Stadtkind Stuttgart

Neues Café an der Tübinger Straße Misch Misch mischt den Süden auf

Von Tanja Simoncev 

Am Montag ist es soweit, der Süden wird um ein Kaffee-Mekka reicher. Die Stuttgarterin Michaela Tsanidou eröffnet das Café "Misch Misch" an der Tübingerstraße und lädt ein zu besonderem Kaffee, Events und vielen anderen Specials. Wir haben mit der Café-Chefin über Träume, Transparenz und Existenzängste gesprochen.

Am Montag wird endlich Eröffnung gefeiert: Michaela Tsanidou vor ihrem Café Misch Misch an der Tübinger Straße. Foto: Tanja Simoncev 5 Bilder
Am Montag wird endlich Eröffnung gefeiert: Michaela Tsanidou vor ihrem Café "Misch Misch" an der Tübinger Straße. Foto: Tanja Simoncev

Stuttgart - Es ist ein kleines Geschäft in der Nähe des hippen Marienplatzes, ein Laden, der nicht sofort auffällt und doch heraussticht: Misch Misch mischt ab Montag den Süden auf und auserwählten Kaffee ab. Für Inhaberin Michaela Tsanidou, die der Location momentan noch mit Daniele Ferrazzano und der Crew vom Studio DLF den letzten Schliff verpasst, geht damit ein Traum in Erfüllung. "Etwas Eigenes zu haben, war schon lange mein Wunsch", sagt sie. Ihr Credo: "Ich lege großen Wert auf guten Kaffee."

Deshalb wird die Tübingerstraße nun also um ein Spezialitäten-Café reicher. "Ich will, dass alles transparent ist, jeder kann mir alle erdenklichen Fragen zum Kaffee und den Herkunftsländern stellen. Es wird einfach einen roten Faden zum Produkt geben und das ist mir bei allen Produkten wichtig, die ich anbiete", betont Michaela. Im Angebot hat sie außerdem: Ganze Bohnen, eine eigene Hausmischung, zwei feste Espressi und einen Gast-Espresso von Mikro-Röstern. Zusätzlich wird es verschiedene Zubereitungsmethoden geben, mit dem Hand-Filter, der Siphon oder Aeropress, alle Utensilien gibt es dann auch zu kaufen, ebenso wie die passende Literatur dazu.

Kaffeeröster, Baristas, Nerds

Und was entfachte die große Kaffee-Liebe in der 32-Jährigen? "Die Leidenschaft für Kaffee gab's eigentlich schon immer, bei uns Griechen ist das ja so: Du kommst zu Besuch und bekommst erstmal ein Käffchen angeboten. Wir sind mit Mocca aufgewachsen", berichtet sie. Doch so richtig in die Kaffee-Welt eingetaucht sei sie erst später, ungefähr vor acht Jahren durch eine Freundin, die eine Agentur hatte und Michaela so auf Messen mit Kaffeeröstern, -Weltmeistern und Baristas in Kontakt brachte. "Ich durfte mit diesen 'Nerds' zusammenarbeiten und das hat dann mein Interesse geweckt. Ich wollte an der Maschine stehen, die Einstellungen üben und habe schließlich meinen Barista-Schein gemacht." Im Grunde könne jeder diesen Schein machen, aber im Endeffekt zähle die Erfahrung, wie oft und viel und ob man überhaupt an der Maschine arbeite.

Und das alles neben dem Architektur-Studium. "Damals habe ich außerdem noch bei Lufthansa gearbeitet, beim Check-In und Boarding. Irgendwann war's dann aber einfach zu viel, ich hab's mir zu der Zeit echt gegeben und dann einfach gemerkt: Michi du musst dich entscheiden." Also habe sie weiter studiert. "Ich konnte mir aber auch nicht vorstellen im Büro zu arbeiten, weil ich einfach auch das Reisen und die Abwechslung brauche", so die ambitionierte Lady. Der nächste Step war alles andere als leicht. "Der Family zu sagen, dass ich jetzt nicht mehr studieren will, war ein großer Kampf, auch ein innerer und echt schwierig." Doch dann habe die Stuttgarterin ihr inneres Gleichgewicht gefunden. "Allein, weil ich das gemacht habe, worauf ich selbst richtig Bock hatte." 

Ape und Aprikosen

Im vergangenen Jahr gab eine Reise nach Sumatra den letzten Ausschlag, es ging um ein Kaffeeprojekt und wie man den Regenwald schützen könne. "Ich kam zurück und wusste, das soll es sein. Innerhalb von zwei Wochen hatte sich das dann mit der Ape ergeben und ich verkaufte meinen ersten Kaffee auf dem Streetfood-Markt am Nordbahnhof." Und das sei so "Bombe" gelaufen und habe für Michis Unternehmen eine positive Entwicklung vorangetrieben. So war sie auf vielen Festen zu Gast und kann nun ihr eigenes Café eröffnen. Misch Misch sei übrigens ihr Spitzname, den sie seit der Hochzeit einer Freundin in Jordanien weghabe. Ein Busfahrer, der sich ein bisschen in die 32-Jährige verguckt hatte, konnte Michi nicht aussprechen und nannte sie "Misch Misch", was auf arabisch Aprikose bedeutet. Und als die gutegelaunte Kaffeetante dann noch kurze Zeit später einen, wie sie selbst sagt, richtig geilen Espresso mit Aprikosen- und Jasmin-Noten probierte, war die Sache geritzt. 

Von Montag an soll es dann auch immer wieder Events geben. Studenten sollen in Michis Café außerdem eine Plattform finden, um ihre Werke auszustellen und es wird Live-Musik geben. "Das Café als Schwerpunkt soll einfach mit Dingen, die Spaß machen, kombiniert werden", freut sich die Café-Chefin. Was dabei völlig außen vor gelassen werde, seien (Existenz-)Ängste. "Ich habe keine Zweifel, ich mache das jetzt einfach und ich denke gar nicht darüber nach, dass es vielleicht nicht funktionieren könnte."  

"Misch Misch" ist ab Montag an der Tübingerstraße 95 beheimatet, wird aber unter anderem auch auf dem Feuerseefest zu Gast sein.