überlegungen ebenfalls gerne beteiligen wollte. „Wir wollen das Thema nun wieder dahin bringen, wo es hingehört, in die Mitte der Gesellschaft.“ Das bedeutet, sich rausbewegen aus der „eigenen Blase“, wie es Marco Lang formuliert, und „aktiv auf andere zugehen und die Menschen ansprechen.“ Studien zufolge geht für jeden Menschen im Durchschnitt die Zahl der sozialen Bindungen zurück, so Lang. Bei Kindern und Jugendlichen habe die Pandemie zudem ihre Spuren hinterlassen, die Kompetenz, mit unsicheren Situationen umzugehen, ist gesunken. „Untersuchungen zeigen, dass dies eine Zuwendung zu populistischen Thesen fördert – weil diese vermeintlich einfach zu erhaltende Sicherheit suggerieren.“ Aus diesem Grund haben die Initiatoren nicht nur andere politische Gruppierungen angesprochen und angeschrieben, sondern vor allem Vereine, um mehr Menschen zu erreichen.

Als erste Veranstaltung haben die Initiatoren für den 1. Mai zu einer Kundgebung für Demokratie und Freiheit aufgerufen. „Ich war auch super positiv überrascht, wie gut es gelaufen ist“, erzählt Marco Lang. Schätzungsweise seien zum Ende hin um die 300 Teilnehmer dabei gewesen. Selbst der Bürgermeister Wolfgang Faißt (Freie Wähler) sei von Anfang bis Ende dabeigeblieben.

Nicht nur die „üblichen Verdächtigen“ sollen sich einbringen

Das soll aber nur der Anfang gewesen sein. „Kundgebungen gehören natürlich dazu, aber wir möchten gerne mehr erreichen“, betont Guilherme Oliveira. Idealerweise sollen sich am Ende alle auf ihre Weise einbringen, von Schulen über Sport- bis hin zu Kulturvereinen. „Wichtig ist uns, dass es nicht immer nur die ,üblichen Verdächtigen‘ sind“, ergänzt Marco Lang.

Aber warum braucht Demokratie diese Form der „Rückendeckung“? „Man muss realisieren, dass, wenn man in einer Demokratie lebt, diese nicht selbstverständlich ist“, sagt Guilherme Oliveira. Bei einer Staatsform, die freie Entscheidungen und gleiche Rechte für alle in den Mittelpunkt stellt, müsse man immer davon ausgehen, dass es Menschen gibt, die dieses System aushöhlen wollen. Man müsse wachsam sein und sich aktiv dafür einsetzen. „Wir wollen jetzt in die Offensive gehen und vor allem die ,schweigende Mehrheit‘ erreichen.“

Marco Lang ergänzt: „Demokratie ist nie fertig. Sie ist die Herrschaft des Volkes. Das heißt auch, man muss selbst etwas tun und sich immer wieder von Neuem um Kompromisse bemühen.“ Damit sei Demokratie Arbeit und anstrengend, „sie erfordert klare Haltung, begründbare Meinung und die Fähigkeit zum Diskurs und sogar zum Streit“. Am Ende muss das Ziel einer guten Lösung stehen. „Wir müssen daher die Diskussion und das Ringen um gute Lösungen als etwas Gutes und Attraktives verstehen und darstellen und in den Mittelpunkt rücken.“

Kontakt zu den Initiatoren: E-Mail an renningen-bleibt-bunt@web.de.

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