Neues Café in Weissach Sozialdezernent: „Inklusion, die hervorragend schmeckt und Brücken baut“

Frisch gebrühter Kaffee mit Bohnen aus eigener Rösterei: Ein inklusives Café geht in Weissach an den Start. Foto: Karl-Georg-Haldenwang-Schule

Das Café Samocca will in Weissach mehr als frischen Kaffee bieten: Das Integrationsunternehmen Pfiffikus schafft besondere Arbeitsplätze und einen Ort der Begegnung.

Das Leonberger Integrationsunternehmen Pfiffikus erweitert sein Geschäftsfeld – es eröffnet das Café Samocca Weissach. Im Herzen der Gemeinde Weissach soll ein Ort der Begegnung und des Genusses entstehen, an dem auch Inklusion gelebt werden soll.

 

Das gemeinnützige Unternehmen Pfiffikus wurde 2002 von engagierten Eltern und Lehrkräften der Karl-Georg-Haldenwang-Schule (KGHS) gegründet. Längst hat es sich auf dem Markt etabliert. In den Geschäftsfeldern Wäscheservice und Reinigung sowie Serviceleistungen in der Schulverpflegung – in drei Mensen sind Mitarbeitende tätig, in zwei Schulen bereiten sie Frühstück vor – ist die gemeinnützige Pfiffikus GmbH mit ihren zurzeit 21 Kräften tätig. Neun von ihnen haben eine schwerere Behinderung.

Am Freitag, 24. April, will Pfiffikus nun sein viertes Geschäftsfeld eröffnen, das Café Samocca Weissach. Pfiffikus wird es in den Räumen des Seniorenzentrums Rosa-Körner-Stift der Samariterstiftung über einen Franchisevertrag betreiben.

Ein Team freut sich auf den Start des Cafés: Julia Bläsi und Benjamin Stähle, Dritte und Vierter von rechts, haben die Leitung inne. Foto: Karl-Georg-Haldenwang-Schule

Schon jetzt haben Dusan Minic, der Sozialdezernent des Landkreises Böblingen, Ines Kalker (Vorsitzende des Fördervereins der KGHS, dem alleinigen Gesellschafter von Pfiffikus), Tobias Benzinger und Wolfgang Weiß (beide ehrenamtliche Geschäftsführer) sowie Timur Erdem (Schulleiter und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung) Einblicke bekommen.

Informiert wurden sie von Julia Bläsi und Benjamin Stähle, die die Café-Leitung innehaben. Beide kommen von der Lebenshilfe und haben langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit einer Behinderung. Benjamin Stähle ist zudem gelernter Konditormeister.

Betreiber finden „ideale Voraussetzungen für ein offenes Café-Angebot“

Erste Überlegungen für ein Café in Weissach begannen Mitte 2023, nachdem der bisherige Betreiber seinen Betrieb eingestellt hatte. „Die Räumlichkeiten im Eingangsbereich des Seniorenzentrums bieten mit ihrer zentralen Lage, guten Parkmöglichkeiten und einem barrierefreien Zugang ideale Voraussetzungen für ein offenes Café-Angebot für alle Generationen“, sagt Wolfgang Weiß.

„Damit schaffen wir attraktive Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap

„Damit schaffen wir attraktive Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap auf dem ersten Arbeitsmarkt und stärken zugleich die wirtschaftliche Resilienz unseres Unternehmens“, ergänzt Tobias Benzinger. Der Einstieg von Pfiffikus in den Café-Betrieb eröffne neue Chancen. Er unterstreiche das inklusive und nachhaltige Unternehmenskonzept, denn die Firma konkurriere immer mit Anbietern vom ersten Arbeitsmarkt.

Eine der Triebfedern des Projektes ist der Dezernent für Jugend und Soziales, Dusan Minic, gewesen. Als Träger der Karl-Georg-Haldenwang-Schule gratuliere der Landkreis Pfiffikus zu diesem Schritt, der dringend benötigte vielfältige und passgenaue Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung schaffe. „Man nehme die bewährte Innovationskraft von Pfiffikus, füge die handwerkliche Qualität aus einer eigenen Kaffeerösterei und einem Konditormeister hinzu und platziere das Ganze in einem Seniorenzentrum im Herzen von Weissach. Das Ergebnis ist Inklusion, die hervorragend schmeckt und Brücken baut zwischen Menschen mit und ohne Behinderung“, sagt Dusan Minic.

Aufgeschäumte Milch gehört etwa beim Cappuccino mit dazu. Foto: Karl-Georg-Haldenwang-Schule

In Zusammenarbeit mit der Samariterstiftung als Franchisegeber wurde ein Geschäftsplan erarbeitet, der als Grundlage für Finanzierungsgespräche mit Stiftungen, Investoren und Banken diente. Geldgeber zu finden sei nicht einfach gewesen, erinnern sich die beiden Geschäftsführer. Die Hürde wurde erst genommen, als die Eugen und Irmgard Hahn-Stiftung die Zusage für eine Anschubfinanzierung für fünf Jahre gab.

In der Kaffeerösterei wird vor den Augen der Gäste frisch geröstet

Der Franchisevertrag ist unterzeichnet, Umbauarbeiten laufen, Maschinen und Küchengeräte sind bestellt und erste Mitarbeitende bereits eingestellt, um sich mit den Arbeitsvorgängen vertraut zu machen. Dabei profitiert das Café von der großzügig ausgestatteten Küche, mit der die Gemeinde Weissach die Begegnungsstätte im Rosa-Körner-Stift ausgestattet hat.

Ein Höhepunkt ist die in den Café-Betrieb integrierte Kaffeerösterei, in der sortenreine Spezialitätenkaffees und Gourmetmischungen vor den Augen der Gäste geröstet werden. Ergänzt wird das Angebot mit von Konditormeister Benjamin Stähle kreierten Kuchen, Tees und Trinkschokoladen. Auch frische Speisen in regionaler Qualität zu einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis sollen angeboten werden.

Mitarbeiter sollen „die Möglichkeit haben, die eigene Persönlichkeit weiter zu entwickeln“

Die Marke Samocca wurde 2003 von den Ostalb-Werkstätten der Samariterstiftung gegründet und hat sich seither zu einem bundesweiten Franchisesystem entwickelt. Es gibt inzwischen 13 Betriebe in Deutschland, die neue Arbeitsbereiche für Menschen mit Behinderung und psychischen Erkrankungen schaffen. Weissach ist auch für die Samariterstiftung eine Neuerung: Das Café ist nicht an eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung angeschlossen, sondern wird von einer Integrationsfirma betrieben.

„Es ist eine große Herausforderung für Menschen mit einer Behinderung, den sicheren und bequemen Schoß einer Behindertenwerkstatt für einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz zu verlassen“, sagt Tobias Benzinger. „Doch wir wollen ihnen Wahlmöglichkeiten bieten und einen vielseitigen Arbeitsplatz, damit sie die Möglichkeit haben, die eigene Persönlichkeit weiter zu entwickeln“, ergänzt Wolfgang Weiß.

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